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Institut für

WI Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen

Aktuelles

Gastvortrag zu den politischen Kosten von Gebietsreformen am Institut

Welchen Effekt haben Gebietsreformen auf demokratische Partizipation? Diese Frage diskutierte das Forschungsteam des Instituts mit Dr. Luisa Dörr vom ifo Institut im Rahmen der Seminarreihe „Spezifika der Wirtschaft in ländlichen Räumen“.

Luisa Dörr (links) und Jan Cornelius Peters
© Thünen-Institut/Lena Gerling

Luisa Dörr (links) und Jan Cornelius Peters.

Seit 1990 ist die Zahl der Gemeinden in Deutschland durch Gemeindezusammenlegungen von etwa 16.000 auf 11.000 gesunken. Während die damit verbundenen Erwartungen an ökonomische Effizienzgewinne in der Literatur nicht eindeutig bestätigt werden konnten, bleiben die politischen Kosten weitgehend unerforscht. In einem gemeinsamen Projekt mit Aaron Günther (ifo Institut) untersucht Luisa Dörr die Auswirkungen von Gebietsreformen auf die Wahlbeteiligung in den betroffenen Kommunen. Erste Projektergebnisse präsentierte Luisa Dörr am 22. April im Forschungsseminar des Instituts.

Zunächst zeigen die Autoren auf Basis von Difference-in-Differences-Schätzungen für alle deutschen Gemeindefusionen zwischen 1990 und 2021 einen signifikanten und anhaltenden Rückgang der Wahlbeteiligung sowohl bei Kommunal- als auch bei Bundestagswahlen von rund 0,3 bis 1 Prozentpunkt.

In einem zweiten Schritt nutzen die Autoren eine institutionelle Besonderheit des Freistaates Sachsen aus, um genauer zu untersuchen, wie Gebietsreformen die Wahlbeteiligung in den betroffenen Räumen beeinflussen. Die Einführung von Ortschaftsräten in Sachsen ermöglicht es, die Wahlbeteiligung in den ursprünglichen Gemeinden auch nach den Fusionen nachzuverfolgen. Wahlen zu Ortschaftsräten in eingemeindeten Ortschaften weisen dabei einen besonders starken Rückgang der Wahlbeteiligung um 2–3 Prozentpunkte auf, was die Annahme stützt, dass die Zusammenlegung kleinerer Ortschaften zu größeren Verwaltungseinheiten die Distanz zwischen Bürger*innen und der Politik vergrößern und damit das lokale demokratische Engagement schwächen kann.

Im Rahmen des Vortrags diskutierte Luisa Dörr mit den Seminarteilnehmer*innen auch über mögliche Einflusskanäle, durch die Gebietsreformen das lokale demokratische Engagement beeinflussen könnten. Hervorgehoben wurden hierbei Faktoren wie der Rückgang lokaler Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Schulen, die mit Gemeindefusionen einhergehen, sowie die Bedeutung bürgernaher Gemeinderäte als Institutionen der lokalen Identifikation und demokratischen Legitimation.

Kontakt: Dr. Lena Gerling

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