Für die aktuelle Ausgaben der Zeitschrift Ländliche Räume haben Jan Cornelius Peters und Christian Hundt für die Rubrik „Ländliche Räume als starke Wirtschaftsstandorte“ den einführenden Beitrag mit dem Titel „Zur Wirtschaft in ländlichen Räumen: Strukturen, jüngere Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen“ geschrieben. Der Artikel kann hier abgerufen werden.
Aktuelle Transformationsprozesse, die verbunden sind mit der fortschreitenden Digitalisierung, Dekarbonisierung und dem demografischen Wandel, stellen ländliche und urbane Regionen in unterschiedlichem Maße vor strukturelle Herausforderungen. In ihrem Artikel zeigen Peters und Hundt, dass in ländlichen Räumen die meisten Beschäftigten in Dienstleistungsbranchen tätig sind. Im Vergleich zu den urbanen Räumen spielt das produzierende Gewerbe in ländlichen Räumen dennoch eine relativ wichtige Rolle. Die Wirtschaft ländlicher Räume steht daher unter anderem durch die Transformation der Industrie vor besonderen Herausforderungen. Seit 2019 sind Beschäftigungsverluste insbesondere in nicht-wissensintensiven Industrien zu beobachten.
Beschäftigungsgewinne ergeben sich demgegenüber vor allem in der nicht-gewerblichen Wirtschaft und wissensintensiven Dienstleistungen. Auch in ländlichen Räumen konnten daher bisherige Beschäftigungsverluste im Industriesektor durch Zuwächse im Dienstleistungsbereich ausgeglichen werden, aber in einem geringeren Maße als in urbanen Räumen, wo die Beschäftigtenverluste in der Industrie 2019-2023 deutlich stärker überkompensiert wurden. Dies bestätigt: der Strukturwandel weg von der Industrie betrifft ländliche Räume in besonderem Maße.
Geografisch haben sich Regionen des Südwestens hinsichtlich der Wertschöpfung seit 2019 schlechter entwickelt als viele Regionen in Nord- und Ostdeutschland. Die Beschäftigungsdynamik hingegen war in den ostdeutschen Bundesländern (mit Ausnahme Teilen Brandenburgs) und im Saarland zuletzt flächendeckend negativ. Diese Auswertungen zu den regionalen Veränderungen der Beschäftigtenzahl und der Bruttowertschöpfung weisen auch darauf hin, dass die wirtschaftliche Entwicklung (ländlicher) Regionen unterschiedlich verläuft und die Betrachtung nur eines Indikators ein zu pessimistisches bzw. ein zu optimistisches Bild vermitteln kann.
Neben den Herausforderungen der aktuellen Transformationsprozesse diskutieren die Autoren auch mögliche Ansatzpunkte, wie Regionen von diesen Prozessen profitieren können. So lassen sich die Automatisierung von Produktionsprozessen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nutzen, um arbeitssparender zu wirtschaften, die Produktivität von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften zu erhöhen und so die Wertschöpfung auch in Regionen mit rückläufigem Arbeitskräfteangebot zu stabilisieren. Dafür sind u. a. Investitionen in neue Technologien und neue Geschäftsfelder erforderlich. Mindestens genauso wichtig ist es, Arbeitskräfte entsprechend den sich wandelnden Anforderungen aufgrund von Digitalisierung und/oder Dekarbonisierung zu qualifizieren.
Kontakt: Jan Cornelius Peters







