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Institut für

FI Fischereiökologie

Projekt

PlasM - Mikroplastik im Fisch


Federführendes Institut FI Institut für Fischereiökologie

© Marc-Oliver Aust

Plastikmüll und Meeresfische

Meeresmüll ist ein globales Problem: Große Mengen Abfalls landen nach der Produktion an Land in den Weltmeeren und werden dort zu Meeresmüll. Wir untersuchen wieviel Plastikmüll (Mikroplastik) sich in Meeresfischen findet und ob die Tiere darunter leiden.

Hintergrund und Zielsetzung

Meeresmüll besteht aus verschiedenen Materialien, von denen Plastik aufgrund seiner niedri­gen Abbaurate als besonders problematisch angesehen wird. In europäischen Regionen bestehen etwa 70-80 % des Meeresmülls aus Plastik. Nach neueren Schätzungen gelangen ca. 4,8 Mio t Plastikmüll pro Jahr in die Weltmeere und rei­chern sich dort aufgrund der niedrigen Abbauraten vermutlich an.

Studien zu Meeresmüll verwenden oft ein international abgestimmtes Protokolls (z.B. ICES International Bottom Trawl Survey, IBTS), um den gesammelten Makromüll (>2,5cm) stan­dardi­siert zu erfassen. Neben dem Makromüll sind insbesondere kleine Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik (< 5 mm) von Interesse. Mikroplastik wird aus ökologischer Sicht als besonders bedenklich angesehen, da es von marinen Organismen aufgenommen wird, sich in der Nahrungskette an­reichern kann und Schädigungen sowie eine erhöhte Schadstoffbelastung verursachen könnte.

Ziel von PlasM ist eine bessere Bewertung des Risikos durch Plastik in der Meeresumwelt insbesondere für Fische und auch für den Verbraucher.

Vorgehensweise

  • Probenahme von Fischen auf See
  • Probenahme von Meeresmüll
  • Extraktion von Mikroplastik aus Fischen
  • Bestimmung von Kunststoffen mittels FTIR
  • Erfassung des Gesundheitszustands der Fische

Unsere Forschungsfragen

  1. Welche Fischarten oder geografische Regionen sind besonders betroffen?
  2. Welche Plastikarten und -größen dominieren?
  3. Wirken sich aufgenommene Plastikpartikel auf den Gesundheitszustand von Fischen aus?
  4. Besteht ein Risiko durch Plastik-assoziierte Schadstoffe?
  5. Welches sind die geeignetsten Methoden zur Extraktion von Plastikpartikeln aus Fischen?
  6. Welches sind die effizientesten Methoden zum Nachweis und zur Charakterisierung von Plastikpartikeln im Rahmen der Meeresüberwachung?

Ergebnisse

 

 

    1. Welche Fischarten oder geografische Regionen sind besonders betroffen?
      Klieschen und Heringe aus der Nord- und Ostsee nehmen Mikroplastikpartikel oral auf.

    2. Welche Plastikarten und -größen dominieren?
      Der Meeresboden der Nord- und Ostsee ist vor allem mit Plastikmüll belastet. Makroplastik bestand meist aus Polyethylen, Polyproylen oder Polyamid. Mikroplastik bestand meist aus Polypropylen.

    3. Wirken sich aufgenommene Plastikpartikel auf den Gesundheitszustand von Fischen aus?
    4. Mikroplastik-Fasern im Wasser beeinträchtigen Befruchtung und Fischentwicklung nicht. Aufgenommene Mikroplastik-Fasern schaden Wachstum und Gesundheit von Stichlingen nicht.



  1. Besteht ein Risiko durch Plastik-assoziierte Schadstoffe?
    Das ist für Meeresfische in Nord- und Ostsee u.a. aufgrund der absolut geringen Mkroplastikmengen unwahrscheinlich.

