Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft

Projekt

Mohn- und Kornblumen am Ackerrand (c) BLE, Bonn/Thomas Stephan
(© BLE, Bonn/Thomas Stephan)

Förderung des ökologischen Landbaus - Maßnahmen, Strategien und betriebliche Perspektiven

Ist der ökologische Landbau gut für die Umwelt und das Tierwohl? Diese Frage ist immer wieder Anlass für kontroverse Debatte. Grund genug sich Zeit für eine detaillierte Analyse zu nehmen und den aktuellen Wissensstand aufzubereiten.

Hintergrund und Zielsetzung

Der ökologische Landbau gilt als ein nachhaltiges Landnutzungssystem und wird deshalb in Deutschland in besonderer Weise politisch unterstützt. Obwohl die Wirkungszusammenhänge zwischen einer ökologischen Bewirtschaftung und der Erbringung gesellschaftlich relevanter Leistungen wissenschaftlich und politisch auf eine breite Anerkennung stoßen, werden die Potenziale des ökologischen Landbaus zur Bewältigung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen unserer Zeit weiterhin unterschiedlich bewertet.

Ziel des Forschungsprojektes „Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft“ ist es deshalb, die öffentlichen Leistungen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl auf der Grundlage einer umfassenden Analyse wissenschaftlicher Studien miteinander zu vergleichen und zu bewerten.

Vorgehensweise

Für jeden Leistungsbereich wurde im Zeitraum April 2017 bis März 2018 eine umfangreiche systematische Literaturanalyse mit Hilfe verschiedener Datenbanken durchgeführt. Ergänzend wurden gezielt Konferenzbeiträge, Projektberichte und sonstige relevante Veröffentlichungen ausgewertet. Von den insgesamt rund 12.000 identifizierten Veröffentlichungen, die in den letzten 30 Jahren zu diesem Thema publiziert wurden, erfüllten rund 500 Arbeiten die zuvor festgelegten Qualitätskriterien.

Grundlage für die quantitative Analyse waren die Ergebnisse von rund 2.700 Paarvergleichen aus den ausgewählten Studien mit jeweils einer ökologischen und konventionellen Variante. Die Ergebnisse wurden deskriptiv statistisch ausgewertet und mithilfe von Boxplot-Diagrammen graphisch veranschaulicht. Ferner wurde untersucht, bei wievielen Paarvergleichen die ökologische Variante besser oder schlechter abschneidet.

Ergebnisse

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Ökolandbau ein hohes Potenzial zum Schutz von Grund- und Oberflächenwasser zu zuschreiben ist. Positiv wirkt sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus. In den ausgewerteten Untersuchungen verminderte eine ökologische Bewirtschaftung zudem die Stickstoffausträge im Mittel um 28 %. Auch bei Tierarzneimitteln und den Phosphoreinträgen in Gewässer lässt der Ökolandbau eine geringere Belastung erwarten. Speziell hier liegen allerdings nicht genügend geeignete Studien vor.

Vorteile der ökologischen Wirtschaftsweise zeigen sich auch bei der Bodenfruchtbarkeit. Die Abundanzen (Häufigkeiten) und Biomassen von Regenwurm-Populationen waren hier im Mittel um 78 bzw. 94 % höher. Bei 62 % der Vergleichspaare war die ökologische Wirtschaftsweise im Oberboden mit einer geringeren Versauerung verbunden. Beim Gehalt an pflanzenverfügbarem Phosphor im Oberboden konnte hingegen keine eindeutige Tendenz für die eine oder andere Bewirtschaftungsform festgestellt werden.

Dass sich der Ökolandbau positiv auf die Biodiversität auswirkt, ist für die untersuchten Artengruppen eindeutig belegbar (z.B. mittlere Artenzahlen der Ackerflora um 95 %, der Feldvögel um 35 % und der blütenbesuchenden Insekten um 23 % erhöht). Zu berücksichtigen ist, dass die Landschaftsstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt – insbesondere bei der Fauna – hat und diese die Effekte der Landnutzung stark überlagern können.

