Weiter zum Inhalt
Expertise

Milchgewinnung bei Kühen, die auch Kälber säugen

Von Kerstin Barth


OL Institut für Ökologischen Landbau

Kühe, die Kälber säugen, werden auch noch mit der Melkmaschine gemolken – das kennzeichnet die kuhgebundene Kälberaufzucht. Die Menge der Milch, die beim regulären Maschinenmelken gewonnen werden kann, ist allerdings geringer als wenn die Kühe nur gemolken würden. 

Zum einen trinken die Kälber einen Teil der Milch, zum anderen lässt sich die Kuh beim Maschinenmelken nicht so gut stimulieren. Das  für die Milchabgabe notwendige Hormon Oxytocin wird nicht in dem Maße freigesetzt, wie es durch das Saugen des Kalbes erfolgt.  

Folglich bleibt Milch im Euter zurück. Dabei handelt es sich um die besonders fettreiche Milch, die sonst gegen Ende des Melkens gewonnen wird. Ein reduzierter Fettgehalt der ermolkenen Milch ist die Folge.

Dies ist allerdings nur von Bedeutung, wenn in der gemolkenen Herde sehr viele Kühe ihre Kälber führen. Meist gleichen die Kühe in fortgeschrittenem Laktationsstadium den Fettgehalt der Tankmilch, die zur Ablieferung an die Molkerei gelangt, in gewissem Maße wieder aus. 

Mehr Milch trotz Kälberaufzucht? Experiment am Melkstand

Wir haben untersucht, ob wir die Kühe trotzdem motivieren können, ihre im Euter gespeicherte Milch beim Melken vollständig herzugeben. Dazu haben wir den Tieren im Melkstand Tücher vorgelegt, mit denen ihr Kalb zuvor intensiv abgerieben wurde. Normalerweise kontrolliert eine Kuh vor dem Säugen durch Beriechen, ob es sich um das eigene Kalb handelt. Allerdings konnten wir keinen positiven Effekt erzielen: Die Milchabgabe der Kühe verbesserte sich nicht. Andere Stimulantien  wie Kälberrufe oder intensive Handstimulation zeigten in dem Versuch von Zipp et al. (2013) auch keine Wirkung auf die Milchabgabe.

Milchabgabeprofile während des Maschinenmelkens

Das gewählte System der kuhgebundenen Kälberaufzucht wirkt sich auf die Milchabgabe aus:

Nach oben