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Expertise

Wie reagieren verschiedene Kiefer-Herkünfte auf Trockenheit?

Von Mirko Liesebach | 30.06.2022


FG Institut für Forstgenetik

Trockenheitstoleranz wird in Kiefernforsten ein immer wichtigeres Thema, weil bei uns im Zuge des Klimawandels mit zunehmender Sommertrockenheit gerechnet wird. Forstwissenschaftler testen in einem Verbundprojekt verschiedene Kiefer-Herkünfte.

Im Zuge des Klimawandels ist mit der Zunahme extremer Witterungsereignisse zu rechnen; Trockenheit, Hitzewellen und Stürme werden verstärkt erwartet. Gerade solche Ereignisse haben großen Einfluss auf das Wachstum und das Überleben unserer Waldbestände. Die wichtigste Anpassungsmaßnahme ist die Wahl der geeigneten Baumarten. Da es jedoch erhebliche innerartliche Unterschiede gibt, ist hierbei die Herkunftsfrage zwingend zu beachten.  

Ein vom Internationalen Verband Forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) 1982 initiierter Herkunftsversuch mit Wald-Kiefern aus verschiedenen Regionen macht die Bandbreite der Reaktion deutlich. An der Auswertung beteiligten sich neben dem Thünen-Institut für Forstgenetik auch die LWF und die Uni München.

Für unsere Untersuchung wählten wir 11 Herkünfte des IUFRO-Herkunftsversuchs aus und pflanzten sie an den zwei deutschen Standorten Waldsieversdorf (östlich von Berlin) und Bensheim (nördlich von Mannheim). Beide Standorte stocken auf Braunerden aus reinem Sand. Waldsieversdorf liegt mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 8,7 °C und durchschnittlichen Jahresniederschlägen von 538 mm am warm-trockenen Rand des natürlichen Verbreitungsgebiets, Bensheim mit 10,7 °C Jahresdurchschnittstemperatur und durchschnittlichen Jahresniederschlägen von 603 mm befindet sich schon außerhalb der Klimahülle der Kiefer. Die Vegetationsperiode ist in Bensheim 33 Tage länger als in Waldsieversdorf.

Es konnten deutliche Unterschiede im Wachstum zwischen den Provenienzen festgestellt werden. Der Durchmesserzuwachs war dabei hauptsächlich von der Wasserverfügbarkeit im Zeitraum von Mai bis Juli abhängig, während der jährliche Höhenzuwachs vom Wasserdefizit im Mai beeinflusst wurde.

Die Reaktion auf Trockenheit hing vom Zeitpunkt und der Dauer des Ereignisses ab. Die Ergebnisse weisen auf eine bessere Anpassung der örtlichen deutschen Herkünfte hin. Mittels multivariater Analyse konnten wir Provenienzen mit guter Wuchsleistung, geringer klimatischer Sensitivität und hoher Resilienz nach Trockenheit identifizieren. Auch hier zeigte sich die Überlegenheit der deutschen Herkünfte. Aber auch Herkünfte aus Polen und Frankreich waren überdurchschnittlich, während Provenienzen aus Nordeuropa schlecht abschnitten.

Diese Ergebnisse belegen die Notwendigkeit, die Herkunftsfrage bei der Diskussion über Anpassung und Anpassungsfähigkeit bei Klimaänderung zu berücksichtigen.

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