  2. Welches sind die geeignetsten Methoden zur Extraktion von Plastikpartikeln aus Fischen?
    Die Methode ist Teil einer Publikation, die derzeit in Vorbereitung ist.

  3. Welches sind die effizientesten Methoden zum Nachweis und zur Charakterisierung von Plastikpartikeln im Rahmen der Meeresüberwachung?
    Die µ-FTIR-Methode ist für die Erfassung von Mikroplastik sehr gut geeignet, wenn auch sehr zeitaufwändig in probenvorbereitung und Messung.

Die geringen Mengen von Mikroplastik, die von Fischen in der Nord- und Ostsee aufgenommen werden, führen nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu keinen Beeinträchtigungen der Fischgesundheit und stellen kein Gesundheitsrisiko für Verbraucher dar. Wir erwarten auch bei moderat höheren Mikroplastikkonzentrationen im Meer keine deutlichen Schädigungen der Fische. Die Polymerzusammensetzung von Müll im Meer kann wertvolle Hinweise auf vertikale Verteilungsprozesse liefern und sollte Bestandteil des zukünftigen Monitorings werden

Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

7.2017 - 12.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2819108816
Förderprogramm: Innovationsförderung
Projektstatus: abgeschlossen

Project brief

Publikationen

  1. 0

    Bunge A, Lugert V, McClure M, Kammann U, Hanel R, Scharsack JP (2022) Less impact than suspected: Dietary exposure of three-spined sticklebacks to microplastic fibers does not affect their body condition and immune parameters. Sci Total Environ 819:153077, DOI:10.1016/j.scitotenv.2022.153077

  2. 1

    Bunge A, Int-Veen I, Lang T, Hanel R, Scharsack JP, Kammann U (2022) PlasM - Microplastic in fish. Bremerhaven: Thünen Institute of Fisheries Ecology, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2022/04a, DOI:10.3220/PB1643102022000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064535.pdf

  3. 2

    Bunge A, Int-Veen I, Lang T, Hanel R, Scharsack JP, Kammann U (2022) PlasM - Mikroplastik im Fisch. Bremerhaven: Thünen-Institut für Fischereiökologie, 2 p, Project Brief Thünen Inst 2022/04, DOI:10.3220/PB1643101116000

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064533.pdf

  4. 3

    Bunge A, Kammann U, Scharsack JP (2021) Exposure to microplastic fibers does not change fish early life stage development of three-spined sticklebacks (Gasterosteus aculeatus). Micropl Nanopl 1:15, DOI:10.1186/s43591-021-00015-x

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063931.pdf

  5. 4

    Rebelein A, Focken U (2021) Microplastic fiber diet - Fiber-supplemented pellets for small fish. MethodsX 8:101204, DOI:10.1016/j.mex.2020.101204

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063193.pdf

  6. 5

    Rebelein A, Int-Veen I, Kammann U, Scharsack JP (2021) Microplastic fibers - Underestimated threat to aquatic organisms? Sci Total Environ 777:146045, DOI:10.1016/j.scitotenv.2021.146045

  7. 6

    Int-Veen I, Nogueira P, Isigkeit J, Hanel R, Kammann U (2021) Positively buoyant but sinking: Polymer identification and composition of marine litter at the seafloor of the North Sea and Baltic Sea. Mar Pollut Bull 172:112876, DOI:10.1016/j.marpolbul.2021.112876

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn063827.pdf

  8. 7

    Maes T, Booth A, Galgani F, Bakir A, Barry J, Buhl-Mortensen L, Clayton L, Devriese L, De Witte B, Gago J, Hall M, Int-Veen I, Kammann U, Noren K, Näkki P, Rindorf A, Russell M, Silburn B, Storr-Paulsen M, Wodzinowski T (2021) Working Group on Marine Litter (WGML; outputs from 2020 meeting). Copenhagen: ICES, 90 p, ICES Sci Rep 3(51), DOI:10.17895/ices.pub.8185

    https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn064545.pdf

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