Federführendes Institut
Themenfelder

Wo geht welcher Fisch ins Netz?

Projekt

Analyse fischereilicher Daten in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern der Ostsee

Die Fischerei vor den Küsten Schleswig-Holsteins ist wichtig und ergiebig, aber sie muss sowohl den Artenschutz – etwa von Schweinswalen und Seevögeln – als auch den von Lebensräumen wie Riffen und Sandbänken beachten.

Um das Konfliktpotential zwischen Nutzen und Schutz abschätzen zu können, haben wir die kleinräumige Verteilung von Aufwand und Erträgen der Fischerei untersucht.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) des Landes Schleswig-Holstein beauftragte Ende 2012 das Thünen-Institut für Ostseefischerei zu analysieren, wie sich Aufwand und Erträge der Fischerei in schleswig-holsteinischen Küstengewässern für die Jahre 2010-2012 räumlich verteilen. Mit Hilfe dieser Analyse möchte das MELUR das Konfliktpotential zwischen der Fischerei und gemäß FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützten Arten (Schweinswale, Seevögel) und Habitaten (Riffe, Sandbänke) in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern beurteilen.

Vorgehensweise

Wir haben alle verfügbaren Aufwands- und Fangdaten der Jahre 2010, 2011 und 2012 für die verschiedenen Fangmethoden ermittelt und soweit möglich verifiziert.

Die Daten analysierten wir unter drei Aspekten:

  1. Wie verteilt sich der Fischereiaufwand räumlich in schleswig-holsteinischen Küstengewässern? Wie werden die verschiedenen Fanggeräte zeitlich eingesetzt, in welchen Monaten werden sie überhaupt genutzt – und in welcher Intensität?
    Um auf diesen Fragenkomplex zu antworten, haben wir die zur Verfügung stehenden Daten auf der jeweils verfügbaren kleinstmöglichen räumlichen Skala zusammengeführt und graphisch aufbereitet. Für Fahrzeuge mit einer Länge von mehr als 15 Metern, die überwiegend Bodenschleppnetzfischerei betreiben, konnten wir Logbuchdaten mit denen aus Satelliten-gestütztem Monitoringsystem (VMS) verschneiden. So erhielten wir räumlich höher aufgelöste Daten (3x3 Seemeilen). Dagegen müssen Fahrzeuge unter 15 Meter Länge in den Logbüchern bzw. Anlandeerklärungen nur die deutlich gröber auflösenden sogenannten ICES-Rechtecke eintragen (30x30 Seemeilen). Zu dieser zweiten Gruppe gehören alle Stellnetzfahrzeuge.
  2. Welche Mengen an Fisch werden - differenziert nach Arten, Monaten und Fischereimethode - angelandet?
    Für diese Analysen werteten wir die Anlandeerklärungen aller Fahrzeuge aus und stellten – getrennt nach Fanggerätegruppe und Hauptfangarten – die Anlandegewichte pro Quartal bzw. Monat dar.
  3. Wie viele Fahrzeuge waren in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern aktiv? Die Auswertung erfolgte getrennt für drei Längengruppen der Fahrzeuge:
    • Kleiner 8 Meter, d.h. ohne Logbuchpflicht.
    • Länge zwischen 8 und 15 Meter, d.h. ohne VMS-Pflicht.
    • Länge größer als 15 Meter, d.h. es liegen VMS-Daten vor.

Ergebnisse

Die Fischerei in schleswig-holsteinischen Gewässern lässt sich grob in jene mit aktiven und solche mit passiven Geräten unterteilen. Zu den aktiven Geräten zählen alle Netze, die vom Fischereifahrzeug durch das Wasser oder am Meeresboden geschleppt werden. Dagegen bringt die Fischerei mit passiven Geräten Netze, Reusen oder Langleinen im Meer aus und holt sie nach einer Wartezeit von wenigen Stunden bis 1-2 Tagen wieder ein.

Für die aktive Fischerei mit Fahrzeugen von mindestens 15 Meter Länge waren Satelliten-gestützte Fahrzeugdaten (sogenannte VMS-Daten) verfügbar. Wir konnten sie mit Logbuchdaten kombinieren und so die Nutzungsmuster dieser größeren Fahrzeuge mit relativ hoher räumlicher (3x3 Seemeilen) und zeitlicher (2 Stunden-Intervalle) Auflösung analysieren. Das Verschneiden von VMS- mit Logbuchdaten erlaubte brauchbare Aussagen zur raum-zeitlichen Dynamik der Aufwandsverteilung in der Schleppnetzfischerei mit Fahrzeugen von 15 Meter Länge und mehr.

Obwohl die passive Fischerei viel kleinräumiger agiert als die aktive Fischerei, waren räumliche Analysen für die passive Fischerei mit Fahrzeugen zwischen 8 und 15 Meter Länge aufgrund fehlender VMS-Daten nur auf ICES-Rechteck-Niveau möglich (30x30 Seemeilen Auflösung). Für Fischereifahrzeuge von weniger als 8 Meter Länge, die überwiegend im Nebenerwerb ausschließlich passive Fischerei betreiben, besteht keine Logbuchpflicht, sondern es müssen nur einmal pro Monat Anlandeerklärungen abgegeben werden. In diesen Anlandeerklärungen wird das Fanggebiet ebenfalls nur durch ICES-Rechtecke bezeichnet. Deshalb können für die passive Fischerei keine wissenschaftlich fundierten Aussagen zu kleinräumigen Nutzungsmustern gemacht werden, die jedoch für die Entwicklung effektiver Managementmaßnahmen im Bereich Habitatschutz und Beifangvermeidung dringend erforderlich wären.                           

Die Ergebnisse wurden in einem Bericht an das MELUR übergeben.:

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

12.2012 - 6.2013

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Dorrien C von, Krumme U, Grieger C, Miethe T, Stötera S (2013) Analye fischereilicher Daten in den schleswig-holsteinischen Küstengewässern der Ostsee. Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 72 p
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