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Untersuchungen zur Populationsstruktur von Dorsch und Scholle in der Ostsee

Projekt

 (c) A. Schütz

Bestandstrennung des Dorsches und Bestandsstruktur der Scholle in der Ostsee

In der Ostsee werden bislang nur die Bestände von zwei demersalen Fischarten - Dorsch und Scholle - über Fangquoten reguliert. Die Fangquoten bestimmen die Nutzungsintensität einzelner Fischbestände. Ziel ist ein maximaler Dauerertrag aus einem Bestand. Bei unklarer Bestandszuordnung besteht die Gefahr der Unter- oder Übernutzung.

Hintergrund und Zielsetzung

Für ein nachhaltiges Management von Fischbeständen ist es wichtig, die Populationsstruktur einer Art zu kennen. Hinsichtlich des Dorsches werden in der Ostsee bislang zwei Bestände unterschieden: der Bestand der westlichen Ostsee (ICES Subdivision 22-24) und der Bestand der östlichen Ostsee (SD25-32), die sich in der Arkonasee (SD 24) nachweislich stark vermischen. Dies wurde im jüngsten ICES-Benchmark für die beiden Dorschbestände zwar berücksichtigt, dennoch bestehen weiterhin Unsicherheiten, die für eine bessere Bestandsvorhersage behoben werden müssen.

Um die Bestandsgröße möglichst genau abschätzen zu können, müssen die Dorsche im Vermischungsgebiet ihrem jeweiligen Bestand sicher zugeordnet werden. Dies ist insbesondere für den jeweils kleineren Bestand - derzeit der Dorschbestand der westlichen Ostsee - von großer Bedeutung, da übermäßige Fänge von Dorschen der östlichen Ostsee die Wahrnehmung des Bestandszustandes der Dorsche der westlichen Ostsee verzerren können. Deshalb sollen zuverlässige Methoden zur routinemäßigen Trennung der beiden Bestände entwickelt werden.

Zusätzlich soll ein Überblick über die historische Nutzung der Arkonasee (ab 1977) durch die beiden Dorschbestände gewonnen werden. Bisher reichen die Daten zur Vermischung nur zurück bis ins Jahr 1994. Allerdings existieren nur für 8 der 22 Jahre (1994 -2015) echte Messwerte; die Werte der verbleibenden 14 Jahre basieren ausschließlich auf Interpolationen. Für die Zeit vor 1994 gibt es keine Daten, obwohl gerade für die 1980er Jahre das Maximum der Dorschanlandungen dokumentiert ist. Die Periode ist daher für die Bestimmung von Referenzpunkten der Bestände von besonderem Interesse.

Bei der Scholle handelt es sich um eine andere Problematik: Im ICES-Benchmark zur Situation der Ostseescholle (ICES 2015 WKPLE) wurde festgestellt, dass „die Bestände der Scholle in der westlichen (SD21-23) und in der östlichen Ostsee (SD24-32) nur unzureichend definiert sind, und verfügbare Studien kein eindeutiges Bild zeigen.“ Die Bestandsstruktur der Scholle in der Ostsee zu ermitteln, ist jedoch für ein angemessenes Bestandsmanagement zwingend notwendig. Im Moment wird lediglich eine altersbasierte Einschätzung für einen Bestand (nämlich den in SD21-23) durchgeführt, wohingegen der Zustand des anderen Bestands nur basierend auf Daten zu relativen Häufigkeiten aus der Forschungsfischerei ermittelt wird. Beide Bestände zeigen ähnliche Entwicklungen, aber es ist damit zu rechnen, dass sich die Datengrundlage für den östlichen Bestand in der Zukunft qualitativ kaum verbessern wird. Tatsächlich ist es sogar so, dass die Nullhypothese, die besagt, dass es nur einen Bestand in der Ostsee gibt, bis heute nicht vollständig zurückgewiesen werden konnte. Sogar die genetischen Analysen, die während des Benchmarks präsentiert wurden, hatten größere Schwachstellen: so fehlten Daten aus dem zentralen Verbreitungsgebiet der Scholle in der Ostsee (SD22) und bis dahin verfügbare Proben waren nicht gleichmäßig über die Ostsee verteilt.

Deshalb soll hier die Bestandsstruktur der Ostseescholle analysiert und die Nullhypothese - "es gibt nur einen Bestand" - geprüft werden.

Zielgruppe

EU, ICES, HELCOM, Fischerei

Vorgehensweise

Dorsche aus wissenschaftlichen und kommerziellen Fängen aus dem Vermischungsgebiet (Arkonasee) werden mit Hilfe genetischer Marker (sog. SNPs, single nucleotide polymorphisms) ihrem Herkunftsbestand zugeordnet. Die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen werden mit weiteren Methoden zur Bestandstrennung (z.B. Analyse von Ringstrukturen in den Otolithen der Fische, stabile Isotopenanalysen) verglichen und validiert. Die Kombination verschiedener Verfahren erlaubt es, aktuelle und historische Mischungsverhältnisse von westlichem und östlichem Dorsch in der Arkonasee zu quantifizieren. Den SNP-Ansatz wenden wir ebenfalls an, um die Populationsstruktur der Scholle in der Ostsee zu analysieren.

Die Durchführung molekularbiologischer Arbeiten findet in enger Zusammenarbeit mit der Universität Oslo und dem GEOMAR in Kiel statt. Des Weiteren nutzen wir die Infrastruktur des Thünen-Instituts für Forstgenetik.