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Entwaldungsfreie Lieferketten – Möglichkeiten & Grenzen privatwirtschaftlicher Initiativen

Projekt

 (c) PSU-Terry D. Etherton

Entwaldungsfreie Lieferketten – Möglichkeiten & Grenzen privatwirtschaftlicher Initiativen

Die industrielle Landwirtschaft ist der wichtigste Verursacher von Entwaldung, u.a. in Südamerika und Indonesien. Zahlreiche global agierende Unternehmen haben sich unter zivilgesellschaftlichem Druck verpflichtet, ihre Lieferketten, insbesondere für Soja, Palmöl, Rindfleisch und Kakao, entwaldungsfrei zu gestalten. Das heißt jedoch nicht unbedingt, dass für den Anbau der entsprechenden Produkte kein Wald mehr gerodet wird.

Hintergrund und Zielsetzung

Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission von 2013 kommt zu dem Ergebnis, dass die EU-Staaten mehr als ein Drittel der international gehandelten Produkte importieren, die auf entwaldeten Flächen erzeugt wurden. Als Unterzeichner der New Yorker Walderklärung sowie der Amsterdam Erklärung erkennt die Bundesregierung ihre Verantwortung als relevanter „Importeur von tropischer Entwaldung“ an, und erklärt u.a. die aktive Unterstützung privatwirtschaftlicher Initiativen, bis 2020 entwaldungsfreie Lieferketten zu erreichen.

Ziel dieses Projektes ist es unter anderem, bestehende Ansätze, hier Zertifizierungssysteme, hinsichtlich ihres tatsächlichen Verständnisses von „Entwaldungsfreiheit“ zu analysieren. Darüber hinaus sollen potenzielle Synergien verschiedener Konzepte zur Entwaldungsreduktion identifiziert und, soweit möglich, konkrete Verbesserungsvorschläge identifiziert werden- alles vor dem übergeordneten Ziel globale Entwaldung zu stoppen.

Vorgehensweise

Der Anbau von Soja ist insbesondere in Brasilien ein relevanter Treiber für die Umwandlung von Primärwäldern. Zertifizierungssysteme sind ein von Unternehmen häufig verwendeter Ansatz um die Nachhaltigkeit ihrer Produktion nachzuweisen. Der Europäische Dachverband für Futtermittelhersteller definiert Leitlinien zur verantwortungsvollen Sojaerzeugung und empfiehlt seinen Mitgliedern Zertifizierungssysteme, die mit diesen Leitlinien konform sind. Um diese Zertifizierungssysteme hinsichtlich ihres Umgangs mit Wald zu bewerten, wurden im ersten Schritt Aspekte identifiziert, deren jeweilige Definition Einfluss darauf hat, wieviel Wald letztendlich tatsächlich nicht umgewandelt werden darf.

Eine weitere laufende Untersuchung beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung von UNFCC REDD+, als internationales politisches Rahmenwerk, und entwaldungsfreien Lieferketten als privatwirtschaftliche Initiative, sowie der Identifizierung möglicher Synergien und Konflikte einer potenziellen Verknüpfung beider Konzepte.

Ergebnisse

Zusammen mit dem Thünen Institut für Marktanalyse haben wir die Anforderungen von Zertifizierungssystemen in verschiedenen relevanten Bereichen bewertet – Schutz von Ökosystemen, gute landwirtschaftliche Praxis, soziale Kriterien, Auditierungs- und Rückverfolgungssysteme. Dabei haben die Systeme ISCC PLUS und ISCC EU am besten abgeschnitten. Ebenfalls hohe Anforderungen stellen ProTerra und RTRS. Diese Zertifizierungssysteme sind geeignet, um sowohl die politischen Ziele der Amsterdam Erklärung zu erreichen, als auch die Selbstverpflichtung relevanter Initiativen des Privatsektors, wie die des Consumer Goods Forums.

  • Project brief 2020/14 (DE) Yvonne Hargita
    DOI:103220/PB1587381727000
  • Project brief 2020/14a (EN) Yvonne Hargita
    DOI:103220/PB1587381393000

Links und Downloads

New Yorker Walderklärung

Amsterdam Erklärung

Studie der EU-Kommission zu Importierter Entwaldung

BMEL Referat für Internationale Waldpolitik

Partnerprojekt des Thünen Instituts für Marktanalyse

Thünen-Ansprechpartner


Ehemalige Thünen-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Hargita Y, Giessen L, Günter S (2020) Primärwaldverlust bis 2030 stoppen: UNFCCC REDD+ und Entwaldungsfreie Lieferketten. Hamburg: Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie, 1 p, Project Brief Thünen Inst 2020/14, DOI:10.3220/PB1587381727000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 260 KB
  2. Hargita Y, Giessen L, Günter S (2020) Similarities and differences between international REDD+ and transnational deforestation-free supply chain initiatives - a review. Sustainability 12(3):896, DOI:10.3390/su12030896
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 471 KB
  3. Hargita Y, Giessen L, Günter S (2020) Towards ending natural forest loss by 2030: UNFCCC REDD+ and deforestation-free supply chains. Hamburg: Thünen Institute of International Forestry and Forest Economics, 1 p, Project Brief Thünen Inst 2020/14a, DOI:10.3220/PB1587381393000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 231 KB
  4. Hargita Y, Bick U (2019) Assessment of FEFAC-compliant certification schemes for deforestation-free soy and evaluation towards the goals of the NYDF and the AD. Schr Gesellsch Wirtsch Sozialwiss Landbaues 54:307-318
  5. Hargita Y, Hinkes C, Bick U, Peter G (2019) Entwaldungsfreie Agrarrohstoffe - Analyse relevanter Soja-Zertifizierungssysteme für Futtermittel. Korrigierte Auflage. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 86 p, Thünen Working Paper 98, DOI:10.3220/WP1575275224000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 2259 KB

Zeitraum

6.2017 - 12.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen