Nationales Tierwohl-Monitoring

Projekt

Rind, Schein, Huhn, Fisch (c) fotolia
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Nationales Tierwohl-Monitoring (NaTiMon)

Im Rahmen des interdisziplinären Projektes „Nationales Tierwohl-Monitoring“ sollen die Grundlagen für eine Berichterstattung zum Status quo und zur Entwicklung des Tierwohls in der Nutztierhaltung entwickelt werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Tiergerechtheit der Nutztierhaltung ist in Deutschland ein kontrovers diskutiertes Thema. Dennoch gibt es auf Bundesebene bislang noch keine fundierte Berichterstattung über den Status quo und die Entwicklung des Tierwohls. Damit sich dies ändern kann, werden im Projekt NaTiMon die Grundlagen für solch ein Tierwohl-Monitoring geschaffen. Dadurch kann nicht nur eine verlässliche Grundlage für politische Entscheidungen entstehen, sondern auch die Praxis profitieren: Tierhalter*innen können auf dieser Basis die Situation Ihres Betriebes im Vergleich zur Grundgesamtheit der Nutztierhaltung einschätzen. Zudem dient ein Monitoring der Allgemeinheit, um  sich mit objektiven Informationen ein Bild über das Wohl der Nutztiere in Deutschland machen zu können.

Ziel des Gesamtprojektes NaTiMon ist das Erarbeiten der Grundlagen für eine regelmäßiges, indikatorengestütztes Monitoring und eine Berichterstattung über den Status und die Entwicklung des Tierwohls in der Nutztierhaltung in Deutschland. Das Projekt wird mit rund 3 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Bundesprogramms Nutztierhaltung gefördert. Zum Projektkonsortium gehören die Thünen-Fachinstitute für Betriebswirtschaft, Fischereiökologie und Ökologischen Landbau, sowie die Tierärztliche Hochschule Hannover (Abteilung Fischkrankheiten und Fischhaltung), das Statistische Bundesamt, das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft, das Friedrich-Loeffler-Institut für Tierhaltung und Tierschutz, die Universität Kiel (Institut für Tierzucht und Tierhaltung) und der Lehrstuhl Tierhaltung und Produkte der Hochschule Osnabrück. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Im Projekt werden Tierwohl-Indikatoren für Schweine, Rinder, Geflügel und die Aquakultur (Regenbogenforelle und Karpfen) bearbeitet, die die Lebensabschnitte Haltung, Transport und Schlachtung abdecken.

Am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft werden im Rahmen des Projektes sozioökonomische Indikatoren erarbeitet, die Antriebskräfte für positive oder negative Entwicklungen bzw. gesellschaftliche Reaktionen auf die Tierwohl-Situation in der Nutztierhaltung darstellen. Des Weiteren werden die Wünsche und Präferenzen der verschiedenen Stakeholder untersucht (Stakeholderanalyse) und die Erhebungskosten von geeigneten, bislang noch nicht erhobenen Indikatoren für die unterschiedlichen Tierarten ermittelt, um die Kosten eines Monitorings abbilden zu können. Dabei geht es auch um die Abwägung von den Kosten und des (nicht monetären) Nutzens einzelner Indikatoren. Die Ergebnisse aller Teilprojekte fließen in die Erstellung der Prototypen für einen Monitoring-Bericht. Aus den Projektergebnissen werden Politikempfehlungen abgeleitet, die eine Umsetzung eines zukünftigen Tierwohl-Monitorings konkretisieren.

Am Thünen-Institut für Ökologischen Landbau werden für Milch- und Mastrinder sowie Aufzuchtkälber und Jungvieh unter Berücksichtigung bereits vorliegender Arbeiten sowie einer Stakeholderanalyse geeignete Indikatoren zur Erfassung des Tierwohls in der landwirtschaftlichen Praxis identifiziert. Dabei werden bereits auf nationaler Ebene vorliegende Daten, z.B. aus dem Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) oder der Milchleistungsprüfung berücksichtigt. Für weitere relevante Tierwohlbereiche wie z.B. Lahmheiten oder Verletzungen, zu denen derzeit noch keine flächendeckenden Daten vorliegen, werden Möglichkeiten der standardisierten Erfassung erarbeitet (Methodenhandbücher).
Diese als geeignet eingestuften Indikatoren werden im Projekt in 30 rinderhaltenden Betrieben (Betriebe mit Rindermast sowie Milchvieh- und Kälberhaltung) erhoben und ihre Anwendung erprobt. Die bei dieser explorativen Erhebung in der Praxis gewonnenen Daten werden aufbereitet und ausgewertet; es erfolgt eine Bewertung der Indikatoren hinsichtlich ihrer Aussagekraft sowie Eignung für die Erhebung unter praktischen Bedingungen. Im Anschluss werden verschiedene, sich in ihrem Umfang unterscheidende Prototypen für einen Tierwohl-Monitoring-Bericht zur Rinderhaltung erarbeitet.

