Dr. Anina Vogt
Zwischen Stall und Studie

Wenn die Kälber durch den großen Kuhstall hüpfen, freut sich auch Anina Vogt. Die Agrarwissenschaftlerin hat sich in ihrer Forschung dem Tierwohl verschrieben. Ihr aktueller Schwerpunkt ist die muttergebundene Kälberaufzucht. Das ist ein Haltungskonzept, bei dem Kühe ihre Kälber säugen und gleichzeitig gemolken werden. Erforscht wird es unter anderem am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst, wo Anina Vogt als Teil des Wissens- und Innovationsnetzwerkes TranformDairyNet arbeitet.
„Unser Ziel ist es, mehr europäischen Betrieben die Umstellung auf die muttergebundene Aufzucht zu erleichtern“, sagt die Forscherin. Um Wissen und Erfahrungen zu bündeln, aber auch Hürden aufzuzeigen, führte sie im vergangenen Jahr eine europaweite Umfrage durch. Insgesamt 1.262 Betriebe und weitere Akteure aus dem Milchviehbereich haben daran teilgenommen. Ein toller Erfolg, findet die Agrarwissenschaftlerin. An Erfolg mangelt es ihr ohnehin nicht: Erst 2025 wurde sie für ihre Dissertation mit einem Forschungspreis für herausragende Leistungen zur Weiterentwicklung der artgerechten Tierhaltung ausgezeichnet.
Fragt man die Wissenschaftlerin selbst nach den Höhepunkten ihrer Forschung, rückt die Arbeit mit den Tieren in den Fokus. Besonders viel Freude mache ihr die Verhaltensbeobachtung und generell die Datenaufnahme im Stall. „Zu sehen, wie Mutter und Kalb miteinander spielen – das macht schon was mit einem“, erzählt sie. Doch auch die Auswertung der Daten findet sie spannend. Dort zeige sich zum Beispiel, welche Auswirkungen bestimmte Managementveränderungen auf das Tierwohl haben.
Dass das Thünen-Institut für Ökologischen Landbau so anwendungsorientiert forscht, überzeugt Vogt. „Landwirtinnen und Landwirte leisten einen großen Beitrag für unsere Gesellschaft. Als Agrarwissenschaftlerin neue Konzepte für die Praxis mitzuentwickeln, das ist eine tolle Aufgabe“, findet die Forscherin. Sie wünscht sich, dass künftig noch mehr Betriebe die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit und Tierwohl wagen. Gleichzeitig weiß sie um die Herausforderungen: Mehr Tierwohl koste in der Regel erstmal mehr Geld und die Betriebe würden bisher mit der Finanzierung weitgehend alleine gelassen. Da müsse sich schnell etwas ändern.
Doch Vogt bleibt optimistisch. Der Bereich der muttergebundenen Aufzucht biete Potenzial für Veränderungen. „Dass Kälber bei ihren Müttern aufwachsen sollten, lässt sich den Kundinnen und Kunden relativ leicht vermitteln“, erläutert sie und betont: „Einzelne Menschen mit Engagement können hier viel erreichen.“
Auf die Frage ob sie eine Vision habe, meint Vogt: „Seit der Borchert Kommission haben wir einen guten Fahrplan inklusive Finanzierungsvorschlägen und Machbarkeitsstudie. Für die Tierhaltung braucht es erstmal keine weiteren Visionen. Wir müssen endlich anfangen zu machen.“




