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Zahlen & Fakten

Treibhausgas-Emissionen durch Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF)

Andreas Gensior, Roland Fuß, Wolfgang Stümer, Sebastian Rüter | 15.08.2022


AK Institut für Agrarklimaschutz
WO Institut für Waldökosysteme HF Institut für Holzforschung

Im Jahr 2020 betrugen die Nettoemissionen aus dem LULUCF-Sektor -11,3 Mio. t CO2-Äquivalente. Der Sektor wirkte folglich als Nettosenke für Treibhausgase. Zwar wirkten die einzelnen Berichtskategorien Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete und Siedlungen als mehr oder weniger starke Nettoquellen, sie wurden aber von den Kategorien Wald und Holzprodukte mehr als kompensiert.

Im LULUCF-Sektor werden anthropogen verursachte Treibhausgas-Emissionen berichtet, die infolge von Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use Change and Forestry) auftreten, soweit sie nicht im Sektor Landwirtschaft berichtet werden. Die Emissionen an Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) werden in den Landnutzungskategorien Wald, Ackerland, Grünland, Feuchtgebiete, Siedlungen und Sonstiges Land für die Pools organische und mineralische Böden, ober- und unterirdische Biomasse sowie Totholz und Streu inventarisiert. Außerdem wird der Kohlenstoffvorrat in Holzprodukten erfasst, ebenso wie die Emissionen aus künstlichen Gewässern, Bränden und dem industriellen Torfabbau.

Als Besonderheit des LULUCF-Sektors können die Pools sowohl als Quelle von Treibhausgasen (Freisetzung → positive Emissionen) als auch als Senke (Kohlenstoffsequestrierung → negative Emissionen) für CO2 wirken.

 

Im Jahr 2020 betrugen die Nettoemissionen infolge Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft -11,3 Mio. t CO2-Äquivalente (Äq.). Der LULUCF-Sektor fungierte folglich als Nettosenke. Die Landnutzungskategorie Wald trägt mit Emissionen in Höhe von -45,8 Mio. t CO2-Äq. den wesentlichen Teil zur LULUCF-Nettosenke bei, insbesondere durch die Biomasse (-29,3 Mio. t CO2-Äq.) und die mineralischen Waldböden (-16,0 Mio. t CO2-Äq.). Auch der Kohlenstoffspeicher Holzprodukte nimmt zu (Emission: -8,7 Mio. t CO2-Äq).

Dem gegenüber stehen hauptsächlich die positiven Nettoemissionen aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen der Landnutzungskategorien Ackerland (17,4 Mio. t CO2-Äq.) und Grünland (19,2 Mio. t CO2-Äq.). Diese beiden Kategorien weisen über die Jahre gleichbleibend hohe Emissionen aus entwässerten organischen Böden auf (39,0 Mio. t CO2-Äq.). Auch bei den Landnutzungskategorien Feuchtgebiete (5,2 Mio. t CO2-Äq.) und Siedlungen (1,5 Mio. t CO2-Äq.) werden die Nettoemissionen hauptsächlich durch die Emissionen aus den organischen Böden (7,7 Mio. t CO2-Äq.) dominiert.

 

Bedeutung als Senke variiert mit den Jahren

Der Zeitverlauf der LULUCF-Emissionen verdeutlicht die starke Variation der Nettoemissionen. Der Verlauf der Kurve folgt im Wesentlichen der Kurve der Nettoemissionen aus dem Wald. Deren große Amplitude und der sich zeitweise schnell ändernde Trend sind unter anderem Ergebnis von Schwankungen der Nachfrage nach Holz bzw. der Holzpreise sowie extremer Witterungsereignisse (z.B. Sturm, Trockenheit) und damit zusammenhängender Kalamitäten (z.B. Schädlingsbefall). Durch diese werden insbesondere die Kohlenstoffvorräte der Waldbiomasse beeinflusst, die, als größte Netto-Kohlenstoffsenke des Sektors, die gleichbleibend hohen Emissionen aus den organischen Böden zum großen Teil kompensiert.

Nicht so in den Jahren 1990, 2002, 2003, 2004, 2005 und 2007, in denen der LULUCF-Sektor eine Nettoquelle für Treibhausgase war. Gründe dafür waren hauptsächlich verstärkte Holzeinschläge aufgrund (1) der Aufarbeitung von Waldschäden infolge unterschiedlicher Kalamitäten und (2) der gegenüber den Vorjahren hohen Nachfrage nach Holz auf dem Holzmarkt.

Im Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) wird vom LULUCF-Sektor eine im Zeitverlauf ansteigende Nettosenkenleistung gefordert. Das KSG gibt für den LULUCF-Sektor als Beitrag zu den Klimaschutzzielen absolute Nettoemissionsmengen für die Jahre 2030 (-25 Mio. t CO2-Äq.), 2040 (-35 Mio. t CO2-Äq.) und 2045 (-40 Mio. t CO2-Äq.) vor, aber keinen jahresgenauen Zielpfad. Die anzurechnenden Nettoemissionen aus dem LULUCF-Sektor stellen dabei den Mittelwert der Emissionen aus dem Stichjahr und der drei vorhergegangenen Jahre dar. Das Stichjahr wird auf Grundlage einer vorläufigen, aber zeitnahen Berichterstattung für das Vorjahr bewertet, für die noch nicht alle notwendigen statistischen Daten endgültig vorliegen.

Die aktuell zu veranschlagende Nettoemission (berechnet gemäß der Anrechnungsregeln: Mittelwert 2018 – 2021) verfehlt die im KSG geforderte Zielemission von -25 Mio. t CO2-Äq. für das Jahr 2030 derzeit deutlich. Im Falle des Vierjahresmittels sind die negativen Emissionen bzw. die Senkenfunktion des LULUCF-Sektors um 42,3 % zu gering; bezogen auf die Vorjahresschätzung und das letzte Berichtsjahr (2020; NIR 2022) um ca. ca. 54 %. Ursache für den aktuellen Rückgang der Senkenfunktion des LULUCF-Sektors sind im Wesentlichen die durch extreme Trockenheit verursachten Waldschäden der letzten Jahre. Insgesamt wurde der KSG-Zielwert für 2030 bisher nur im Zeitraum 1994 bis 1999 erreicht.

 

Im LULUCF-Sektor kann der Mensch in doppelter Hinsicht auf die Festlegung von Kohlenstoff in der Biogeosphäre bzw. die Minderung von Treibhausgasemissionen einwirken:

  • Schutz bestehender Vorräte: Unterlassung jedweder Handlungen (z.B. Trockenlegung von Feuchtflächen und Umbruch von Grünland), die zu einer Freisetzung von Kohlenstoff aus bestehenden Vorräten führen.
  • Maßnahmen, die zu einer andauernden Anreicherung von Kohlenstoff in Kompartimenten der Biogeosphäre führen:
    • Die geregelte Wiedervernässung organischer Böden ist zum einen eine sehr effektive Maßnahme, die Emissionen von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren, zum anderen CO2 der Atmosphäre zu entziehen und für Jahrhunderte in den Böden festzulegen. Damit verbunden sind weitere positive Umwelteffekte (z.B. Biodiversität, Wasserhaushalt der Landschaft, Verbesserung des Mikroklimas usw.). Außerdem ergibt sich durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe wie Schilf, Torfmoosen und Gehölzen auf wiedervernässten Flächen zusätzliches Potenzial zur Minderung von Treibhausgasen durch den Ersatz anderer emissionsrelevanterer Stoffe (z.B. Dämm-, Brennmaterial usw.)

    • Der Anbau von Gehölzen in der Agrarlandschaft, wie z.B. in Agroforst-Systemen, Kurzumtriebsplantagen und Hecken, führt zu einer Kohlenstoffspeicherung in der verholzenden Biomasse, in den meisten Fällen auch zu einer Humusmehrung im Boden sowie zum Ersatz fossiler Brennstoffe. Weitere positive Umwelteffekte werden initiiert (z.B. bezüglich Biodiversität, Erosionsschutz etc.). Die Auswirkungen treten mittel- bis langfristig auf.

    • Waldneuanlage und nachhaltige Waldnutzung: Die Biomasse von Wäldern ist ein großer Kohlenstoffspeicher; neue Waldflächen führen daher immer zu einer Vergrößerung des Kohlenstoffvorrates in der Biomasse. Die nachhaltige Nutzung der Wälder, damit verbunden die Nutzung der Ernteprodukte, sind ebenfalls dem Klimaschutz zuträglich: Kohlenstoff wird in den Holzprodukten mittel- bis langfristig gespeichert und fossile Brennstoffe werden ersetzt.

Maßnahmen zur Kohlenstoffanreicherung in landwirtschaftlich genutzten Mineralböden gibt es mannigfach, wie z.B. Zwischenfruchtanbau, Anbau von Blühstreifen, humusmehrenden Fruchtfolgen, mehrjährigen humusmehrenden Pflanzen, eine optimierte organische Düngung, Grünland-Wechselwirtschaft usw. Diese Maßnahmen eignen sich dennoch nur eingeschränkt , da die Effekte jederzeit kurzfristig umkehrbar sind, z.B. durch Unterlassung. Zu den dauerhaften Auswirkungen technischer Maßnahmen (wie der Ausbringung von Biokohle) besteht weiterer Forschungsbedarf.

 

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