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Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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Vom Kommen, Gehen und Bleiben (KoBaLd): Wanderungsgeschehen und Wohnstandortentscheidungen aus der Perspektive ländlicher Räume

Projekt

Wörter-Spielbrett mit Schlüsselbegriffen der Wanderungsforschung. (c) Annett Steinführer/Heidrun Fornahl
Wohnstandortentscheidungen sind längst nicht auf Wanderungen beschränkt, sondern umfassen eine Vielzahl von Handlungsoptionen. (© Annett Steinführer/Heidrun Fornahl)

Ländliche Räume wurden über lange Zeit in der öffentlichen Debatte oft pauschal als Abwanderungsregionen beschrieben. Wir analysieren unterschiedliche Wanderungsrichtungen und subjektive Motive, um eine faktenbasierte Diskussion über Wohnstandortentscheidungen zu ermöglichen.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Entscheidungen für oder gegen Wohnstandorte in ländlichen Räumen sollen besser als bisher empirisch dargestellt und verstanden werden, denn sie beschränken sich nicht auf Abwanderungen bestimmter Alters- und Sozialgruppen. Die Vielfalt der Wanderungen, die einen Bezug zu ländlichen Räumen haben, und die ihnen zugrundeliegenden Entscheidungsprozesse sind für Deutschland bislang kaum systematisch erforscht. Dabei besteht ein grundlegendes Defizit darin, dass es (aktuell) keine große bundesweite Befragung gibt, die einen fundierten Überblick über Ursachen und Motivlagen ermöglicht.

Systematische Vergleiche zwischen den vorhandenen Befragungen werden dadurch erschwert, dass in der Regel ein jeweils spezifisches Untersuchungsdesign mit nur wenigen übergeordneten Standards zur Anwendung kommt. Der Forschungsstand stellt sich somit als zugleich disparates und lückenhaftes Gesamtbild mit unterschiedlichen Einzelbefunden dar, die in Bezug auf die allgemeine Relevanz bestimmter Phänomene schwer zu interpretieren sind. Außerdem beziehen sich die vorhandenen standardisierten Befragungen mehrheitlich auf die Situation in Stadtregionen und nehmen ländliche  Räume eher selten in den Blick.

Im KoBaLd-Projekt soll das mit ländlichen Räumen verbundene Wanderungsgeschehen mit verschiedenen Methoden untersucht werden. Auch Bleibeentscheidungen sowie multilokales Wohnen werden in den Blick genommen. Dabei konzentrieren wir uns unter anderem auf bestimmte Lebensphasen und -übergänge, in denen es regelmäßig zu Abwägungen hinsichtlich einer Veränderung des Wohnstandorts kommt (z. B. Ausbildungsbeginn, Familiengründung oder Beendigung des Erwerbslebens).

Vorgehensweise

  • Modul 1: Auf Basis der Wanderungsstatistik untersuchen wir die Binnenwanderungen in Deutschland über Gemeindegrenzen hinweg für den Zeitraum 2005 bis 2018 (verantwortlich: ILS).
  • Modul 2: 2019/20 haben wir 30 leitfadengestützte Interviews zu vergangenen und beabsichtigten Wohnstandortentscheidungen durchgeführt, davon 15 Interviews in Großstädten und 15 in ländlichen Räumen. Diese werten wir in einer wohnbiographischen Perspektive aus (verantwortlich: Thünen-Institut und ILS).
  • Modul 3: 2020 führte infas im Auftrag des KoBaLd-Projektes eine bundesweite standardisierte Telefonbefragung durch (n=3.600). Die Befragten gliedern sich in vier Teilstichproben: ausgehend von der letzten Wohnstandortentscheidung zum einen in drei Wanderungsgruppen („Land-Land“-, „Land-Stadt“- und „Stadt-Land“-Wanderung) und zum anderen in eine Teilstichprobe der seit mindestens zehn Jahren in ländlichen Räumen Gebliebenen* (verantwortlich: Thünen-Institut und ILS).
  • Modul 4: Hier erfolgt die Ergebnissynthese und eine Ableitung von Handlungsempfehlungen für Akteure in ländlichen Räumen.

* Eine fünfte Teilstichprobe der „Stadt-Stadt“-Gewanderten wird durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumordnung finanziert und im Rahmen von KoBaLd ebenfalls untersucht.

Daten und Methoden

In Modul 1 werten wir Sekundärdaten der Wanderungsstatistik aus. In Modul 2 führen wir leitfadengestützte Interviews mit narrativen Elementen durch und werten diese mit der qualitativen Inhaltsanalyse aus. Der Schwerpunkt unserer Arbeiten liegt auf Modul 3, der bundesweiten telefonischen Bevölkerungsbefragung. Diese fand 2020 statt und umfasst 3.600 Befragte, gegliedert in vier Wanderungsgruppen und eine Teilstichprobe von Sesshaften in ländlichen Räumen. 2021 werten wir diese Daten vertieft aus. Im letzten Auswertungsschritt in Modul 4 beziehen wir die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Untersuchungen aufeinander und interpretieren diese. Auf einem Workshop mit Expertinnen und Experten der Raumentwicklung stellen wir die Projektergebnisse 2021 zur Diskussion.

Unsere Forschungsfragen

  • Welche Trends des Wanderungsgeschehens und gegebenenfalls Trendwenden mit Bezug auf ländliche Räume lassen sich für den Zeitraum 2005 bis 2016 identifizieren? (Modul 1)
  • Welche Einflussfaktoren sind für eine Wohnstandortentscheidung – ob Gehen, Kommen oder Bleiben – in bestimmten Lebensphasen besonders relevant, und wie werden solche Entscheidungen in Haushalten (immer wieder neu) verhandelt? (Modul 2)
  • Wie unterscheiden sich die vorab unterschiedenen Typen von Wohnstandortentscheidungen hinsichtlich der Motive, ihrer Bedingungsfaktoren und der Haushaltskontexte? (Modul 3)
  • Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Verbindung (Triangulation) unterschiedlicher Methoden für Wohnstandortentscheidungen für oder gegen ländliche Räume gewinnen? (Modul 4)

Vorläufige Ergebnisse

Im Ergebnis des Projektes ist eine Quantifizierung der verschiedenen, ländliche Räume betreffenden Zu- und Abwanderungsprozesse seit 2005 zu erwarten. Wanderungen und Bleibeentscheidungen in bestimmten Lebensphasen werden besser als bisher verstanden. Damit lassen sich vorherrschende Annahmen zu den Motiven, Mechanismen und Anlässen von Wohnstandortentscheidungen, auf die sich auch (regional-)politisches Handeln richtet, kritisch überprüfen und empirisch fundieren.

Mit einem Expertenworkshop zur Ergebnisvalidierung und einer Praxisbroschüre werden die Ergebnisse und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen an relevante Akteure der Politik, Regionalentwicklung und Raumplanung kommuniziert

 

Download (Flyer)
     

Flyer zum Projekt
Flyer (© Thünen-Institut)

 

Projektflyer: KoBaLd (Stand: März 2019)

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Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

9.2018 - 10.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Förderprogramm: Bundesprogramm Ländliche Entwicklung
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 0