Das am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft koordinierte agri benchmark Netzwerk hat am 18. November 2025 einen Deutschladworkshop veranstaltet. Rund 20 Pflanzenbau- und Betriebswirtschaftsberater aus verschiedenen Regionen Deutschlands kamen zusammen, um Daten typischer deutscher Betriebe für den internationalen Produktionskostenvergleich des Netzwerks zu diskutieren. Darüber hinaus standen aktuelle Trends und Herausforderungen im Ackerbau im Mittelpunkt.
Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe
Thomas de Witte zeigte, dass deutsche Betriebe trotz strenger Umweltauflagen international wettbewerbsfähig sind. In den No-Till-Systemen Systemen mit Einsatz gentechnisch modifizierter Sorten (GMO-basierte Systeme) Nord- und Südamerikas werden im Pflanzenschutz weiterhin Wirkstoffe wie Atrazin oder Paraquat eingesetzt, die in der EU seit Jahren nicht mehr zugelassen sind. Dennoch liegen die Direktkosten je Tonne Getreide dort meist höher als in Deutschland. Kostennachteile bestehen hierzulande vor allem bei der Arbeitserledigung. Südamerikanische Betriebe profitieren von größeren Strukturen und der Möglichkeit, zwei Kulturen pro Jahr anzubauen, was zu deutlich höheren Maschinenauslastungen führt.
Ernte 2025 und wirtschaftlicher Ausblick
Marcel Dehler und Jannik Dresemann gaben einen Rückblick auf die Ernte 2025 und einen Ausblick auf die erwarteten Betriebsergebnisse. Die Weizenerträge lagen vielerorts über dem Vorjahr, in einigen Regionen wie Brandenburg jedoch unterdurchschnittlich. Trotz guter Erträge führen die gesunkenen Agrarpreise zu deutlichen Gewinnrückgängen – teilweise können gerade noch die liquiden Ausgaben gedeckt werden. Besonders stark dürfte sich der Einbruch der Kartoffelpreise auswirken, verursacht durch Flächenausdehnung und eine gute EU-Ernte. Ackerbaulich bereitet vor allem die mögliche Ausbreitung von SBR und Stolbur in Zuckerrüben und Kartoffeln Sorge.
CO₂-Bilanzen im Fokus
Theresa Brandes stellte erste Ergebnisse zu Treibhausgasbilanzen in Form von CO₂-Fußabdrücken vor. Sie verdeutlichte, dass diese künftig relevanter werden und sich auf die Bonität der Betriebe auswirken können, wie der Zinsbonus der Rentenbank zeigt. Die Höhe der Emissionen hängt stark von der Stickstoffnutzungseffizienz (NUE) und den Standortbedingungen ab. Eine Verbesserung der NUE bietet großes Potenzial zur Emissionsreduktion.
Automatisierung im Ackerbau
Philipp Bodin präsentierte die Ergebnisse seiner Masterarbeit zur Wirtschaftlichkeit von hochautomatisierten Systemen im Ackerbau. Seine Analyse zeigt, dass für einen rentablen Einsatz bei derzeitigen Anschaffungskosten eine Auslastung von rund 2.000 Stunden pro Jahr erforderlich ist. Damit wird klar, dass bisherige Lösungen nur in größeren Betriebsstrukturen oder im überbetrieblichen Einsatz wirtschaftlich umsetzbar sind.
Biomassedeckel und Anpassungsoptionen
Nils-Geert Binder von der Agrarberatung Kompakt erläuterte die Auswirkungen des Biomassedeckels auf Biogasanlagen und den Maisanbau. Mögliche Anpassungen sind Downsizing, Flexibilisierung oder die Bildung von Biogasclustern. Die Unsicherheit über künftige Strommarktpreise erschwert jedoch Prognosen zur Entwicklung des Anlagenbestands erheblich. Sicher ist: Der Silomaisanbau wird deutlich zurückgehen.
Direktsaat – Erfahrungen und Forschungsbedarf
Zum Abschluss diskutierten die Berater die Möglichkeiten und Grenzen der Direktsaat. Ulrich Henne berichtete von seinen praktischen Erfahrungen in Ostholstein. Viele Teilnehmer sehen hier großen Forschungsbedarf, da die Beratungsanfragen deutlich zunehmen, aber systematische Versuche und belastbare Betriebsvergleiche fehlen. Nach aktueller Einschätzung ist eine reine Direktsaat nur schwer ohne wirtschaftliche Einbußen umsetzbar. Herausforderungen werden vor allem bei der Unkrautkontrolle und dem Schneckenbefall erwartet.
Der Workshop bot eine wertvolle Plattform für den fachlichen Austausch und die Diskussion aktueller Trends im Ackerbau.










