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"Nachhaltigkeitsmodul Milch“- Umsetzung und Praktikabilitätsprüfung eines branchenbezogenen Konzeptes zur nachhaltigen Entwicklung der Milcherzeugung in Deutschland

Projekt

Melkbecher (c) Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V.
(© Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V.)

Eine nachhaltige und verantwortungsvolle Wirtschaftsweise hat bei der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln national und international eine wachsende Bedeutung. Dies gilt auch für die deutsche Milchwirtschaft und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Hintergrund und Zielsetzung

Eine nachhaltige Wirtschaftsweise wird immer mehr zu einer konkreten Anforderung an die Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung von Lebensmitteln. International wie national möchten Verbraucher und Öffentlichkeit, Handel und Hersteller auch von der deutschen Milchwirtschaft wissen, wie nachhaltig die Milch erzeugt wird. Die Integration der Urproduktion in (molkereispezifische) Nachhaltigkeitskonzepte birgt allerdings erhebliche Herausforderungen: zum einen ist eine Vielzahl von Milcherzeugerbetrieben mit zum Teil sehr unterschiedlichen Produktionsbedingungen und Produktionsverhältnissen zu berücksichtigen. Zum anderen kommt für die Abbildung von Nachhaltigkeit in Landwirtschaftsbetrieben generell eine sehr breite Palette an Nachhaltigkeitsaspekten aus den Bereichen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Tierwohl in Betracht.

Dieser Herausforderung hat sich das Thünen-Institut zusammen mit dem QM-Milch e. V., dem Projektbüro Land und Markt und weiteren Akteuren der Milchwirtschaft im Jahr 2017 gestellt und das „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ erarbeitet. Bestandteile sind ein Bericht mit Erläuterungen und Bewertungsoptionen sowie ein Fragebogen zur Erhebung von Nachhaltigkeitskriterien in den Milchviehbetrieben. Das „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ baut unmittelbar auf zwei Vorläuferprojekten in Niedersachsen  und Schleswig-Holstein auf. Es dient als Basistool für eine erste Abbildung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Milcherzeugung und ist als ein Auftakt und Instrument für einen kontinuierlichen Lern- und Entwicklungsprozess zu sehen.

Gesamtziel dieses Projektes ist es nun, das Konzept „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ erstmals in einem größeren Rahmen in der Praxis einzusetzen und hinsichtlich seiner Praktikabilität und Anerkennung auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu überprüfen und aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse weiter zu entwickelten. Im Ergebnis soll eine für die weitere erfolgreiche Verbreitung geeignete, nach außen transparente Branchenlösung zur nachhaltigen Entwicklung der Milcherzeugung vorliegen. Das Projekt wird gemeinsam mit dem QM-Milch e. V. und dem Projektbüro Land und Markt durchgeführt. Ebenfalls eingebunden ist der Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen (Datenbank). Es nehmen 34 Molkereien unterschiedlicher Größe und Ausrichtung an dem Pilotprojekt teil.

 

Vorgehensweise

Das Projekt beinhaltet folgende Arbeitsbausteine:

  1. Das „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ einführen und testen:
    Die Molkereien befragen ihre Milcherzeuger mit dem Fragebogen des „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ und geben die Daten in die zentrale Datenbank ein. Die Daten werden dann von uns ausgewertet. Jede Molkerei erhält einen umfangreichen Ergebnisbericht, zudem werden die Ergebnisse molkereiintern vorgestellt. Gemeinsam werden die Fakten zum Status quo angesehen und diskutiert, Ziele zur Weiterentwicklung einer nachhaltigen Milcherzeugung formuliert und mögliche Maßnahmen zur Umsetzung erarbeitet. Zusätzlich zu den Berichten für die einzelnen Molkereien sind eine Gesamtauswertung der erhobenen Daten und vertiefende wissenschaftliche Analysen vorgesehen. Dabei soll u.a. untersucht werden, ob es Zusammenhänge zwischen Betriebstypen oder sozio-ökonomischen Merkmalen und den vorhandenen Ausprägungen der Nachhaltigkeitskriterien gibt.
  2. Die internationale Anschlussfähigkeit des „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ prüfen:
    Im Rahmen einer Umfeldanalyse werden die Nachhaltigkeitskonzepte internationaler Initiativen und ausgewählter Molkereien in den Niederlanden, Irland und Neuseeland untersucht. Auf diese Weise sollen wichtige internationale Entwicklungen im Themenfeld nachhaltige Milcherzeugung beobachtet werden, um das „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ im nationalen und internationalen Kontext einordnen und entsprechend weiterentwickeln zu können.
  3. Die Praktikabilität und Akzeptanz des „Nachhaltigkeitsmodul Milch“ prüfen:
    Für die Evaluierung werden die Perspektiven der beteiligten Milcherzeuger und ihrer Molkereien sowie die Sicht von Handel, verarbeitender Industrie, Wissenschaft und NGOs auf das bisher umgesetzte Konzept und die in dessen Rahmen durchgeführten Aktivitäten eingeholt. Die Ergebnisse sollen konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des Konzeptes liefern.
  4. Ein zukunftsfähiges Konzept erarbeiten:
    Für die Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsmoduls sollen Workshops mit externen Beteiligten aus Wissenschaft und Beratung sowie Vertretern gesellschaftlicher Anspruchsgruppen stattfinden. Auf Basis dieser Workshops und aller anderen Projektbausteine werden dann die verschiedenen Bestandteile des Moduls überarbeitet.

 

Bausteine für Nachhaltigkeitsmodul Milch

Daten und Methoden

Die Erhebung der Daten erfolgt mit Hilfe eines schriftlichen Fragebogens. Die Auswertung der Daten für die Molkereien erfolgt vor allem deskriptiv. Für die vertieften wissenschaftlichen Analysen werden zudem multivariate statistische Verfahren angewendet. Im Rahmen der Evaluation und Umfeldanalyse wenden wir darüber hinaus auch qualitative Methoden (Gruppendiskussionen, Expertengespräche) an.

Links und Downloads

www.qm-milch.de/nachhaltigkeit

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Dr. Heike Kuhnert
    Land und Markt
    (Hamburg, Deutschland)
  • QM-Milch e.V.
    (Berlin, Deutschland)
  • Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen
    (LKV NRW) (Krefeld, Deutschland)

Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

4.2017 - 4.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2819108316
Förderprogramm: Innovationsförderung
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 3

  1. Flint L, Kuhnert H, Laggner B, Lassen B, Nieberg H, Strohm R (2016) Prozess nachhaltige Milcherzeugung - Entwicklung eines Nachhaltigkeitsmoduls zur Erfassung und Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien auf milchviehhaltenden Betrieben. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 225 p, Thünen Working Paper 54, DOI:10.3220/WP1459335513000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1674 KB
  2. Lassen B, Nieberg H, Kuhnert H, Sanders J, Schleenbecker R (2015) Status quo-Analyse ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte der Milcherzeugung in Schleswig-Holstein. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 114 p, Thünen Working Paper 43, DOI:10.3220/WP1439978006000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 973 KB
  3. Lassen B, Nieberg H, Kuhnert H, Sanders J, Schleenbecker R (2014) Status-quo Analyse ausgewählter Nachhaltigkeitsaspekte der Milcherzeugung in Niedersachsen. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 116 p, Thünen Working Paper 28, DOI:10.3220/WP_28_2014
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1761 KB