Projekt
Treibhausgasneutrales Deutschland: Auswirkungen auf Wirtschaft und Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen

Treibhausgasneutrales Deutschland: Auswirkungen auf Wirtschaft und Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen (TREND:LR)
Gemäß dem Bundes-Klimaschutzgesetz 2021 soll Deutschland bis 2045 Netto-Treibhausgasneutralität erreichen. Das Projekt TREND:LR analysiert wirtschaftliche, gesellschaftliche und förderpolitische Aspekte dieser Transformation in ländlichen Räumen.
Hintergrund und Zielsetzung
Der beabsichtigte Wandel hin zur Treibhausgasneutralität beeinflusst die Lebensverhältnisse und die Wirtschaft in ländlichen Räumen in verschiedener Weise. Die erforderlichen Maßnahmen können sich auf Immobilienpreise, Siedlungsstrukturen, die Infrastrukturausstattung, Einkommensmöglichkeiten und Lebenshaltungskosten auswirken. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, sich zügig auf neue Technologien einzustellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Gleichzeitig kann die Transformation zur Treibhausgasneutralität auch Chancen für neue wirtschaftliche Aktivitäten bieten. Je nach raumstruktureller, sozialer und wirtschaftlicher Ausgangsbedingung können sich die Regionen dem Wandel unterschiedlich anpassen und bedürfen verschiedenartiger Unterstützungsleistungen durch die Politik. Dabei stellt sich auch die Frage, wie die spezifische Förderpolitik für ländliche Räume zur Erreichung der Klimaziele beitragen kann.
Die Auswirkungen des Wandels hin zur Treibhausgasneutralität auf die ländlichen Räume wurden im Projekt TREND:LR in drei Teilprojekten untersucht:
- Teilprojekt A befasste sich mit den Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse
- Teilprojekt B analysierte die Auswirkungen auf die Wirtschaft
- Teilprojekt C untersuchte die Integration von Klimaschutz in lokalen und regionalen Entwicklungsprozessen
Vorgehensweise
In Teilprojekt A wurde der Stand der Forschung aufbereitet, um zentrale Wandlungsprozesse zu identifizieren und ihre Wirkungen auf ländliche Räume abzuschätzen. Auf dieser Grundlage wurden unterschiedliche Zukunftsszenarien entwickelt, um den Einfluss verschiedener Politikansätze und die Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher Entwicklungspfade abschätzen zu können.
In Teilprojekt B systematisierten wir zunächst, welche Faktoren und potenziellen Wirkungskanäle für die (regional-) wirtschaftlichen Auswirkungen der Transformation mutmaßlich besonders wichtig sind. Aufbauend darauf untersuchten wir, in welchen Branchen und in welchen Regionen besonders bedeutende Entwicklungen zu erwarten sind.
In Teilprojekt C wurde untersucht, inwieweit und unter welchen Bedingungen Klimaschutz Eingang in regionale und lokale Entwicklungsprozesse findet. Der Fokus lag auf LEADER und Dorfentwicklung. Auf dieser Grundlage wurden Vorschläge entwickelt, mit denen die Klimaschutzintegration in ländlichen Entwicklungsprozessen befördert werden kann.
Daten und Methoden
Grundlage aller Teilprojekte war eine Auswertung wissenschaftlicher Literatur und politischer Strategien.
Auf dieser Basis wurden in Teilprojekt A unterschiedliche Entwicklungspfade mit Hilfe der Szenariotechnik und der Delphi-Methode entwickelt. Zudem wurden hierzu drei Expertenworkshops durchgeführt.
In Teilprojekt B analysierten wir Sekundärdaten zu Wirtschaftsstrukturen, Energieintensität und Verflechtungen von Regionen und Branchen. Anhand statistischer Methoden verglichen wir mögliche Effekte des Wandels zur Treibhausgasneutralität auf die Wirtschaft in den verschiedenen Regionen Deutschlands.
In Teilprojekt C wurde in sechs vergleichenden Fallstudien, basierend auf Dokumentenanalysen und Gesprächen mit Akteuren aus der Praxis, zu förderlichen und hinderlichen Faktoren für die Integration von Klimaschutz in lokale und regionale Entwicklungsprozesse geforscht.
Unsere Forschungsfragen
- Welche Politikansätze sind mit Blick auf die Lebensverhältnisse am raumverträglichsten, welche Kompensationsmaßnahmen sind ggf. nötig und wie kann die Akzeptanz und Kooperationsbereitschaft relevanter Akteure und der Bürger gesteigert werden?
- Welche Auswirkungen ergeben sich für die Wirtschaft? Inwiefern werden die wirtschaftlichen Veränderungen alle Regionen gleichermaßen betreffen? Wirkt die Transformation zur Treibhausgasneutralität räumlich differenziert?
- Inwieweit und unter welchen Bedingungen wird Klimaschutz in ländlichen Entwicklungsprozessen auf lokaler und regionaler Ebene integriert?
