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Institut für

FI Fischereiökologie

Projekt

COFISHMAP - belastete Fisch-Habitate in Marokko


Federführendes Institut FI Institut für Fischereiökologie

Fischerboote im Hafen von Safi (Marokko)
© Malte Damerau

Bewertung der Qualität von küstennahen Fisch-Habitaten in Marokko

Gemeinsam mit marokkanischen Partnern untersuchen wir die Belastung von Fischen in marokkanischen Küstengewässern.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Marokkanische Atlantikküste gehört zu den reichsten Fischgründen der Welt. Zusammengenommen verläuft die Küstenlinie Marokkos über 2141 Meilen entlang der Mittelmeerküste und des Atlantiks. Die Fischereiwirtschaft ist seit den 1930er Jahren der größte Industriesektor in Marokko und hat sich seit den 1980er Jahren enorm entwickelt. Zusammen mit Abfallmanagement und Wüstenbildung gelten Wasserqualität und Küstenverschmutzung als die zwei wichtigsten Umweltthemen in Marokko. Fische, die benthisch oder demersal in Ästuaren oder küstennah leben sind die am meisten von heimischer Umweltbelastung betroffenen Organismen im marinen Nahrungsnetz. Während die Verschmutzung von Oberflächengewässern überwiegend periodisch auftritt, bleibt die Kontamination im Sedimenten bestehen. Benthische Fischarten wie Süßwasseraal, Meeraal und Muräne sind während ihrer Wachstumsphase relativ stationär und leben im direkten Kontakt zu Sedimenten und reichern darin enthaltene Schadstoffe an. Das ist einerseits in ihrer hohe Position in der Nahrungskette begründet und liegt andererseits an ihren hohen Fettgehalten.

Durch Analyse des Europäischen Aals (Anguilla anguilla), des Meeraals (Conger conger) und der Mittelmeer-Muräne (Muraena helena) auf Schwermetalle und PAH-Metaboliten (Abbauprodukte von Erdölkohlenwasserstoffen) an Probeorten entlang der marokkanischen Mittelmeer- und Atlantikküste wollen wir eine Karte mit küstennahen Belastungsschwerpunkten erstellen sowie eine Risikoabschätzung für den Fischverzehr in diesen Regionen abgeben. Eine landesweite Untersuchung der unterschiedlichen Kontamination in Fischen fehlte bisher.

Vorgehensweise

Insgesamt wurden 12 Orte entlang der Mittelmeer- und der Atlantikküste Marokkos besucht und dort Proben von 182 Fischen für COFISHMAP gesammelt und analysiert, die sich auf sechs Fischarten verteilen: Muraena helena, Conger conger, Halobartrachus didactylus, Anguilla anguilla, Ophidiinae barbatum und Gymnothorax unicolor. Die Proben wurden auf die Schadstoffe 1-Hydroxypyren in der Galle, Quecksilber im Muskel und Cadmium und Blei in der Leber untersucht.

Es wird ein bi-nationales wissenschaftliches Netzwerk aufgebaut, das die  beiden Disziplinen Biologie und analytische Chemie umfasst.

Daten und Methoden

Es liegen Daten vor zur Belastung der genannten Fischarten mit Quecksilber, Blei, Cadmium und 1-Hydoxypyren vor. Für Conger conger erlauben die Daten einen regionalen Belastungsüberblick über den Küstenbereich Marokkos.

Die verwendeten analytischen Methoden waren Atom-Absorptions-Spestroskopie (AAS) sowie Hochdruck-Flüssig-Chromatographie (HPLC) mit Fluoreszenz-Detektion.

Unsere Forschungsfragen

Wie hoch sind Fische aus Marokko mit Schadstoffen belastet?

Welche der untersuchten Fischarten ist am höchsten belastet?

Welche Konsequenzen ergeben sich für den Verzehr der Fische?

Wie ist die regionale Verteilung der Belastung?

Ergebnisse

Wie hoch sind Fische aus Marokko mit Schadstoffen belastet?

Conger Conger an ausgewählten Stationen weisen im Mittel eine Belastung auf von ...

  • 9,4 ng 1-Hydroxypyren /ml Galle
  • 251 µg Quecksilber /kg Muskel
  • 94 µg Blei /kg Leber
  • 259 µg Cadmium /kg Leber

Welche der untersuchten Fischarten ist am höchsten belastet?
Bezogen auf die vier analysierten Schadstoffe weist Anguilla anguilla die höchsten Mittelwerte für 1-Hydroxypyren und Blei, Muraena helena für Quecksilber und Cadmium auf. Der am höchsten mit Quecksilber belastete Einzelfisch war aber ein Conger conger.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich Quecksilber und z.T. auch Cadmium in den Fischen bioakkumuliert.

Welche Konsequenzen ergeben sich für den Verzehr der Fische?
Etwa 50% des EU-Lebensmittel Grenzwerts für Quecksilber werden von Muraena helena und Conger conger ab ca. 80-100 cm Körperlänge erreicht. Fische dieser Arten und Längen sollten nicht zu häufig verzehrt werden.

Wie ist die regionale Verteilung der Belastung?
Die regionale Belastung wurde ab Beispiel von Conger conger untersucht. Jeder untersuchte Stoff zeigte eigene regionale Muster und Hotspots. Cadmium zeigt zum Beispiel höhere Mittelwerte in Regionen an der Atlantikküste als an der Mittelmeerküste. Conger conger mit den höchsten Cadmiumgehalten kommen aus Casablanca.

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

5.2017 - 8.2022

Weitere Projektdaten

Projektfördernummer: 01DH17005
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

  1. 0

    Kammann U, Pohlmann J-D, Wariaghli F, Bourassi H, Regelsberger K, Yahyaoui A, Hanel R (2023) COFISHMAP - Assessment of Moroccan coastal fish habitat and water quality. Bremerhaven: Thünen Institute of Fisheries Ecology, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2023/08a, DOI:10.3220/PB1672824208000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065800.pdf

  2. 1

    Kammann U, Pohlmann J-D, Wariaghli F, Bourassi H, Regelsberger K, Yahyaoui A, Hanel R (2023) COFISHMAP - Bewertung der Qualität von küstennahen Fisch-Habitaten in Marokko. Bremerhaven: Thünen-Institut für Fischereiökologie, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2023/08, DOI:10.3220/PB1672823831000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065798.pdf

  3. 2

    Kammann U, Pohlmann J-D, Wariaghli F, Bourassi H, Regelsberger K, Yahyaoui A, Hanel R (2022) Heavy metal contamination in European conger (Conger conger, Linnaeus 1758) along the coastline of Morocco. Environ Sci Europe 34:114, DOI:10.1186/s12302-022-00694-0

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn065705.pdf

  4. 3

    Baali A, Kammann U, Hanel R, El Qoraychy I, Yahyaoui A (2016) Bile metabolites of polycyclic aromatic hydrocarbons (PAHs) in three species of fish from Morocco. Environ Sci Europe 28(25), DOI:10.1186/s12302-016-0093-6

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn057421.pdf

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