Welchen gesundheitlichen Einfluss haben flüchtige organische Verbindungen aus Holz und Holzprodukten auf den Menschen?

Projekt

Prüfung von flüchtigen organischen Verbindungen (c) Thünen-Institut
Prüfung von flüchtigen organischen Verbindungen (© Thünen-Institut)

Gesundheitliche Bewertung von Emissionen aus Holz- und Holzprodukten in Innenräumen mittels experimenteller toxikologischer Untersuchungen 

Einzelfallbeobachtungen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Bewohnern von Holzhäusern und entsprechende Pressemitteilungen legen eine schädliche Wirkung von Holzemissionen nahe. Das trägt zu einer Verunsicherung der Bevölkerung bei.

Hintergrund und Zielsetzung

Holz und Holzprodukte finden aufgrund ihrer guten Materialeigenschaften zahlreiche Anwendungen in Baukonstruktionen und Inneneinrichtungen. Gerade durch die moderne, luftdichte Bauweise können sich jedoch bei unzureichender Lüftung Emissionen von Baustoffen und Einrichtungsgegenständen im Innenraum anreichern. Inwiefern diese Substanzen die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen können, wird kontrovers diskutiert: Für eine Reihe von Substanzen, die von Holz emittiert werden, existieren toxikologische Kennzahlen, aus denen hygienische Vorsorgewerte für Innenräume abgeleitet werden. Holzprodukte emittieren aber immer Gemische aus verschiedenen Substanzen. Über das Zusammenspiel der Stoffgemische im Hinblick auf die menschliche Gesundheit (Reizerscheinungen an Haut und Schleimhäuten der Atemwege und Augen, allergenes sowie immuntoxisches Potenzial, aber ggf. auch positive Effekte wie z.B. Leistungssteigerung) ist wenig bekannt. Daher sollen die bei der Nutzung von Holz und Holzwerkstoffen freigesetzten Emissionen erstmalig umfassend analysiert und toxikologisch bewertet werden. Bestehende Richtwerte bezüglich der Innenraumluft können somit auf den Prüfstand gestellt und gegebenenfalls angepasst werden.

Das Ziel besteht darin, ein umfassenderes Bild über mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Holzemissionen aufzuzeigen. Ferner sollen Strategien zur optimalen Nutzung von Holz erarbeitet und dadurch der Einsatz von Holz im Baubereich gefördert werden.

Zielgruppe

Die Ergebnisse des Projektes gewährleisten mehr Sicherheit bei der Verwendung von Holz und Holzwerkstoffen bei Innenanwendungen. Dies kommt Verbrauchern sowie Bauakteuren zugute.

Vorgehensweise

Den Ausgangspunkt bildet eine literaturbasierte Metastudie, die durch die an dem Projekt beteiligten Arbeitsgruppen erfolgt. Diese Studie erfasst und analysiert bereits existierende Daten zu nachteiligen Auswirkungen von Holzemissionen und identifiziert bestehende Wissenslücken. Unser Schwerpunkt liegt dabei darauf, dass Emissionsverhalten von Holz und Holzprodukten zu charakterisieren. Dabei ist insbesondere die quantitative und qualitative Zusammensetzung der Emissionen einzelner Holzarten sowie Holzwerkstoffe von Interesse. Ferner soll erörtert werden, von welchen Faktoren dieses Emissionsverhalten beeinflusst wird, um Expositionshöhen in Innenräumen abzuschätzen.

Auf Grundlage der Literaturstudie erfolgen zellbiologische sowie immunologisch-allergologische Experimente, bei denen das Gefährdungspotenzial von Holzemissionen (Mischungstoxizität) bzw. einzelnen Emissionsbestandteilen (Leitsubstanzen) untersucht wird. Zunächst liegt der Schwerpunkt bei Kiefernholz und der Leitsubstanz alpha-Pinen. Im Verlauf des Projektes werden jedoch auch weitere Holzarten (Fichte, Buche), sowie Holzwerkstoffe (OSB) hinsichtlich ihrer Gesundheitsauswirkung überprüft. Unsere Aufgabe besteht darin, geeignete Expositionsszenarien in Prüfkammerversuchen (gemäß EN ISO 16000) zu konzipieren. Zudem stellen wir das holztechnologische Hintergrundwissen zur Verfügung, um die Projektpartner bei der Versuchsdurchführung zu unterstützen.

Unsere Forschungsfragen

  • Welche typischen Emissionen von Holz und Holzwerkstoffen lassen sich in Prüfkammern und in realen Wohnraumsituationen nachweisen?
  • Geht von einzelnen Emissionsbestandteilen oder aber von der Summe aller Emissionen eines Holzproduktes ein Gefährdungspotenzial aus? Inwiefern interagieren einzelne Emissionsbestandteile untereinander?
  • Sind bestehende Richtwerte (z.B. AgBB-Bewertungsschema für Emissionen aus Bauprodukten) angemessen?

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Universitätsklinik Freiburg
    (Freiburg, Deutschland)
  • Zentrum Allergie & Umwelt, TU München und Helmholtz Zentrum
    (München, Deutschland)
  • Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Department Umweltimmunologie
    (Leipzig, Deutschland)
  • Leibniz-Institut für Arbeitsforschung
    (Dortmund, Deutschland)

Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

5.2016 - 4.2019