Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Annette Pontillo
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LandLessFood - 2100

Projekt

 (c) Thünen-Institut/Gerold Rahmann

LandLessFood - Herausforderung 2100

Es gibt berechtigte Zweifel, ob im Jahr 2100 13-17 Milliarden Menschen noch nachhaltig ernährt werden können. Steigende Nahrungsknappheit stellt besonders in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte (z.B. Meta-Städte) und weit verbreiteter Armut eine groe Herausforderung dar. Außerdem kommt es dort häufig zu Problemen in der Verfügbarkeit von Lebensmitteln: Aufgrund einer gering ausgeprägten Entwicklung der Agrar-Infrastruktur und fehlender Produktionskompetenz, aber auch degradierter Produktionsbedingungen und fehlender Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel. Eine reaktor-basierte Lebensmittelproduktion kann im Jahr 2100 und danach - zusammen mit allen anderen Land und Meer-gebundenen Aktivitäten - eine Option sein, die Grundversorgung aller Menschen mit sicheren und bezahlbaren Lebensmittel zu sichern.

Das Projekt will das Potenzial und Konzepte für eine reaktorbasierte Lebensmittelgrundversorgung erarbeiten.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Idee des Projektes LandLessFood wurde das erste Mal 2015 auf der Organic Expo in Korea erwähnt (Rahmann et al. 2015). 

Die Herausforderungen und Ziele eines nachhaltigen Lebensmittelversorgungssystems bis 2100

Die Probleme und Herausforderungen für die Sicherstellung einer globalen Grundversorgung mit Lebensmitteln sind erheblich. Stichpunktartig sind folgende Aspekte relevant:

  • Wachsende Weltbevölkerung: von 3 Milliarden Menschen im Jahr 1962, 7,5 Milliarden 2017, 9-11 Milliarden 2050 auf 11 bis 17 (+0,5 Kinder mehr pro Frau) Milliarden im Jahr 2100. Afrika südlich der Sahara wird die größten Zuwachsraten haben, sowie einige Länder Asiens (UN 2015).  
  • Obwohl heute auf der Erde genügend Lebensmittel für alle Menschen produziert werden gibt es weiterhin 800 Millionen Hungernde und 2 Milliarden Menschen sind mangelernährt (zusammen rund 30% der Weltbevölkerung). Auf der anderen Seite sind 30% der Weltbevölkerung übergewichtig, 30-50% der produzierten Lebensmittel werden nicht konsumiert (Verluste entlang der Wertschöpfungsketten) und 30% der Ernte aus dem Ackerbau an Tiere verfüttert.
  • Hunger und verlorene Zukunftsperspektiven für die Lebenssicherung führen zu Migration. Heute sind fast 70 Millionen Menschen Migranten, es werden 100 Millionen in den nächsten Jahren erwartet, und 1 Milliarde sind für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts nicht unrealistisch. Menschen wandern in Städte und reiche Regionen (z.B. Europa, USA, Australien). Bereits heute leben mehr als 50% aller Menschen in Städten. Im Jahr 2100 werden es 60-70% sein.
  • Es werden gegenwärtig 5,5 Milliarden Hektar für die Lebensmittelproduktion verwendet, davon 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. Der Rest der Landfläche (insgesamt 11 Mrd. Hektar) sind Wüsten, Wälder, liegen unter Eis oder Berge und können/sollten agrarisch nicht genutzt werden. Durch Versiegelung, Kontamination, Desertifikation und Degradation gehen jedes Jahr rund 2,5% der vorhandenen Agrarfläche verloren. Im Jahr 2100 sind maximal 2 Mrd. ha ackerbaulich und 4 Mrd. ha als Grünland nutzbar.
  • Meere sind 2100 wohl leergefischt. Aquakultur nimmt in Gebieten mit sauberen und genügend Wasser zu.
  • Der Klimawandel wird die globale Agrarproduktion verändern.
  • Betriebsmittel für die Lebensmittelproduktion werden knapp: fossile Energie und Nährstoffe (v.a. Phosphor), sauberes Wasser, Biodiversität für resistente und leistungsfähige Sorten und Rassen und nicht zuletzt veränderte Kenntnisse und Können.
  • Veränderte Erwartungen und Verhaltensweisen der Konsumenten.  
  • Globalisierung und Ökonomie. Lebensmittel sind ein Wirtschaftsgut und wird nicht nach Bedarf sondern Markt verteilt.

Diese scheinbar weit in die Zukunft liegenden Herausforderungen erfordern aber schon jetzt das Erarbeiten von Lösungen. Folgende Aktivitäten sind dabei erkennbar und notwendig.

Fünf Aktivitäten bis 2050:

  • Besseres Verständnis über die wirklichen Ernährungsbedürfnisse.
  • Produktion von genügend, gesundem und bezahlbarem Essen für alle Menschen (Intensivierung).
  • Nachhaltige Lebensmittelketten erarbeiten, Schwund mindern.
  • Lebensmittelketten ökonomisch effizient und fair gestallten.
  • Ethische und soziale Standards für zukünftige Lebensmittelversorgungsstrukturen definieren.

Diese fünf Aktivitäten werden mehr oder weniger bereits angegangen, die Wissenschaft hilft bei der Transformation und Implementierung. Aber selbst dann, wenn alles gut umgesetzt wird, wird die Lebensmittelversorgung für 2100 nicht reichen (worst case senario: 17 Mrd. Menschen.

Nur wenig Forschung widmet sich den Herausforderungen für das Jahr 2100, besonders für arme und überbevölkerte Regionen.

Fünf Aktivitäten bis 2100:

  • Neue Lebensmittelquellen entdecken.
  • Weniger Nutztiere halten.
  • Bildung für nachhaltige Ernährung.
  • Lokale Nahrungsmittelversorgungssysteme aufbauen.
  • Landlose Lebensmittelsysteme unterstützend erarbeiten.

Aktivitäten 1-9 werden mehr oder weniger schon angegangen, auch mit der Forschung. Sie werden aber nur reichen, wenn Aktivität 10 hinzugezogen wird. Folgende Gesamtvision ist Grundlage für das Projekt:

  1. Nachhaltige Reaktor-basierte Produktion von Nahrungsmittel-Energie (z.B. Stärke), die extrahiert und eventuell als public good kostenfrei vergeben wird (Energie-Ziegel).
  2. Nachhaltige Produktion von wertgebenden Lebensmitteln auf frei werdenden Flächen.
  3. Kombination von Reaktor- und natürlich produzierten Lebensmitteln zu Vollwert-Lebens- oder Futtermittel.

Zielgruppe

Ideenschmieden für neue Ernährungssysteme.

Vorgehensweise

Die erste Projektperiode von 2,5 Jahren (2018-2020) wird in vier Phasen eingeteilt:

  • Phase 1 (3 Monate): Projektaufbau.
  • Phase 2 (6 months): Gesamtkonzept/-bewertung erstellen, Netzwerke aufbauen.
  • Phase 3 (12 months): Wissenschaftliche Bewertung des Konzeptes/Gutachtens.
  • Phase 4 (6 months): Verbreitung und Akquise für eine eventuelle weitere Projektperiode.

Unsere Forschungsfragen

Die Zielsetzungen für das Projekt sind:

  1. Die Bewertung von Bedingungen für eine nachhaltige, regenerative sowie grosstechnische Stärkeproduktion im Reaktor.
  2. Erarbeitung von Konzepten für hohe Lebensmittelsicherung und Bio-Sicherheit.
  3. Ethische und kulturelle Aspekte verstehen.
  4. Modellhaft machbare Infrastrukturen für Lebensmittelversorgung für ausgewählte Städte/Regionen bzw. Futterwerke in nutztierreichen Gebieten entwerfen. 

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

7.2018 - 12.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 0