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Ökologischer Betrieb
Ökologischer Betrieb
Institut für

BW Betriebswirtschaft

Projekt

Zukunft der Schafhaltung in Deutschland


Federführendes Institut BW Institut für Betriebswirtschaft

Schafhaltung in Deutschland
© Thünen-Institut/Johan Schütte

Zukunft der Schafhaltung in Deutschland

Schafhalter leisten einen wichtigen Beitrag für die Pflege und Offenhaltung von Landschaften und produzieren zugleich wertvolle Lebensmittel und Wolle. Doch wie steht es aktuell um die Schafhaltung? Welche Formen von schafhaltenden Betrieben gibt es in Deutschland? Welche Perspektiven und Herausforderungen gibt es? Diesen Fragen wird in diesem Projekt nachgegangen.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Schafhaltung in Deutschland ist seit Anfang der neunziger Jahre rückläufig und ist mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Nachdem es jahrelang still war um den Sektor, rückte die Schafhaltung durch die Ausbreitung der Wolfspopulation und die zunehmende Bedrohung durch Wolfsrisse wieder in den Blickwinkel von Öffentlichkeit und Medien. Aber wie sieht es derzeit wirklich aus in der deutschen Schafhaltung? Um die aktuelle Situation der Schäfereien besser bewerten zu können, wird in diesem Projekt zunächst eine Gliederung des Sektors der Schafhaltung durch eine Typologisierung von Betrieben angestrebt. Eine Typologisierung erlaubt es, Trends des Wandels in der Tierhaltung zu bewerten und wichtige Produktivitätshemmnisse zu ermitteln. Sie kann außerdem für die Priorisierung spezifischer Politikmaßnahmen und als Instrument zur Unterstützung von Beratern verwendet werden.

Um Hilfestellungen für politische Entscheidungen und gegebenenfalls zu einer gezielten Förderung der Schafhaltung erarbeiten zu können, reicht ein Wissen über die Gliederung des Sektors jedoch nicht aus. Auch zu der wirtschaftlichen Situation der schafhaltenden Betriebe gilt es Informationslücken zu schließen. Darauf zielt dieses Projekt ab, damit Perspektiven und Herausforderungen für eine zukünftige wirtschaftliche Schafhaltung aufgezeigt werden können.

Vorgehensweise

Vor diesem Hintergrund wurden mit Hilfe einer eigenen Erhebung über die Schafzuchtverbände zunächst physische Parameter der schafhaltenden Betriebe, wie Herdengröße, Betriebsfläche, Haltungsform und Betriebssitz, sowie eine Einschätzung der Schafhalter zur eigenen Situation mit einem umfassenden Fragebogen erfasst. Aus den Daten dieser Erhebung wurden mit Hilfe einer Clusteranalyse verschiedene Betriebstypen charakterisiert. Für die auf diese Weise ermittelten Betriebstypen werden im zweiten Schritt Fallstudien erhoben. Im Rahmen der Fallstudien werden Fokusgruppen durchgeführt, um wichtige Produktionskennzahlen der typischen Betriebe zu ermitteln. Nachfolgend werden die Wirtschaftlichkeit sowie die Produktionskosten mit dem Modell TIPI-Cal analysiert. Die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Betriebstypen wird zwischen den verschiedenen Betriebstypen und im internationalen Kontext des agri benchmark Netzwerkes verglichen. Aus diesen Analysen und Vergleichen werden im dritten Schritt Perspektiven und Strategien für die Schafhalter abgeleitet und anhand von Szenarien Berechnungen beurteilt. Im Rahmen dieses Projektes erfolgten auch Analysen zu den Kosten von Wolfsrissen und Herdenschutzmaßnahmen in der Schaf- und Rinderhaltung.

Unsere Forschungsfragen

  • Welche typischen Betriebsformen für die Schafhaltung herrschen in Deutschland vor und wie lassen sich diese voneinander abgrenzen?
  • Wie ist die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Betriebstypen untereinander und im internationalen Vergleich zu bewerten?
  • Welche Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten können Perspektiven für die Schafhaltung darstellen und wie sind diese zu bewerten?

Vorläufige Ergebnisse

Die Befragung von Betrieben wurde von Juni bis September 2019 unter Beteiligung von über 400 Schafhaltern durchgeführt. Von den ausgefüllten Fragebögen wurden 359 vollständig bearbeitet und können für die Analyse herangezogen werden. Eine Veröffentlichung zu der Typologisierung der Betriebe ist in Vorbereitung.

Mit der durchgeführten Clusteranalyse ließen sich insgesamt neun verschiedene Betriebstypen identifiziert, die sich hinsichtlich ihrer Produktionssysteme, Bestandsgröße, Flächenausstattung und dem Produktionsziel unterscheiden:

  • 5 Typen von Haupterwerbsbetrieben:
    • 3 Typen hiervon mit durchschnittlich mehr als 500 Mutterschafen und vorwiegendem Fokus auf die Landschaftspflege
    • 2 Typen hiervon mit durchschnittlich weniger als 500 Mutterschafen und vorwiegendem Fokus auf die Fleischproduktion
  • 2 Typen von Nebenerwerbsbetrieben
  • 2 Typen von Kleinst- und Hobbyschäfereien

Jeder Betriebstyp erfüllt durch Faktorausstattung, Produktionsweise und Produktionsausrichtung verschiedene zum Teil gesellschaftlich relevante Aufgaben:                                             

  • Es fällt auf, dass fast ausschließlich die großen Haupterwerbsschäfereien mit mehr als 500 Mutterschafen arbeitsaufwendige Formen der Hütehaltung mit ihren Herden betreiben. Zudem fällt besonders bei den Betrieben dieser Typenein hoher Anteil an Flächen auf, der nicht als Acker- oder Grünland, sondern als Sonderflächen wie Heiden und Moore spezifiziert wurde. Somit spielen diese Typen eine wesentliche Rolle bei der Pflege und Offenhaltung von Landschaften. Der Rückgang der großen Haupterwerbsschäfereien und der Trend hin zur Koppelhaltung sind somit als bedenklich anzusehen.
  • Bei den kleineren Haupterwerbs- sowie den Nebenerwerbsbetriebestypen werden die Schafe fast ausschließlich auf umzäunten Koppeln gehalten. Sie spielen eine wesentliche Rolle in der Fleischproduktion und der Pflege von Landschaftselementen. Flächen der Betriebe die nicht Acker- oder Grünlandflächen sind, wurden häufig als Deichflächen oder andere Landschaftselemente wie Obstwiesen oder Photovoltaikflächen spezifiziert.
  • Die Typen der Kleinst- und Hobbybetriebe fallen durch einen hohen Anteil von Herdbuchzüchtern und den Einsatz von gefährdeten Rassen auf. Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag für die Zucht und den Erhalt von gefährdeten Rassen.

Über alle Betriebstypen hinweg wird die aktuelle Situation nur wenig positiv eingeschätzt. Die Hauptprobleme werden in der Wirtschaftlichkeit und dem Herdenschutz gesehen. Es konnten keine signifikanten Unterschiede bei der Situationseinschätzung und den wahrgenommenen Problemen zwischen den Betriebstypen festgestellt werden.

Im September 2020 wurde mit der Erhebung von Fallstudien mit dem standardisierten Erhebungsverfahren von agri benchmark zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Betriebstypen begonnen.

Zeitraum

4.2017 - 12.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

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