Ergebnisse
In Teilprojekt A wurden die Auswirkungen der Klimaschutzpolitik in den Bereichen Siedlungsentwicklung, Mobilität, Gebäude, Energie auf die Lebensverhältnisse (d. h. Wohnen, Einkommen, Infrastruktur, Umwelt) in ländlichen Räumen untersucht. Ziel war es, den Einfluss verschiedener Politikansätze zu analysieren, mögliche Wirkungsketten zu identifizieren und die Wahrscheinlichkeit unterschiedlicher Entwicklungspfade abzuschätzen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Forschungsstand zum Thema Auswirkungen der Klimaschutzpolitik auf die Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen in großen Teilen uneindeutig und unvollständig ist. Mithilfe von drei Szenarien wurden unterschiedliche Schwerpunkte der Klimaschutzpolitik erkundet. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass es Potenziale gibt, die Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen durch die Klimapolitik langfristig zu verbessern, etwa durch Verbesserungen im Wohnkomfort, in der Erreichbarkeit der Dienstleistungen oder des Einkommens. Somit erscheint es grundsätzlich möglich, negative Auswirkungen in anderen Bereichen durch Maßnahmen mit positiven Auswirkungen in Einklang zu bringen.
Teilprojekt B zielte darauf ab, die potenziellen Auswirkungen des Übergangs zur Treibhausgasneutralität auf die ländliche Wirtschaft besser zu verstehen. Die Auswertungen haben ergeben, dass sich die größte Auswirkung der Umstellung auf THG-Neutralität für die ländliche Wirtschaft voraussichtlich durch die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs ergibt. Die Beschäftigung materialintensiver Unternehmen hängt stark von den Transportkosten ab, und materialintensive Unternehmen sind eher in ländlichen Räumen angesiedelt. Da die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung eine Nutzung von Wasserstoff beinhaltet, wird die Entfernung zum Wasserstoffnetz auch eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen spielen. Die derzeitige Ausgestaltung des Energiemarktes führt zu einer eher ähnlichen Betroffenheit von Räumen durch grüne Politiken, Änderungen in der Ausgestaltung können dies jedoch jederzeit ändern.
In Teilprojekt C wurde der Frage nachgegangen, inwieweit Klimaschutz Eingang in regionale und lokale Entwicklungsprozesse findet und welche Faktoren dafür ausschlaggebend sind. Im Fokus standen LEADER und Dorfentwicklungsplanung als Maßnahmen der ländlichen Entwicklung mit Bottom-up-Ansatz. Ziel war es, Empfehlungen für Politik und Förderpraxis zu entwickeln, um die Integration von Klimaschutz zu fördern. Die untersuchten sechs Fälle zeigen, dass die Klimaschutzintegration von einem Wechselspiel unterschiedlicher Faktoren abhängt. Neben förderrechtlichen Vorgaben können sozioökonomische Bedingungen ebenso eine Rolle spielen wie die Akteurskonstellation vor Ort. Grundsätzlich stehen verbindliche Anforderungen dabei in einem Spannungsfeld zum Bottom-up-Ansatz. Entscheidend ist daher, den lokalen Gestaltungsspielraum zu wahren, aber gleichzeitig die Möglichkeiten zur Klimaschutzintegration zu stärken.
Thünen-Ansprechperson

Thünen-Beteiligte
- Becker, StefanLV Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen
- Brad, AlexandruLV Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen
- Garcia Dominguez, IsraelWI Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen
- Guhl, FenjaLV Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen
- Simmler, MartinWI Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen
Geldgeber
-
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
(national, öffentlich)
Zeitraum
12.2022 - 12.2025
Weitere Projektdaten
Projektstatus:
abgeschlossen
Publikationen zum Projekt
- 0
Frankenberg D, Niebuhr A, Peters JC (2025) Entwicklungspotenziale ländlicher Räume durch die Energiewende. Ländliche Räume 76(3):36-39
- 1
Guhl F, Becker S, Küpper P (2025) Klimaschutz in der Dorfentwicklungsplanung [online]. Stadt und Gemeinde digital(6):31-34, zu finden in <https://www.dstgb.de/publikationen/dstgb-magazin/stug-digital-ausgabe-nr.-06-2025.pdf?cid=1dfg> [zitiert am 16.12.2025]
- 2
Guhl F, Becker S, Küpper P (2025) So lässt sich Klimaschutz in LEADER integrieren - ein Policy Brief. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 10 p, Thünen à la carte 14, DOI:10.3220/253-2025-56
- 3
Frankenberg D, Niebuhr A, Peters JC (2025) Strukturschwache ländliche Räume als Gewinner der Energiewende? Wirtschaftsdienst 105(6):423-427, DOI:10.2478/wd-2025-0109
- 4
Brad A, Becker S, Guhl F, Küpper P, García Dominguez I, Simmler M (2025) Treibhausgasneutrales Deutschland : Auswirkungen auf Wirtschaft und Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen. In: RessortForschtKlima (ed) Ergebnisse aus drei Jahren Forschung für mehr Klimaschutz in Landwirtschaft, Wald und Ernährung : Abschlussbericht der RessortForschtKlima-Projekte. Göttingen: OpenAgrar, pp 78-80, DOI:10.3220/253-2025-220
- 5
Guhl F, Becker S, Küpper P (2025) Wie Klimaschutz in LEADER integrieren? LandInForm(2):46-47