Das Thünen-Institut für Fischereiökologie bearbeitet in einem Partnerverbund mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Abteilung für Fischkrankheiten und Fischhaltung, die Erhebung von Indikatoren und Parametern zur Bestimmung der Tiergerechtheit bei Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) und Karpfen (Cyprinus carpio). Regenbogenforelle und Karpfen stellen die bedeutendsten Arten in der heimischen Teichwirtschaft dar, und blicken dabei auf eine lange Tradition zurück. Trotz dieser langen Tradition ist wenig über den Zustand der Tiergerechtheit der beiden Arten bekannt, die sich sowohl in ihren biologischen Ansprüchen als auch in den zur Aufzucht verwendeten Haltungssystemen und deren Management grundlegend unterscheiden. Im Rahmen des Projekts sollen praxistaugliche und aussagekräftige Parameter und Indikatoren erarbeitet werden, die zur Durchführung eines kontinuierlichen Monitorings der Tiergerechtheit in der Aufzucht dieser beiden Arten herangezogen werden können. Hierdurch soll die Grundlage für eine fortlaufende Erhebung der Tiergerechtheit in der deutschen Aquakultur gelegt und Praktiker dazu befähigt werden, den Status quo des Tierwohls auf ihren Betrieben eigenständig zu erfassen. Praxisbetrieben soll es damit ermöglicht werden, einen langfristigen Vergleich hinsichtlich der Entwicklung der Haltungsbedingungen in ihren Betrieben selbst vorzunehmen, sowie Trends in der Haltung frühzeitig zu erkennen und den Erfolg von Veränderungen und umgesetzten Maßnahmen unmittelbar zu überprüfen.

Vorgehensweise

Vorgehensweise am Thünen Institut für Betriebswirtschaft

Auf Basis von Literaturanalysen und Datenrecherchen führen wir einerseits eine Vorauswahl geeigneter sozioökonomischer Indikatoren durch. Anschließend werden die im gesamten Projektteam definierten Auswahlkriterien und das methodische Vorgehen bei der Eingrenzung von Indikatoren angewandt. In Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) wird andererseits eine Analyse der (wichtigsten) Akteure im Bereich Tierwohl (Stakeholderanalyse) durchgeführt. Zur Identifikation der Wünsche und Präferenzen dieser Stakeholder in Hinblick auf ein geplantes Tierwohlmonitoring sind qualitative Interviews geplant. Zur Ermittlung der Erhebungskosten der Indikatoren, für die bislang noch keine Datenbasis vorliegt, wird anschließend ein Kosten-Erfassungsbogen entwickelt. Bei den ersten Betriebsbesuchen, auf denen eine explorative Erhebung geeigneter Indikatoren durchgeführt wird, testen wir diesen dann, und die Projektpartner können den Kosten-Erfassungsbogen später eigenständig umsetzen. Die Indikatoren (Ergebnisse) für alle Tierarten werden abschließend in drei verschiedenen Prototypen für einen Monitoring-Bericht dargestellt. In Prototyp I werden nur die Indikatoren abgebildet, für die aktuell nutzbare und ausreichend standardisierte Daten vorliegen. Prototyp II wird ein Bericht, der alle Indikatoren enthält, für die die Daten bereits erfasst werden, auch wenn diese noch nicht ausreichend standardisiert erhoben werden (z.B. Schlachthofbefunde) oder die Rechte zur Nutzung der Daten nicht vorliegen (z.B. Daten des Herkunfts-Informationssystems Tier). Prototyp III ist als umfassender Bericht geplant, der alle Indikatoren enthält, die als geeignet identifiziert wurden, auch solche, für die noch keine repräsentativen Daten verfügbar sind. Dabei wird die Aussagekraft der Indikatoren auf der Basis sektoraler (z. B. Milchkühe) und regionaler (z. B. ein Bundesland) Analysen dargestellt.

