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Projekt

F.R.A.N.Z. - Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft (Teilprojekt Ökologie)


Federführendes Institut BD Institut für Biodiversität
Beteiligte Institute LV Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen BW Institut für Betriebswirtschaft

Ackerhummel an einer Borretsch-Blüte
© Thünen-Institut/Jens Dauber

Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. entwickelt und erprobt praxistaugliche und wirtschaftlich tragfähige Maßnahmen für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft. Zwei Teilprojekte widmen sich sowohl ökologischen als auch sozioökonomischen Fragestellungen.

 

Hintergrund und Zielsetzung

Biologische Vielfalt ist eine wichtige Grundlage für intakte Ökosysteme und damit auch für die Landwirtschaft. Mit der weltweit wachsenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten ist die Flächenbewirtschaftung allerdings intensiver geworden. Das ist ein Grund, warum die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft abnimmt. Die Ausweisung von Schutzgebieten und verschiedene Agrarumweltmaßnahmen können diesen Trend bislang nicht aufhalten. Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. setzt hier an, um Konzepte zu entwickeln, die wirkungsvolle Naturschutzmaßnahmen und effiziente Bewirtschaftung kombinieren.

Hierzu erproben Naturschützer und Landwirte gemeinsam auf zehn typischen landwirtschaftlichen Demonstrationsbetrieben Maßnahmen, die dem Naturschutz dienen und gleichzeitig praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen werden über das Netzwerk der Demonstrationsbetriebe hinaus kommuniziert und verbreitet. Um möglichst viele Landwirte für die Maßnahmen zu gewinnen, braucht es geeignete ordnungs- und förderrechtliche Rahmenbedingungen. Auch hier setzt F.R.A.N.Z. an und gibt Impulse in die Agrar- und Umweltpolitik.

Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. wird unter Federführung der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband durchgeführt. Die Thünen-Institute für Ländliche Räume und für Betriebswirtschaft widmen sich den sozioökonomischen Aspekten, das Thünen-Institut für Biodiversität, die Universität Göttingen und das Michael-Otto-Institut im NABU den ökologischen Fragestellungen.

Das Projekt wird ressortübergreifend unterstützt. Die Bundesministerien für Landwirtschaft und Umweltschutz haben die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen.

Zielgruppe

  • Landwirtschaftliche Betriebe
  • Landwirtschaftsberatung
  • Agarumweltpolitik
  • Agrar- und Umweltwissenschaften

Vorgehensweise

In diesem Teilprojekt zur ökologischen Begleitforschung arbeiten das Thünen-Institut für Biodiversität (TI-BD) und die Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung der Universität Göttingen zusammen (UniGö). Das Vorhaben beinhaltet das ökologische Monitoring von Hummeln und solitären Wildbienen (TI-BD) und Schmetterlingen (UniGö) und der mit diesen Organismengruppen verbundenen Ökosystemleistung der Bestäubung (TI-BD) sowie Messungen der bodenbiologischen Aktivität (UniGö). Ein weiterer Schwerpunkt ist eine szenariengestützte Landschaftsmodellierung der Auswirkung von alternativen Maßnahmenbündeln auf Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen (TI-BD).

Die zehn Demonstrationsbetriebe in ganz Deutschland sind sowohl Ackerbau- als auch Grünlandbetriebe. Die Verteilung innerhalb Deutschlands und die unterschiedliche Betriebsausrichtung spiegeln die regionalen Besonderheiten und die verschiedenen Herausforderungen im Spannungsfeld Landwirtschaft und Naturschutz wider. Um die Maßnahmen auch auf andere Betriebe bundesweit übertragen zu können, wurden für die jeweilige Region typische landwirtschaftliche Betriebe eingebunden.

Jeder Betrieb setzt mehrere Maßnahmen um, die Lebensräume für typische wildlebende Tier- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft schaffen und sich gleichzeitig gut in die betrieblichen Abläufe integrieren lassen. Untersucht werden dabei die ökologischen Effekte auf ausgewählte Tier- und Pflanzenarten wie Feldhase, Rebhuhn, Wildbienen und Ackerbeikrautgesellschaften sowie die sozio-ökonomischen Auswirkungen auf die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe.

Daten und Methoden

Um die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Bestäubungsleistung zu erfassen, werden zweimal pro Jahr (in der Vegetationsperiode) die Artenvielfalt und Dichte von Wildbienen auf den Demonstrationsbetrieben und in der unmittelbaren Umgebung erfasst. Dabei werden auch Pollenproben genommen und auf ihre Zusammensetzung und Anteile von Pflanzenarten/-familien hin untersucht. Auf diese Weise wird ermittelt, ob sich durch die angelegten Maßnahmen das Nahrungsangebot der Wildbienen verändert hat.

Unsere Forschungsfragen

Unsere Forschungarbeiten am Thünen-Institut für Biodiversität umfassen:

  • Erfassung der Landnutzung und Landschaftsstruktur sowie Kartierung und Analyse der räumlichen und zeitlichen Verteilung von Maßnahmen
  • Monitoring von Hummeln und solitären Wildbienen
  • Analyse der Diversität und Identität des von Hummeln gesammelten Pollens
  • Messung des Bestäubungserfolgs bei Kulturpflanzen und Ackerbegleitflora durch Insekten
  • Szenariengestützte Modellierung der Auswirkung von alternativen Maßnahmenbündeln

Vorläufige Ergebnisse

Die Eignung (Umsetzbarkeit) von Maßnahmen sowie deren Wirkung in qualitativer und quantitativer Ausgestaltung ist abhängig von der betriebsspezifischen Landnutzung und dem landschaftsstrukturellen Kontext.
Eine Erhaltung und Förderung der Biodiversität erfordert eine Erhöhung der Nutzungsheterogenität auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene.
Werden biodiversitätsfördernde Maßnahmen aufeinander und auf die standörtlichen Biodiversitätspotentiale abgestimmt, erzielt man die größte Wirkung. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Maßnahmenkombination dazu beiträgt ein vielfältiges und nutzbares Angebot an Nahrungs-, Reproduktions- und Rückzugsräumen in Agrarlandschaften bereitzustellen. Für diese Abstimmung ist im Regelfall eine intensive Beratung und Begleitung der Betriebe notwendig.
Der ökologische Nutzen erhöht sich, wenn Maßnahmenflächen über- bzw. mehrjährig am selben Standort bestehen.
Politische Forderungen nach einheitlich bestimmten betrieblichen Anteilen landwirtschaftlicher Flächen, reserviert für biodiversitätsfördernde Maßnahmen, ergeben angesichts dieser Abhängigkeiten, ohne konkrete Zielformulierung und Festlegung der relevanten räumlichen Skala wenig Sinn.

Je nach Landschaft und Bezugsraum sollte eine breite Palette an Maßnahmen angeboten werden. Bei der Ausgestaltung ist darauf zu achten, dass viele Arten bzw. Organismengruppen wie Pflanzen, Vögel und Insektenunterschiedliche Ressourcen während ihres Lebenszyklus benötigen. Dabei kann eine Maßnahme in unterschiedlichen Agrarlandschaften unterschiedliche Wirkungen zeigen und nicht alle Arten der Agrarlandschaft profitierenvon den gleichen Maßnahmen.
Die Qualität und Wirkung einer Maßnahme hängt von der Umsetzung ab. Vorteilhaft ist beispielsweise bei streifenförmigen Maßnahmen eine Mindestbreite von 12 m, die bevorzugte Verwendung von regionalem Saatgut miteinheimischen Wildkräutern in Blühmischungen und die Anlage auch von mehrjährigen, lagetreuen Maßnahmenflächen zur Gewährleistung ganzjährig vorhandener Strukturen in der Agrarlandschaft. Blühstreifen sollten nichtan Schlaggrenzen zu stark befahrenen Straßen angelegt werden.
Mehr Flexibilität bei den Maßnahmen-Vorgaben (z.B. partielle Nutzung und Befahrung) erhöhen die Teilnahmebereitschaft der Landwirt*innen bei der Maßnahmenumsetzung. Wichtig ist hierbei die Wahrung der ökologischenWirkung der Maßnahme. Sinnvoll ist eine Ausgestaltung der Maßnahmen nach einem Baukastenprinzip mitverschiedenen Varianten und Abstufungsoptionen sowie einer Kombination von verschiedenen Maßnahmen.
Auch auf intensiv bewirtschafteten Gunststandorten mit hohem Ertragspotential gibt es geeignete Maßnahmenzur Steigerung der Biodiversität und Betriebe können einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten. Die Effizienzder Maßnahme an solchen Standorten hinsichtlich der Ökologie und der Ökonomie im Vergleich zu weniger ertragreichen Standorten bleibt im Projekt noch zu untersuchen

Links und Downloads

www.franz-projekt.de

Beteiligte externe Thünen-Partner

Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)
  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)
    (national, öffentlich)
  • Landwirtschaftliche Rentenbank
    (national, privat)

Zeitraum

11.2016 - 12.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 817 759
Förderprogramm: Innovationsförderung
Projektstatus: läuft

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