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Institut für

WI Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen

Projekt

Die räumliche Mobilität von Arbeitskräften im Erwerbsverlauf – Analysen für ländliche Räume in Deutschland


Federführendes Institut WI Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen

Business Crowd, Dark Commute
© higyou-stock.adobe.de

Die räumliche Mobilität von Arbeitskräften im Erwerbsverlauf – Analysen für ländliche Räume in Deutschland

Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung ländlicher Räume ist die regionale Verfügbarkeit des Wissens und der Fähigkeiten qualifizierter Arbeitskräfte von besonderer Bedeutung. Insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung wird diese Verfügbarkeit entscheidend durch das Wanderungsverhalten von Arbeitskräften beeinflusst.

Hintergrund und Zielsetzung

In Deutschland sind seit langem ausgeprägte regionale Unterschiede in der  Wirtschaftskraft und den Arbeitsmarktbedingungen zu beobachten. Die Mobilität der Arbeitskräfte ist hierfür sowie für die Veränderung entsprechender regionaler Disparitäten und die Entwicklung ländlicher Räume von hoher Relevanz. Im Mittelpunkt dieses Projekts stehen daher zum einen die aktuellen Wanderungsbilanzen der ländlichen Regionen. Zum anderen sollen neue Erkenntnisse über die Faktoren gewonnen werden, die die interregionale Arbeitskräftewanderung bestimmen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der räumlichen Mobilität von Arbeitskräften im Verlauf ihres Erwerbslebens. Dabei geht es insbesondere um die individuelle Wahrscheinlichkeit, aus einer ländlichen Region abzuwandern, dorthin zuzuziehen bzw. nach einer z. B. ausbildungsbedingten Abwanderung zurückzukehren.

Vorgehensweise

Zum einen werten wir die Wanderungsbilanzen von Regionen aus. Zum anderen untersuchen wir die Determinanten individueller Wanderungsentscheidungen in Deutschland.

Da der Umfang des Wanderungsgeschehens in Deutschland auch in ländlichen Regionen erheblich größer ist, als dies aus den zumeist berichteten Wanderungssalden erkennbar wird, betrachten wir neben der Nettomigration auch die regionalen Zu- und Abwanderungsströme von Arbeitskräften. Die mit dem Wanderungsergebnis verbundene Heterogenität ländlicher Räume analysieren wir differenziert nach verschiedenen Personenmerkmalen wie dem Alter und dem Bildungsniveau, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie sich das regionale Arbeitsangebot und damit die regional verfügbaren Fähigkeiten und Qualifikationen durch die Binnenwanderung verändern.

Unsere Analyse der individuellen Wanderungsentscheidung legt einen Schwerpunkt auf die Abwanderungswahrscheinlichkeit von Arbeitskräften aus ländlichen Räumen und ihre Rückkehrwahrscheinlichkeit. Daneben untersuchen wir Wanderungsbewegungen zwischen verschiedenen Regionstypen. Wir berücksichtigen dabei sowohl individuelle Merkmale der Personen wie auch Charakteristika der Regionen und analysieren, wie sich die Bedeutung dieser Faktoren im Verlauf der Erwerbsbiografie verändert.

Daten und Methoden

Basis unserer Untersuchungen sind umfangreiche Sekundärdaten: die Integrierten Erwerbsbiografien (IEB) des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die IEB liefern uns detaillierte Informationen über individuelle Wanderungsbiografien von Arbeitskräften, die wir deskriptiv auswerten sowie mit mikroökonometrischen Methoden analysieren.

Unsere Forschungsfragen

  • Welche (ländlichen) Regionen sind insbesondere von Arbeitskräfteabwanderung betroffen, welche (ländlichen) Regionen profitieren von interregionaler Zuwanderung?
  • Welche Faktoren beeinflussen die Wahrscheinlichkeit, aus einer ländlichen Region abzuwandern, bzw. die Wanderungsbewegungen zwischen verschiedenen Regionstypen?
  • Welche Bedeutung hat die Rückwanderung von Arbeitskräften im Verlauf des Erwerbslebens für die Verfügbarkeit von Fachkräften in ländlichen Regionen?
  • Wovon hängt die individuelle Wahrscheinlichkeit ab, nach einer Abwanderung zurückzukehren?