Vorgehensweise am Thünen Institut für Ökologischen Landbau

Auf Basis bereits vorliegender Arbeiten führen wir eine Auswahl geeigneter Indikatoren für ein nationales Monitoring für Milchrinder, Mastrinder sowie Aufzuchtkälber und Jungvieh anhand wissenschaftlicher Kriterien (Validität, Reliabilität und Praktikabilität) durch. Wir unterstützen unsere Projektpartner TI-BW und KTBL bei der Durchführung von Stakeholderanalysen für die Nutztierart Rind sowie unsere Projektpartner vom FLI bei der Indikatorenauswahl im Bereich Transport und Schlachtung von Rindern. Wir erstellen Methodenhandbüchern für Milchrinder, Mastrinder sowie Aufzuchtkälber und Jungvieh auf Basis der vorangegangenen Arbeitsschritte und erheben und erproben die so ausgewählten Indikatoren auf jeweils 10 Betrieben mit Milchkühen, Mastrindern sowie Aufzuchtkälbern und Jungvieh. Die erhobenen Daten werden aufbereitet und ausgewertet und hinsichtlich Verarbeitungstauglichkeit überprüft. Wir erstellen einen Entwurf eines Nationalen Tierwohl-Monitoring Berichts für Rinder und formulieren Empfehlungen für die Durchführung eines kontinuierlichen Monitorings für Milch-, Mastrinder sowie Aufzuchtkälber und Jungvieh. Abschließend werden die Ergebnisse mit Experten und Stakeholdern aus Wissenschaft, Behörden und Verbände etc. abgestimmt, um eine hohe Akzeptanz in der Praxis zu erreichen.

Vorgehensweise am Thünen Institut für Fischereiökologie

Anhand einer Literaturstudie wird zuerst eine Liste potentieller Indikatoren und aussagekräftiger Parameter erstellt, welche sowohl Kennzahlen zu Management und Betrieb, als auch tierbezogene und ressourcenbezogene Indikatoren enthält. In ausgewählten Betrieben soll zunächst ein sog. Pre-Test erfolgen, um die generelle Machbarkeit der Erhebung zu testen und ggf. Änderungen im Ablauf vorzunehmen. Die Erfahrungen aus dem Pre-Test sowie der hieraus entstandene Katalog an Parametern und Indikatoren wird anschließend in Diskussionsrunden mit Vertretern der Fischereiforschung und Fischereiverwaltung, den Fischgesundheitsdiensten, Vertretern von Verbänden und Praktikern besprochen. Hierdurch soll der Katalog von Indikatoren präzisiert und die relevantesten und praxistauglichsten Indikatoren ausgewählt werden. Im Anschluss werden über einen längeren Versuchszeitraum bundesweit Betriebe besucht und die Indikatoren auf einer repräsentativen Anzahl von Aquakulturbetrieben jeweils für Forellen und Karpfen erhoben. Hierbei liegt der Fokus zum einen auf Praktikabilität, zum anderen sollen solche Indikatoren identifiziert werden, deren Ergebnisse zuverlässig zu erheben sind. Ziel dabei ist es auch, Betriebe bei der Implementierung einer betrieblichen Eigenkontrolle zu unterstützen und durch eine vergleichende Auswertung zu klären, wie es um die Tiergerechtheit in der Haltung von Forellen und Karpfen in Deutschland bestellt ist. Betriebsleiter sollen hinsichtlich der Herausforderungen im Kontext Tiergerechtheit befragt werden, um zu klären, wo aktuelle Probleme bei der Sicherstellung einer guten Tiergerechtheit liegen und welche Maßnahmen zu deren Lösung konkret notwendig sind.

An allen Thünen-Instituten erfolgt eine fortlaufende Sichtung und Auswertung einschlägiger wissenschaftlicher Quellen sowie der Fachliteratur und die Erstellung von Berichten sowie Manuskripten für Fach- und wissenschaftliche Zeitschriften. Die Teilnahme an wissenschaftlichen Kongressen und Veranstaltungen zum Wissenstransfer in die Praxis erfolgt mit dem Ziel der Präsentation der Ergebnisse.

Vorläufige Ergebnisse

Es liegen noch keine Projektergebnisse vor.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

12.2018 - 11.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft