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Dynamik der Nahversorgung in ländlichen Räumen

Projekt

Geschlossener Dorfladen (c) Thünen-Institut/Winfried Eberhardt
Geschlossener Dorfladen (© Thünen-Institut/Winfried Eberhardt)

Dynamik der Nahversorgung in ländlichen Räumen

Für etwa zwei Drittel der ländlichen Bevölkerung fehlen Nahversorgungsmöglichkeiten in fußläufiger Entfernung. Zahlreiche politische Initiativen versuchen, die Nahversorgung in ländlichen Räumen zu sichern. Mit unserem Projekt möchten wir neuere Ternds in der Nahversorgung untersuchen und damit Empfehlungen ableiten, um die Strategien zur Sicherung der Nahversorgung weiterzuentwickeln.

Hintergrund und Zielsetzung

Gerade in ländlichen Räumen können viele Menschen Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs (Nahversorgung) nicht fußläufig erreichen. So ergab eine Erreichbarkeitsanalyse mit Daten aus dem Jahr 2013, dass zwei Drittel der Bewohner ländlicher Räume weiter als 1.000 m vom nächsten Lebensmittelgeschäft entfernt wohnen (Neumeier 2014). Das bedeutet nach der gängigen Definition von Nahversorgung, dass diese Versorgung für diese Menschen nicht gesichert ist. Von 1990 bis 2010 hat sich die Zahl der Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel in etwa halbiert (Eberhardt, Pollermann, Küpper 2014). Insbesondere die kleinen Geschäfte bis 400 m² Verkaufsfläche, die für die Nahversorgung von ländlichen Orten von besonderer Bedeutung sind, sind vielfach vom Markt verschwunden. Gleichzeitig entstanden großformatige Supermärkte und Discounter sowie in jüngster Zeit neue Vertriebswege über den Online-Handel und Lieferservices. In den letzten Jahren hat sich der Strukturwandel durch die weitere Aufgabe von kleinflächigen Läden und im Lebensmittelhandwerk zudem intensiviert.

Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich vielfältige politische Initiativen und Förderprogramme mit der Sicherung der Nahversorgung: Länderprogramme  wie M.Punkt und MarktTreff; Basisdienstleistungen, Dorfentwicklung (M7) sowie LEADER (M19) aus dem ELER; Modell- und Demonstrationsvorhaben "Regionalität und Mehrfunktionshäuser" des BMEL. Seit kurzem ist die Nahversorgung außerdem im Rahmen der Maßnahme Kleinstunternehmen der Grundversorgung über die GAK förderfähig. Angesichts dieser hohen politischen Relevanz des Themas überrascht es, dass die Nahversorgung in der Forschung sowohl zu ländlichen Räumen als auch zum Einzelhandel in Deutschland ein Schattendasein fristet. Vorhandene Untersuchungen sind meist einige Jahre alt und beschäftigen sich daher nicht mit den aktuellen Trends. Viele Studien konzentrieren sich angesichts der Komplexität des Themas auf Teilaspekten  wie die Angebotsstrukturen im stationären Handel, raumordnerische und bauleitplanerische Fragen sowie auf räumlich begrenzte Fallstudien. Zudem handelt es sich dabei in der Regel um Untersuchungen zu einem Zeitpunkt, wobei längerfristige Entwicklungen und Veränderungen von Angebotsstrukturen und Verbrauchsmustern weitestgehend aus der Betrachtung herausfallen. Angesichts dieses Forschungsstandes besteht ein umfangreicher Bedarf zur Untersuchung aktueller Entwicklungen inklusiver neuer technischer Entwicklungen und neuer Vertriebswege, dem Einfluss von Angebotsänderungen auf die Zufriedenheit der Nachfrager und das tatsächliche Einkaufsverhalten sowie dem Potential von Förderinstrumenten neben den vielfach untersuchten Planungsinstrumenten für eine verbesserte Versorgungssituation.

Vorgehensweise

In diesem Projekt sollen die jüngeren Entwicklungen der Angebotsstrukturen und Verbrauchsmuster vor dem Hintergrund neuerer technischer Entwicklungen, Angebotsformen und politischer Steuerungsversuche untersucht werden. Ziel ist es, Angebotsveränderungen in ländlichen Räumen zu beobachten und zu erklären sowie die Strategien von Anbietern und den politisch-administrativ Verantwortlichen zu ermitteln. Zudem soll die Frage geklärt werde, wie sich Angebotsänderungen auf die Bewertung der Versorgungssituation durch die Verbraucher auswirken und welche Bewältigungsstrategien sie nutzen, um z. B. auf die Schließung eines Dorfladens zu reagieren, bzw. welche Verbrauchsmuster sich herausbilden, wenn z. B. neue Läden eröffnen oder Online-Bestellungen ermöglicht werden.

Die Forschungsziele sollen durch die Kombination quantitativer und qualitativer Methoden erreicht werden. So sind neben sekundärstatistischen Analysen leitfadengestützte Interviews im Rahmen von Expertenbefragungen und qualitativen Fallstudien, standardisierte Telefoninterviews mit Ladenbetreibern, quantitative Fallstudien mit Haushaltsbefragungen sowie Gruppeninterviews geplant. Im Ergebnis sollen Anbietern, Kommunen und förderpolitisch Verantwortlichen Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Nahversorgung gegeben werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Weiterentwicklung der Politik zur Entwicklung ländlicher Räume.

Unsere Forschungsfragen

Vor dem Hintergrund des identifizierten Forschungsbedarfs soll das beantragte Projekt vordringlich Antworten auf die folgenden leitenden Fragen finden:

  • Wie hat sich die Angebotssituation in den letzten Jahren verändert? Welche Rolle spielen dabei mobile Angebote und die Digitalisierung im Einzelhandel? Welche Unterschiede bestehen zwischen ländlichen und nicht-ländlichen Räumen sowie verschiedenen Typen ländlicher Räume?
  • Welche Ursachen für Angebotsänderungen lassen sich identifizieren? Welche Rolle kann öffentliche Förderung dabei einnehmen, um Angebote aufrechtzuerhalten oder neue zu schaffen? Wie hat sich der Förderrahmen in den letzten Jahren verändert und wie beeinflussen neue Fördermöglichkeiten die Angebote?
  • Inwiefern verändern Angebotsverbesserungen und -verschlechterungen das Nutzungsverhalten der Verbraucher und deren Zufriedenheit mit der Versorgungssituation?
  • Wie müssen Angebote konzipiert und ggf. gefördert werden, um dem Versorgungsbedarf und den sozialen Zielen der lokal ansässigen und hinzuziehenden Bevölkerung möglichst gut zu entsprechen?

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

9.2017 - 12.2020

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2817LE018
Förderprogramm: Bundesprogramm Ländliche Entwicklung
Projektstatus: läuft

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 0