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Naturschutzfachliche Entwicklung von ökologischen Vorrangflächen 2017 – 2019

Projekt

Phacelia-Anbau als Zwischenfrucht (c) Thünen-Institut/Sarah Baum
Ein Beispiel für Ökologische Vorrangsflächen ist der Anbau von Phacelia (auch "Bienenfreund" genannt) als Zwischenfrucht (© Thünen-Institut/Sarah Baum)

Naturschutzfachliche Entwicklung von ökologischen Vorrangflächen – Effekte für die Biodiversität und landwirtschaftliche Praxis

Die Biodiversität in der Agrarlandschaft unterliegt einem deutlichen Rückgang. Um dem entgegenzuwirken ist ein Teil der Direktzahlungen aus der EU-Agrarpolitik seit 2015 an Greening-Auflagen gebunden. So müssen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerland 5% ihrer Ackerfläche im Umweltinteresse nutzen und sie als ökologische Vorrangflächen ausweisen. Aufbauend auf den Ergebnissen des Projektes OEVForsch (2015-2016) werden im Rahmen dieses Projektes OEVForsch2 die Umsetzung und Wirksamkeit der ökologischen Vorrangflächen in der deutschen Agrarlandschaft untersucht.

Hintergrund und Zielsetzung

In der Agrarlandschaft werden starke Artenrückgänge sowie anhaltend hohe Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer beobachtet. Für den Schutz der Umwelt und um den europäischen sowie globalen Vorgaben zum Schutz der Biodiversität nachzukommen, war es ein Ziel der EU-Kommission, mit der jüngsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) eine umweltfreundlichere „grünere“ 1. Säule (Direktzahlungen an Landwirte) zu etablieren. Denn die angebotenen freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen (AUKM), die über die 2. Säule der GAP finanziert werden, waren bis dahin in intensiv genutzten landwirtschaftlichen Regionen nur verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen worden.

Seit 2015 müssen also die meisten Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche 5% als ökologische Vorrangfläche (ÖVF) ausweisen. Für die nationale Umsetzung können die EU-Mitgliedsstaaten verschiedene Flächentypen aus einer von der EU erstellten Liste auswählen. Die Flächennutzungstypen reichen von solchen, die eine Nutzung zulassen (z.B. für stickstofffixierende Pflanzen), bis hin zu Typen, auf denen keine Nutzung erlaubt ist (z.B. Brachflächen). Um Landwirten eine hohe Nutzungsflexibilität zu ermöglichen, können in Deutschland sehr viele Flächennutzungstypen als ÖVF ausgewiesen werden.

Gegenwärtig wird die ökologische Wirksamkeit der neuen Regulierung sowie die Verhältnismäßigkeit des Aufwands für Verwaltung und Kontrolle diskutiert. Erste Erkenntnisse zur ökologischen Wirksamkeit der ÖVF zeigen, dass ein Großteil tendenziell hochwertiger ÖVF (Brachen und Streifen) schon vorher in den Betrieben vorhanden war und dass diese eher von Großbetrieben gemeldet werden. Dadurch profitieren vor allem Arten, die in Gebüschen und Ruderalflächen heimisch sind (z.B. Dorngrasmücke, Sumpfrohrsänger, Stieglitz), nicht aber Arten, die sich in der der offenen Agrarlandschaft ansiedeln (z.B. Feldlerche, Schafstelze). Der positive Nutzen der ÖVF für die Biodiversität ist neben dem Typ außerdem von Faktoren abhängig wie konkreter Lage, Größe, Bewirtschaftung oder Pflege, benachbarten Flächen und Vernetzung.

Zielgruppe

Ministerien für Landwirtschaft und für Umwelt, Landwirte, Beratung, amtlicher Naturschutz, Agrarverwaltung, EU-Kommission

Vorgehensweise

InVeKoS-Daten der Bundesländer zur Landnutzung und zu Betriebskennzahlen werden analysiert im Hinblick auf:

  • die Umsetzung und Akzeptanz von Landwirten bezüglich der unterschiedlichen Greening-Optionen über die Zeit und mögliche betriebliche und regionale Gründe hierfür
  • die naturschutzfachliche Bewertung der Greening-Optionen auf Basis ihrer räumlichen Lage (Flächengröße, Bewirtschaftungsart, Standorteigenschaften, Nichtnutzungsdauer, räumlicher Kontext)
  • das Entwickeln eines Verständnisses dafür, wie die Bestandsveränderungen von Feldvögeln und die veränderte landwirtschaftliche Landnutzung miteinander zusammenhängen.

Die gewonnenen Ergebnisse werden, nachdem sie ausgearbeitet und diskutiert wurden, zu einem Bericht verfasst, in dem Empfehlungen für die Politik genannt werden. In dem Bericht sollen die ökologische Wirksamkeit von ÖVF sowie Aspekte von Kosteneffizienz, Verwaltungsaufwand und die Bedeutung flankierender Instrumente (Beratung, AUKM-Maßnahmen) thematisiert werden.

Daten und Methoden

Die Umsetzung der ökologischen Vorrangflächen und die Wirksamkeit von ÖVF in der deutschen Agrarlandschaft werden weitergehend mit Hilfe von InVeKoS-Daten untersucht und verfolgt.

Im Rahmen dieses Projekts führt das Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IfAB) schwerpunktmäßig die empirische ökologische Feldforschung durch.

Unsere Forschungsfragen

Verändert sich die Bereitstellung von Greening-Flächen über die Zeit? Wie reagieren Landwirte auf wirtschaftliche und natürliche Rahmenbedingungen?

In wie weit kommt es zu einer Umwandlung von Grün- in Ackerland, um andere Greening-Auflagen zu erfüllen?

Ist die Akzeptanz für die Kombination von Greening-Maßnahmen mit Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) gestiegen?

Wie räumlich stabil sind insbesondere hochwertige ÖVF über die Zeit?

Wie ist die räumliche Einbettung von ÖVF zu bewerten und wie ist die Verteilung?

Welche Auswirkungen haben die 2017 beschlossenen Änderungen im Greening auf das Verhalten der Landwirte?

Lassen sich aus dem deutschen Brutvogelmonitoring Effekte des Greenings ableiten?

Vorläufige Ergebnisse

Über den dreijährigen Projektzeitraum soll festgestellt werden, wie sich Greening-Flächen entwickeln und welche Effekte dadurch auftreten. Darauf aufbauend sollen Empfehlungen gegeben werden, wie die GAP und das Instrument der ÖVF naturschutzgerecht weiterentwickelt werden können.

Links und Downloads

www.thuenen.de/de/lr/projekte/naturschutz-auf-oekologischen-vorrangflaechen/

www.thuenen.de/de/lr/projekte/dachprojekt-greening-oekologische-begleitforschung-zum-greening-der-gemeinsamen-agrarpolitik/

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

8.2017 - 6.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: FKZ 3517 84 0200
Förderprogramm: BMUB - Umweltforschungsplan
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 0