Szenarien zur Optimierung des Klimaschutzbeitrags im Forst-und Holzsektor der EU bis 2030 (ClimWood2030)

Projekt

Klimaschutzvorteile der stofflichen Substitution durch Holzprodukte: Perspektiven bis 2030

Der Forst- und Holzsektor der Europäischen Union kann einen wesentlichen Beitrag beim Klimaschutz leisten. Wir zeigen mit Hilfe von Szenarien wie der Klimaschutzbeitrag erhöht werden kann und stellen den Bezug zur Politik her.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Europäische Union (EU) engagiert sich auf höchster Ebene für den Klimaschutz und hat sich zum Ziel gesetzt Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren und die Ressourcen effizienter zu nutzen. Auch der Forst- und Holzsektor in der EU kann dazu beitragen, Klimaschutzziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang besteht eine der Herausforderungen darin, die beste Kombination von Maßnahmen im Forst- und Holzsektor zu finden. Dabei gibt es Wechselwirkungen zwischen diesen Wirkweisen, die bislang nur sehr schwer zu vergleichen und quantifizieren waren.

Ziel des Projektes 'ClimWood2030' war es, mögliche Auswirkungen verschiedener Handlungsoptionen der Waldbewirtschaftung und Holznutzung zu geben, einen Beitrag zur Abmilderung des Klimawandels in der EU-28 zu leisten: in den Wälder in und außerhalb der EU, in Holzprodukten und durch die Substitution von Materialien und Energieträgern, die mit höheren Emissionen verbunden sind. Auf dieser Basis sollten entsprechende Handlungsempfehlungen für die Politik ausgearbeitet werden.

Vorgehensweise

Um die genannten Ziele und Forschungsfragen zu beantworten, wurden in diesem europäischen Verbundprojekt verschiedene Politikszenarien modellgestützt und unter Einbezug aller relevanten Akteure in Europa (Waldbesitzer, Forst- und Holzindustrie, Umweltverbände und Politik) untersucht. Die fünf untersuchten Szenarien sind ein 'ClimWood2030 Referenzszenario' (I), ein Szenario 'Erhöhung der Holzvorräte in den bestehenden Wäldern der EU' (II), 'Kaskadennutzung - Steigerung des Recyclings von Massivholzprodukten (III), ein Szenario 'Kaskadennutzung - Vermeidung der ersten Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung' (IV) und ein Szenario 'Starke Erhöhung der stofflichen Holznutzung' (V). Eine Beschreibung möglicher Politikinstrumente vervollständigt die Berechnung, welche möglichen Beiträge zum Klimaschutz von diesen Alternativszenarien zu erwarten sind. Der Politik können so verschiedene Handlungsoptionen aufgezeigt werden, wie sich die Klimaschutzleistung des europäischen Forst- und Holzsektors verbessern lässt.

Daten und Methoden

Für die Abschätzung der Treibhausgasbilanzen der Szenarien wurden etablierte Modelle der Projektpartner kombiniert. Mit dem Global Forest Model G4M (IIASA) werden das Wachstum der Wälder, die biogene Kohlenstoffspeicherwirkung sowie mögliche Holzerntemengen ermittelt. Das globale Gleichgewichtsmodell GLOBIOM (IIASA) bildet die Flächenkonkurrenz zwischen Landwirtschaft, Bioenergie und dem Forstsektor ab. Es erlaubt Aussagen darüber, wie Biomasse zum Beispiel in Holzhäusern oder für Energie zweckmäßig verwendbar ist. Mit Hilfe des Modells WoodCarbonMonitor (Thünen-Institut) berechnen wir die biogene Kohlenstoffspeichewirkung der stofflichen Holznutzung. Durch die Verknüfung dieser Daten mit normkonformen Ökobilanzinformationen zu den verschiedenen Verwendungen von Holz und den jeweiligen Konkurrenzprodukten aus anderen Rohstoffen, konnten die energetischen und stofflichen Substitutionspotentiale der Szenarien eines veränderten Holzeinsatzes in Europa abgeschätzt werden.

Unsere Forschungsfragen

Welche Auswirkungen haben die verschiedenen Politikstrategien auf die Kohlenstoffspeicher im Wald und in Holzprodukten innerhalb und außerhalb der EU?

Welche indirekten Effekte ergeben sich durch den verstärkten Einsatz von Holz auf Kosten von Waren, die mehr Energie für ihre Herstellung benötigen (Materialsubstitution)?

Welche indirekten Effekte entstehen durch eine veränderte Verwendung von Waldholz, Waldrestholz oder Altholz als Brennstoff (Energiesubstitution)? 

Ergebnisse

Die Analyse von ClimWood2030 hat gezeigt, wie komplex die Dynamik der Treibhausgasbilanzen des Forst- und Holzsektors ist und welch unerwarteten Konsequenzen mit poltitischen Handlungsoptionen manchmal verbunden ist. Es hat sich auch gezeigt, dass Maßnahmen in einem Teil des Forst-Holzssektors der EU Konsequenzen in anderen Teilen dieses Sektors sowohl in der EU als auch in anderen Teilen der Welt haben. Die wichtigste Empfehlung sollte daher sein, die komplexen Folgen politischer Entscheidungen, sowohl kurz- und langfristig als auch für alle Akteure und alle Kohlenstoffströme und -speicher sowie für alle Aspekte einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung einschließlich der biologischen Vielfalt, der Beschäftigung und der Existenzgrundlagen sorgfältig zu prüfen.

Thünen-Ansprechpartner


Geldgeber

  • Europäische Union (EU)
    (international, öffentlich)