Weniger eindeutig ist der Beitrag des ökologischen Landbaus zum Klimaschutz. Durch eine höhere Kohlenstoffspeicherungsrate und verminderte Lachgasemissionen emittieren Ökobetriebe gemäß der Auswertung im Mittel 1.082 kg weniger CO2‐Äquivalente pro Hektar und Jahr. Aufgrund des niedrigeren Ertragsniveaus im Ökolandbau sind die ertragsbezogenen Klimaschutzleistungen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft jedoch vermutlich vergleichbar.

Die Studienergebnisse unterstreichen zudem, dass der ökologische Landbau zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz beitragen kann. Der Gehalt an organischem Kohlenstoff im Boden – vereinfacht gesagt der Humusgehalt – und die Aggregatstabilität waren im Ökolandbau im Mittel 26 % bzw. 15 % höher; bei der Infiltration wurde ein Unterschied von 137 % festgestellt. Dadurch werden Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert.

Der sparsame Ressourcenverbrauch im Ökolandbau spiegelt sich unter anderem in der Stickstoff- und Energieeffizienz wider. In beiden Bereichen erwies sich der ökologische Landbau als vorteilhafter. Im Pflanzenbau war die Stickstoffeffizienz im Mittel 12 %, die Energieeffizienz 19 % höher als im konventionellen Landbau.

Kein klares Bild zeigte sich beim Tierwohl. Bei 46 % der Vergleichspaare wurden keine eindeutigen Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung festgestellt. Die ökologische Wirtschaftsweise wies bei 35 % der Vergleichspaare Vorteile auf, die konventionelle bei 19 %. Hinsichtlich Verhalten und Emotionen deuten sich Vorteile der ökologischen Tierhaltung an. Bei der Tiergesundheit sind keine grundlegenden Unterschiede festzustellen; das Management scheint hier entscheidender zu sein als die Wirtschaftsweise.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Universität Kässel
    (Witzenhausen, Deutschland)
  • Universität Gießen
    (Gießen, Deutschland)
  • Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft
    (Freising, Deutschland)
  • Zentrum für Agrarlandforschung e.V. (ZALF)
    (Müncheberg, Deutschland)
  • Technische Universität München
    (Freising, Deutschland)
  • Zentrum für angewandte Forschung und Technologie an der HTW Dresden
    (Dresden, Deutschland)

Zeitraum

7.2015 - 10.2018

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: FKZ 2815OE009
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

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  1. March S, Haager D, Brinkmann J (2019) Gesellschaftliche Leistungen der ökologischen Tierhaltung in Bezug auf das Tierwohl im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft - Ergebnisse einer systematischen Literaturstudie. In: Mühlrath D, Albrecht J, Finckh M, Hamm U, Hess J, Knierim U, Möller D (eds) Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft : Beiträge zur 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ; Kassel, 5. bis 8. März 2019. Berlin: Köster, pp 634-637
  2. Sanders J, Hess J (eds) (2019) Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 364 p, Thünen Rep 65, DOI:10.3220/REP1547040572000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 2984 KB
  3. Sanders J, Brinkmann J, Chmelikova L, Freibauer A, Gattinger A, Gottwald F, Haager D, Haub A, Hess J, Hülsbergen KJ, Hupe A, Hoppe J, Jung R, Kusche D, Levin K, March S, Schmidtke K, Stein-Bachinger K, Treu H, Weckenbrock P, Wiesinger K (2019) Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft - Kontext, Zielsetzung und Vorgehen. In: Mühlrath D, Albrecht J, Finckh M, Hamm U, Hess J, Knierim U, Möller D (eds) Innovatives Denken für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft : Beiträge zur 15. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau ; Kassel, 5. bis 8. März 2019. Berlin: Köster, pp 648-651
  4. Sanders J, Hess J (eds) (2019) Materialband zur Studie Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 193 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 3394 KB
  5. Hupe A, Sanders J, Chmelikova L, Gattinger A, Haub A, Hoppe J, Jung R, Levin K, March S, Treu H, Weckenbrock P (2019) Methodische Vorgehensweise. Thünen Rep 65:39-55
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 569 KB

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