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THG-Minderung in der Rinderhaltung - wieviel ist wo möglich?

Projekt

Rinder in Kolumbien (c) Thünen-Institut/Claus Deblitz
(© Thünen-Institut/Claus Deblitz)

Potentiale und Kosten der Treibhausgasminderung in der Rinderhaltung - vergleichende länderübergreifende Analysen verschiedener Produktionssysteme

Rinderhaltung zur Fleischerzeugung ist global ein wichtiger Verursacher von Treibhausgasen in der Landwirtschaft. Quellen, Minderungspotentiale und dazugehörige Kosten variieren jedoch deutlich. Wir vergleichen länderübergreifend.

Hintergrund und Zielsetzung

11 Prozent der weltweiten Treibhausgas(THG)-Emissionen werden dem Sektor Landwirtschaft zugerechnet. 75 Prozent davon entfallen auf die Herstellung tierischer Produkte – wobei gut 2/3 auf die Rinderhaltung entfallen. In der Rinderhaltung entfallen weltweit knapp ¾ auf die Rindfleischproduktion – das sind also knapp 4 Prozent der weltweiten THG-Emissionen (FAO, 2018). Innerhalb des Sektors Landwirtschaft wird der Rinderhaltung aber auch eine besondere Bedeutung bei der THG-Minderung zugesprochen.

Produktionssysteme der Rinderhaltung unterscheiden sich weltweit  zum Teil deutlich im Faktoreinsatz, Tierproduktivität, Produktionskosten und THG-Emissionsprofil. Auch das Produktionsumfeld zeigt z.T. deutliche Unterschiede auf, u.a. in Bezug auf die Verfügbarkeit von Ressourcen sowie Infrastruktur, die klimatischen Bedingungen oder die kulturelle Bedeutung der Tierhaltung. Ausgehend von der Vielfalt an Produktionsbedingungen müssen Minderungsstrategien an die regionalen Umstände angepasst sein. Grundlegende Hypothese für dieses Forschungsprojekt ist, dass sich dadurch deutliche Unterschiede in den Minderungspotentialen und Kosten ergeben.

Klimaschutz und THG-Minderung sind eine globale Herausforderung. Für eine effektive Klimaschutzpolitik sind Analysen auf Grundlage vergleichbarer Datensätze nötig. Im Rahmen des Projektes wird ein Konzept für die harmonisierte Bewertung von THG-Minderungsstrategien erarbeitet, welches Vergleiche bezüglich der Kosten und Potentiale produktionssystem- und länderübergreifend ermöglicht.

Vorgehensweise

In ausgewählten Ländern (vsl. Brasilien, USA, Kenia und Deutschland) werden typische Produktionssysteme anhand von Fallstudien beschrieben. Die produktionsbezogenen THG-Emissionen werden quantifiziert. Lokal angepasste Minderungsstrategien werden identifiziert, spezifiziert und ihre Wirkungen im Rahmen von Berechnungen für die typischen Betriebe quantifiziert. Die Ergebnisse werden hinsichtlich ihres Potentials und ihrer Kosten analysiert. Zusätzlich werden mögliche Adoptionsbarrieren identifiziert. Die Minderungsszenarien werden auf ihre Akzeptanz und Umsetzungswahrscheinlichkeit untersucht. Die Ergebnisse der THG-Minderungsstrategien werden außerdem im Hinblick auf mögliche Nebeneffekte (z.B. Rebound- oder Leakage-Effekte) diskutiert.

Daten und Methoden

Die Grundlage für die vergleichende Analyse typischer Produktionssysteme ist das im agri benchmark Netzwerk Beef angewandte Standard Operating Procedure (Deblitz, 2018). In Fokusgruppen mit Produzenten, Beratern und Produktionsökonomen vor Ort erheben wir Daten zu den Produktionssystemen (Tierzahlen, -kategorien, Leistungsdaten, Futterrationen, etc.) und zu Preisen und Kosten der typischen Rinderhaltungssysteme. Für diese Baseline werden die Wirtschaftlichkeit und die THG-Emissionen berechnet. Die Berechnung der produktionsbezogenen THG-Emissionen stützt sich auf international anerkannte Methoden (IPCC, 2006). Die Minderungsstrategien werden unter Berücksichtigung von lokalen Forschungsergebnissen und mithilfe von Fokusgruppen erhoben. Dafür findet das einzelbetriebliche Produktions- und Buchführungsmodell TIPI-CAL Anwendung. Die betriebswirtschaftliche Analyse wird erweitert durch Befragungen von Rinderhaltern zu ihrer Bereitschaft Minderungsmaßnahmen umzusetzen.

Unsere Forschungsfragen

  • Wie sehen die Treibhausgasprofile typischer Produktionssysteme der Rinderhaltung in verschiedenen Produktionsregionen aus?
  • Welche Treibhausgasminderungsstrategien lassen sich in den verschiedenen Produktionssystemen und -regionen anwenden und was sind die dazugehörigen Minderungspotentiale und -kosten?
  • Welche Barrieren zur Umsetzung von Minderungsstrategien bestehen und wie hoch ist in diesem Kontext die Adoptionswahrscheinlichkeit?
  • Welche potentiellen Nebeneffekte entstehen durch die Minderungsstrategien und wie relevant sind deren Klimawirkungen?

Vorläufige Ergebnisse

Erste Ergebnisse werden für das zweite Quartal 2019 erwartet.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

3.2018 - 2.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft