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Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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Armut und soziale Teilhabe in ländlichen Räumen

Projekt

Saniert und unsaniert (c) ArTo / Fotolia
Saniertes und unsaniertes Haus im ländlichen Raum (© ArTo / Fotolia)

Auch in einem reichen Land wie Deutschland gibt es Armut. Diese Armut hat viele Gesichter, und arm zu sein auf dem Land bedeutet etwas anderes als arm zu sein in einer Großstadt. Armut in ländlichen Räumen ist sehr wahrscheinlich verdeckter als in der Stadt und möglicherweise in ihren Auswirkungen belastender für die Betroffenen. In diesem Projekt werden die unterschiedlichen "Gesichter der Armut" in ländlichen Räumen untersucht.

Hintergrund und Zielsetzung

Aus vorliegenden Fallstudien lässt sich eine Reihe von begründeten Annahmen oder Vermutungen darüber ableiten, dass Armut in ländlichen Räumen einige Besonderheiten gegenüber der Armut in Großstädten aufweist. Armut in ländlichen Räumen ist demnach: 

  • sehr wahrscheinlich verdeckter als in der Stadt und könnte in den offiziellen Statistiken unterrepräsentiert sein („Dunkelziffer der Armut“);
  • durch das Phänomen der „Mobilitätsarmut“ in besonderer, nur in ländlichen Räumen anzutreffender Weise verschärft: Menschen in ländlichen Räumen sind für viele Praktiken und Tätigkeiten des alltäglichen Lebens auf ein Auto angewiesen;
  • insbesondere in Ostdeutschland durch Schrumpfungsprozesse geprägt, in deren Folge Teile der Infrastruktur (Nahversorgung, soziale und behördliche Infrastruktur, ÖPNV etc.) ausgedünnt wurden;
  • durch selektive Abwanderung von jüngeren, gut ausgebildeten Menschen verschärft;
  • entgegen der landläufigen Vorstellung, dass in kleineren (Dorf-)Gemeinden der soziale Zusammenhalt stärker ist und ein besseres Verständnis für individuelle Notlagen vorherrscht, in ihrer Wirkung möglicherweise besonders stigmatisierend für die Betroffenen, da die persönliche Lebenssituation in kleineren Gemeinden eher zum Gesprächsthema wird.

Diese Annahmen sollen in dem Projekt überprüft werden. Insbesondere wird analysiert, wie sich die sozialen, ökonomischen und infrastrukturellen Gegebenheiten in ländlichen Räumen auf unterschiedliche Formen von Armut und deren Bewältigung auswirken. Beeinflussen sie die soziale Teilhabe der Menschen in ländlichen Räumen und das Gefühl des „Abgehängtseins“?

 

Vorgehensweise

Mulitmethodischer Ansatz, Kombination von qualitativen und quantitativen Forschungsverfahren

Unsere Forschungsfragen

In dem Projekt werden das Ausmaß und die unterschiedlichen Formen von Armut in ländlichen Räumen untersucht. Konkret wird danach gefragt:

(1) Wie groß ist das Ausmaß von Armut in unterschiedlichen ländlichen Räumen in Deutschland?

(2) Welche unterschiedlichen Dimensionen von Armut lassen sich finden?

(3) Wie bewältigen von Armut betroffene Personen in ländlichen Räumen die vielfältigen Folgen von Armut?

Vorläufige Ergebnisse

Eine Pilotstudie zu Armut in ländlichen und städtischen Regionen von Mecklenburg-Vorpommern hat ergeben, dass ein wichtiger Unterschied zwischen den Befragten in der Hansestadt Rostock und denen im ländlichen Raum (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) die Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld und der vorhandenen Infrastruktur ist. In der Stadt sind die Befragten im Großen und Ganzen mit dem verfügbaren Angebot von Ärztehäusern, Familienhelfern, gesetzlichen Betreuern, Stadtteilzentren, Maßnahmen der Jobcenter, Selbsthilfegruppen, Supermärkten, kleinen Einkaufszentren u.v.m. sehr zufrieden. Für die Befragten im ländlichen Raum hingegen ist Mobilität und fehlende Infrastruktur in naher oder gar fußläufiger Entfernung eines der größten Probleme. Ohne Auto sitzt man dort buchstäblich fest. Reparatur- und sonstige laufende Kosten für das notwendige Auto sind ein erheblicher zusätzlicher Kostenfaktor für die von Armut betroffenen Menschen im ländlichen Raum gegenüber denen in der Stadt.

Links und Downloads

www.bmel.de/DE/Laendliche-Raeume/InformationsportalZukunftLand/ForschungPublikationen/AlltagSoziales/_texte/AWO-Studie-Armut.html

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Universität Rostock
    (Rostock, Deutschland)

Zeitraum

10.2016 - 9.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

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  1. Knabe A, Brandt S, Fischer H, Böhnke P, Klärner A (2018) Anerkennungsdefizite im Kontext von Prekarität und Erwerbslosigkeit aus Perspektive der Netzwerkforschung. In: Bereswill M, Burmeister C, Equit C (eds) Bewältigung von Nicht-Anerkennung : Modi von Ausgrenzung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Weinheim: Juventa, pp 186-209
  2. Knabe A, Fischer H, Klärner A (2018) Armut als relationales Konstrukt: Die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheiten durch Stigmatisierung und Kontrollversuche in sozialen Netzwerken. In: Behrmann L, Eckert F, Gefken A, Berger PA (eds) 'Doing Inequality' : Prozesse sozialer Ungleichheit im Blick qualitativer Sozialforschung. Wiesbaden: Springer VS, pp 167-190, DOI:10.1007/978-3-658-07420-3_8
  3. Klärner A (2018) Armut auf dem Land ist anders. LandInForm(3):14-16
  4. Knabe A, Aretz B, Biemann M, Braack MK, Hanauer D, Kundler L, Samula P, Schwichtenberg N, Klärner A (2018) Die alltägliche Bewältigung von Armut - Individuelle Handlungsstrategien unter der Bedingung materieller Knappheit in städtischen und ländlichen Räumen Mecklenburg-Vorpommerns. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 56 p, Thünen Working Paper 109, DOI:10.3220/WP1541166325000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 827 KB
  5. Keim S, Klärner A, Knabe A, Berger PA (2018) Soziale Folgen von Bildungsarmut. In: Quenzel G, Hurrelmann K (eds) Handbuch Bildungsarmut. 1. Aufl. Wiesbaden: Springer Fachmedien, pp 585-602, DOI:10.1007/978-3-658-19573-1_23

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