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Begleitforschung Modellvorhaben chance.natur

Projekt

Modellregionen Modellvorhaben chance.natur  (c) Thünen-Institut/Stefan Neumeier. Verwaltungsgrenzen: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2012)
Modellregionen Modellvorhaben chance.natur (© Thünen-Institut/Stefan Neumeier. Verwaltungsgrenzen: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2012))

Das Modellvorhaben will Regionalentwicklung und Naturschutz miteinander verknüpfen. Welche Chancen bietet es, Naturschutz und ländliche Entwicklung miteinander zu verknüpfen? Welche Probleme ergeben sich daraus? Das will die Begleitforschung zum Modellvorhaben chance.natur feststellen.

Hintergrund und Zielsetzung

chance.natur ist ein gemeinsames Modellvorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). In den Modell-Regionen Nordvorpommersche Waldlandschaft (Mecklenburg-Vorpommern), Hohe Schrecke (Thüringen), Schwäbisches Donautal (Bayern) und Allgäuer Moorallianz (Bayern) werden dafür erstmals Mittel der Regionalentwicklung und des Naturschutzes gleichzeitig eingesetzt. Ziele des Modellvorhabens sind es,

  • Beispiele für Synergien zwischen Naturschutz und ländlicher Entwicklung für andere Regionen als "best-practice" aufzuzeigen,
  • regionale Wertschöpfungsketten zwischen Naturschutz und ländlicher Entwicklung zu etablieren,
  • Kenntnisse über Chancen und Herausforderungen der Integration von Naturschutz in die ländliche Entwicklung zu erhalten.

Die Begleitforschung untersucht, welche Vorteile oder Nachteile es hat, Naturschutz und ländliche Entwicklung miteinander zu verknüpfen.

Zielgruppe

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)

Vorgehensweise

Wir verwenden qualitative und quantitative Verfahren der empirischen Sozialforschung wie zum Beispiel Metaanalyse, Interview und Befragung. Unseren Analysen liegt das wissenschaftstheoretische Verständnis des „Konstruktivismus“ zugrunde.

Unsere Forschungsfragen

  1. Wie beeinflusst die Auswahl der Akteure und ihre Integration in Netzwerke und Strukturen den Erfolg der Projekte?
  2. Welchen Mehrwert bietet es, unterschiedliche Föderstränge miteinander zu verknüpfen?

Ergebnisse

Die Begleitforschung zeigt, dass es in allen Regionen, wie im Modellvorhaben gefordert, gelungen ist, das Vorhaben in die regionale Gesamtentwicklungsstrategie zu integrieren. Dadurch wurde die Entstehung voneinander unabhängiger Entwicklungsstrategiestränge vermieden. Dabei hat sich herausgestellt, dass ein Ansatz, wie er im Modellvorhaben erprobt wurde, die Regelförderung gut ergänzen kann. Der Grund dafür ist, dass er einerseits die Anschaffung technischer Geräte zulässt, wie z. B. Maschinen zur umweltverträglichen Streuebewirtschaftung oder Hangtraktoren zur Pflege von Streuobstflächen. Andererseits ermöglichte er die Realisierung von Verbundprojekten im Überschneidungsbereich von Naturschutz und Regionalentwicklung.

Trotz gemeinsamen Ansatzs folgte die Organisation und Abwicklung des Modellvorhabens jedoch nicht in einem integrierten Ansatz, sondern nach den jeweiligen etablierten Förderlogiken des Naturschutzes bzw. der ländlichen Entwicklung. Dies hat z. T. zu Abstimmungs- und Abgrenzungsproblemen sowie Überschneidungen mit der Regelförderung geführt, sodass aus Sicht der Begeleitforschung für die Zukunft die Vorgehensweise zu hinterfragen ist, etablierte Förderlogiken auch auf experimentielle Ansätze zu übertragen. Trotzdem zeigte sich, dass die Verbindung von Naturschutz mit Regionalentwicklung in allen Modellregionen überwiegend positive Synergieeffekte ausgelöst hat: allen voran Akzeptanzsteigerung für Naturschutz, Schaffung neuer Anknüpfungspunkte für die Regionalentwicklung durch Fokusierung auf Naturschutz, Stärkung und Forcierung der Zusammenarbeit von Akteuren aus Naturschutz, Regionalentwicklung, Tourismus etc. Dies deutet darauf hin, dass es, wie geplant, gelungen ist, Naturschutz und Regionalentwicklung so miteinander zu verknüpfen, dass sich Win-Win-Effekte ergeben. Ausschlaggebend dafür war u. a., dass in allen Modellregionen auf der Projektebene die angestrebte Politikintegration von Naturschutz und ländlicher Entwicklung geglückt ist – obwohl diesbezüglich auf den übergeordneten Ebenen Optimierungspotenziale identifiziert werden konnten.

Die durch das Modellvorhaben ausgelösten sozioökonomischen Effekte, das sind z. B. die Schaffung von Beschäftigungs-/Einkommensmöglichkeiten oder die Generierung von Wertschöpfung, bewegen sich im Rahmen dessen, was auch bislang in der ländlichen Entwicklungsförderung erreicht wird. Das bedeutet, in allen vier Modellregionen ist es in einem begrenzten Ausmaß gelungen, regionsinterne Kreisläufe und Wertschöpfungsketten zu verstärken, einen Grundstein für weitere Entwicklung zu legen sowie Einkommens- und Beschäftigungseffekte zu induzieren.

Aus Sicht der Begleitforschung lässt sich somit als abschließendes Fazit festhalten, dass der im Modellvorhaben chance.natur verfolgte Ansatz eine Erfolg versprechende Entwicklungsstrategie mit Optimierungspotenzial darstellt, der auch zukünftig unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Begleitforschung verfolgt werden sollte.

Thünen-Ansprechpartner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

9.2014 - 2.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 3

  1. Neumeier S (2018) "Modellvorhaben chance.natur" : Ergebnisse einer Begleitforschung zur Regionalentwicklung. Land Ber 21(2):45-64
  2. Neumeier S (2017) Modellvorhaben chance.natur - ein Resümee der Begleitforschung "Regionalentwicklung". Ländl Raum (ASG) 68(4):21-25
  3. Neumeier S (2017) Modellvorhaben chance.natur - Endbericht der Begleitforschung. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 368 p, Thünen Rep 51, DOI:10.3220/REP1505224575000
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