Ergebnisse

"Die regionalen Wanderungssalden ländlicher Räume sind ausgesprochen heterogen. Das Wanderungsergebnis variiert zwischen und innerhalb von Regionstypen, im Zeitverlauf sowie in Abhängigkeit der betrachteten Gruppe von Arbeitskräften. Zuwanderung von Arbeitskräfte in viele ländliche Regionen sind häufiger Rückwanderungen als im Bundesdurchschnitt. Ein hoher Anteil der Rückwanderung an der Zuwanderung geht häufig damit einher, dass wenige andere Arbeitskräfte in die jeweilige Region ziehen. Je stärker das Arbeitsplatzangebot in einer Region mit der individuellen Qualifikation übereinstimmt, desto eher wird die Region z. B. nach dem Abschluss einer Berufsausbildung bzw. eines Studiums als Wohnort gewählt. Weitere regionale Faktoren, die sich den Ergebnissen zufolge günstig auf das Wande­rungsergebnis einer Region auswirken, sind die kommunale Fi­nanzausstattung, das kulturelle Angebot und die (touristische) Attraktivität. Besser qualifizierte Arbeitskräfte wandern eher aus ländlichen Räumen ab und kehren seltener zurück als jene mit geringerer Qualifikation. Dies wirkt sich tendenziell ungünstig auf das Arbeitskräfteangebot in ländlichen Räumen aus." (Quelle: Project brief 2021/30, doi: 10.3220/PB1636022091000)

Diese und weitere Ergebnisse sowie abgeleitete Politikimplikationen finden sich auch in der zusammenfassenden Abschlusspublikation, dem Thünen à la carte 10 "Ländliche Räume: Ab-, Rück- und Zuwanderungsregionen" (doi: 10.3220/CA1633423979000).

Links und Downloads

Projekthomepage des IAB: www.iab.de/138/section.aspx/Projektdetails/k180301302

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

3.2018 - 9.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2817LE054
Förderprogramm: Bundesprogramm Ländliche Entwicklung
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

  1. 0

    Peters JC, Meister M, Niebuhr A, Stiller J (2021) Die räumliche Mobilität von Arbeitskräften im Erwerbsverlauf - Analysen für ländliche Räume in Deutschland (MobiLä). Braunschweig: Thünen-Institut für Ländliche Räume, 1 p, Project Brief Thünen Inst 2021/30, DOI:10.3220/PB1636022091000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064128.pdf

  2. 1

    Stiller J, Meister M, Niebuhr A, Peters JC (2021) Die Rückwanderung von Arbeitskräften mildert die demografische Herausforderung vieler ländlicher Regionen nur selten [online]. IAB-Forum(28. Mai 2021), zu finden in <https://www.iab-forum.de/die-rueckwanderung-von-arbeitskraeften-mildert-die-demografische-herausforderung-vieler-laendlicher-regionen-nur-selten/> [zitiert am 31.05.2021]

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063650.pdf

  3. 2

    Peters JC, Meister M, Niebuhr A, Stiller J (2021) Ländliche Räume: Ab-, Rück- und Zuwanderungsregionen. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 6 p, Thünen à la carte 10, DOI:10.3220/CA1633423979000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064126.pdf

  4. 3

    Stiller J, Ohlhoff M (2021) Rückkehrinitiativen in Deutschland: Eine Erhebung für den Zeitraum 2001 bis 2018. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 37 p, Thünen Working Paper 177, DOI:10.3220/WP1622454244000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063656.pdf

  5. 4

    Peters JC, Meister M, Niebuhr A, Stiller J (2021) The spatial mobility of workers over the course of individual working lives - Analyses for rural areas in Germany (MobiLä). Braunschweig: Thünen Institute of Rural Studies, 1 p, Project Brief Thünen Inst 2021/30a, DOI:10.3220/PB1636443499000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064141.pdf

  6. 5

    Stiller J, Meister M, Niebuhr A, Peters JC (2021) Zur Binnenwanderung von Arbeitskräften in Deutschland: Was zeichnet Regionen mit positiven Wanderungssalden aus? Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 75 p, Thünen Working Paper 176, DOI:10.3220/WP1622453382000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063654.pdf

  7. 6

    Meister M, Stiller J, Niebuhr A, Peters JC, Hinrichsen PL, Reutter P (2020) Zur Rückwanderung von Arbeitskräften in die ländlichen Regionen Deutschlands: deskriptive Befunde. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 59 p, Thünen Working Paper 144, DOI:10.3220/WP1588052806000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn062265.pdf

  8. 7

    Meister M, Stiller J, Peters JC, Birkeneder A (2019) Die Binnenwanderung von Arbeitskräften in Deutschland : eine deskriptive Analyse für ländliche Räume auf Basis der Integrierten Erwerbsbiografien (IEB) des IAB. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 71 p, Thünen Working Paper 132, DOI:10.3220/WP1574415954000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061636.pdf

  9. 8

    Meister M, Niebuhr A, Peters JC, Reutter P, Stiller J (2019) Die wirtschaftliche Spezialisierung ländlicher Räume. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 62 p, Thünen Working Paper 133, DOI:10.3220/WP1574416822000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn061637.pdf

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