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Kleinstädte im siedlungsstrukturellen und soziodemographischen Wandel

Projekt

Wegweiser auf dörfliche Ortsteile (hier: von Mansfeld in Sachsen-Anhalt) (c) Annett Steinführer
Kleinstädte sind längst nicht immer kompakt und überschaubar. Als oft großflächige Einheitsgemeinden haben sie zahlreiche dörfliche Ortsteile (hier: von Mansfeld in Sachsen-Anhalt). (© Annett Steinführer)

Kleinstädte sind Ankerpunkte in ländlichen Räumen – zumindest im  planerischen Ideal. In der Realität ergibt sich hinsichtlich ihrer Struktur und Funktionen sowie der kommunalen Handlungsspielräume ein weitaus vielfältigeres Bild.

Hintergrund und Zielsetzung

Als Kleinstädte werden in Deutschland üblicherweise Siedlungen von 5.000 bis etwa 20.000 Einwohnern, einem städtischen Kern und einer mindestens grundzentralen Funktion bezeichnet. In ihnen leben, je nach genauer Definition, zwischen einem Viertel und einem Drittel der Gesamtbevölkerung. Trotz dieser quantitativen Bedeutung fällt der Siedlungstyp in eine raumwissenschaftliche Aufmerksamkeitslücke, die wenig systematische Beachtung findet.

Ländliche Kleinstädte interessierten in der jüngeren Vergangenheit vor allem im Zusammenhang  mit ökonomischen Strukturproblemen und langjährigem Bevölkerungsrückgang sowie daraus resultierenden Marginalisierungs- und Peripherisierungstendenzen. Für solche Städte erbrachte das explorativ ausgerichtete Vorgängerprojekt „Alterung und ihre Folgen für Kleinstädte in schrumpfenden ländlichen Räumen“ (2013–2017) Hinweise auf bislang wenig beachtete soziale, demographische und siedlungsstrukturelle Veränderungen: Aufgrund der Konzentrationstendenzen beispielsweise von Schulen, Behörden und Gesundheitseinrichtungen sowie neuer Wohnangebote kommt kleinstädtischen Hauptorten in Regionen mit langfristigem Bevölkerungsrückgang und ausgeprägter Alterung eine neue Bedeutung zu. Diese kleinräumige Zentralisierung zugunsten der Kernstädte ergibt sich sowohl aus planerisch-politischen Reformen als auch als nicht-intendiertes Ergebnis des Handelns öffentlicher, gemeinnütziger, privatwirtschaftlicher und privater Akteure. Damit einher geht eine (weitere) altersstrukturelle Homogenisierung der Kernstädte einerseits sowie ein verschärftes Abwanderungsproblem in den Herkunftsorten der Umgebung andererseits.

Von diesen explorativen Befunden ausgehend will das Forschungsprojekt eine weitere Perspektive anwenden und Kleinstädte in unterschiedlichen Typen ländlicher Räume auf aktuelle siedlungsstrukturelle und soziodemographische Prozesse sowie deren Folgen genauer untersuchen. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf Kleinstädte, die im Zuge von Gemeindegebietsreformen eine starke territoriale Erweiterung („Verländlichung“) erlebt haben und die durch Zuwanderungen Älterer und Hochbetagter gekennzeichnet sind. Dabei interessieren gleichermaßen die Kernstädte und die eingemeindeten dörflichen Ortsteile ebenso wie funktionale, symbolische und soziale Beziehungen zwischen den verschiedenen Siedlungsbereichen.

Vorgehensweise

Im ersten Schritt erfolgt eine Aufbereitung des Forschungsstandes insbesondere zu den Themenfeldern Wohnen, Siedlungsstruktur und Gemeindegebietsreformen sowie Sekundäranalysen kleinräumiger Daten zu Wohnungsmarkt- und demographischen Entwicklungen.

Diese Arbeiten sind in die Aktivitäten des Ad-hoc-Arbeitskreises Kleinstadtforschung der Akademie für Raumforschung und Landesplanung eingebunden.

Daten und Methoden

Für Sekundäranalysen stehen Daten der amtlichen Statistik sowie Befragungsdaten unterschiedlicher Provenienz zur Verfügung. Über die Nutzung weiterer Methoden und Datenquellen wird im Projektverlauf entschieden.

Unsere Forschungsfragen

  1. Welche Muster demographischen und sozialen Wandels lassen sich in Kleinstädten bezogen auf die Bevölkerungsentwicklung sowie die Veränderung der Altersstruktur und der Haushaltszusammensetzung identifizieren?
  2. Wie verändert sich das Verhältnis von Kernstädten, eingemeindeten Dörfern und ländlichem Umland in der Folge von Gemeindegebietsreformen? Wie wirken in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Kommunalverfassungen der Länder (etwa im Vergleich von Verbands- und Einheitsgemeinden)?
  3. Wie entwickelt sich die Wohnungsnachfrage in quantitativer und qualitativer Hinsicht? Welche Unterschiede zwischen Kernstädten und dörflichen Ortsteilen sowie zwischen Kleinstädten in verschiedenen Typen ländlicher Räume lassen sich identifizieren, und wie erklären sie sich?
  4. Entstehen in den Hauptorten ländlicher Kleinstädte alters- und sozialstrukturell homogenisierte Sozialräume? Wenn ja, welche Herausforderungen entstehen daraus für die Kleinstadtgesellschaften?

Im Ergebnis der Literaturanalyse werden die Forschungsfragen weiter präzisiert.

Links und Downloads

Ad-hoc-Arbeitskreis „Kleinstadtforschung“ der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL)

Thünen-Ansprechpartner


Zeitraum

4.2018 - 3.2022

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Steinführer A (2018) Wenn die kleine Stadt (zu) groß wird : Gemeindegebietsreformen aus der Perspektive vor Ort. Ed Difu - Stadt, Forschung, Praxis 17:63-73