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Folge 6: Small is beautiful?

Von der Angst vor dem Großen und dem Vertrauen in das Kleine

27.10.2022

Landwirtschaft, Holzwirtschaft, Fischerei, Nahversorgung – überall wird das Aussterben der kleinen Betriebe beklagt. Das Vertrauen in diese Unternehmen ist hoch. Dabei gibt es aus wissenschaftlicher Sicht weder unter Umweltschutz- noch unter Tierwohlaspekten Anhaltspunkte dafür, dass kleine Betriebsstrukturen grundsätzlich besser oder nachhaltiger sind als große. Woher kommt diese emotionale Zuneigung zum Kleinen, wenn selbst ökologisch bewirtschaftete Betriebe mitunter sehr groß sind? Haben Großstrukturen auch Vorteile? 

"Die Entfremdung der Bevölkerung zur Landwirtschaft wird immer größer. Und ich glaube, daran liegt es eben auch, dass dann so ein Unbehagen zustande kommt. Woher kommt unser Essen eigentlich? Wer steckt dahinter?"
Dr. Stefan Mann, Agroscope, Schweiz

Mit seinem Buch „Small is beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß“ gilt der Ökonom Ernst Friedrich Schumacher als einer der Vordenker der Nachhaltigkeit. Er vertrat die Ansicht, dass die „Produktion von lokalen Betriebsmitteln für die lokalen Notwendigkeiten die rationalste Weise des Wirtschaftens ist“. Basierend auf dieser Lehre wird in Bezug auf eine nachhaltige Agrarwirtschaft die Regionalisierung und eine Produktion von Nahrungsmitteln in eher kleinen landwirtschaftlichen Einheiten favorisiert. Große Betriebe und die Industrialisierung in der Landwirtschaft werden hingegen skeptisch gesehen. Auch in anderen Bereichen, etwa der Fischerei oder der Nahversorgung, vertrauen Verbraucher*innen häufig per se den kleinen Betrieben. Dabei gibt es ökonomisch-rational und wissenschaftlich betrachtet weder unter Umweltschutz- noch unter Tierwohlaspekten allgemeingültige Anhaltspunkte dafür, dass die kleinen Betriebsstrukturen die besseren sind.


Unsere Gäste Stefan Mann vom Schweizer Institut Agroscope und Bernhard Forstner vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft gehen in dieser Folge der Frage nach, woher die Vorbehalte gegenüber Großstrukturen in der Landwirtschaft kommen und warum kleine Betriebe oftmals als die besseren Bewirtschafter wahrgenommen werden. Sie hinterfragen, ob eine derartige Verallgemeinerung sinnvoll und zeitgemäß ist und welche sozialen und kulturellen Rollen große und kleine Betriebe etwa in der Landwirtschaft übernehmen. Sie plädieren für eine Vielfalt der Betriebsstrukturen und zeigen Wege auf, wie Nachhaltigkeit auch bei konventionell bewirtschafteten Betrieben möglich ist. 

Unsere Gäste

Dr. Stefan Mann ist Agrarökonom und Volkswirt. Der Experte für Strukturen in der Landwirtschaft beschäftigt sich intensiv mit Transformationsprozessen. Seit 2002 leitet er die Forschungsgruppe Sozioökonomie der Schweizerischen Forschungsinstitution Agroscope im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement.

Der Agraringenieur Bernhard Forstner forscht am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft zu Agrar- und Unternehmensstrukturen, im speziellen zu deren betrieblicher Vielfalt und Wandel. Zudem ist er ein Kenner der EU-Agrarpolitik und analysiert in diesem Bereich das Potenzial von Investitionshilfen und anderen Fördermitteln.

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