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Der Einfluss von Wanderverhalten und Habitatpräferenz auf die Fitness von Aalen

Projekt

Habitatselektion des Europäischen Aals

Der Europäische Aal gilt als katadomer Wanderfisch, der nach seiner Larvalwanderung von der Sargassosee quer über den Atlantik bis an die europäischen Küsten kommend, in Flüsse aufsteigt, um zu wachsen. Dieses einfache Verhaltensmuster wird aber immer mehr in Frage gestellt. Unerforscht sind nicht nur das Wanderverhalten und die Habitatwahl von Aalen während der kontinentalen Lebensphase, sondern auch deren Einfluss auf Wachstum und Gesundheit der Aale.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Projekt „Habitatselektion des Europäischen Aals“ sollte das Wanderverhalten und die Habitatpräferenz von Aalen rekonstruieren, um wichtige Erkenntnisse über die noch weitgehend unbekannte Lebensweise dieser Fischart zu erlangen und den Einfluss abiotischer Umweltfaktoren auf den Gesundheitszustand und die Laicherqualität zu ermitteln. Mit Hilfe von mikrochemischen Analysen der Elementzusammensetzung der Gehörsteine (Otolithen) von Aalen sollte die Lebensgeschichte einzelner Aale in Hinblick auf ihr Wanderverhalten rekonstruiert und in Beziehung mit verschiedenen Fitness-Parametern gesetzt werden.

Vorgehensweise

Wir haben die Spurenelementzusammensetzung von Aal-Otolithen aus unterschiedlichen Habitaten mittels eines LA-ICP-Massenspektrometers und einer Elektronenmikrosonde untersucht. Anhand der Einlagerung bestimmter Elemente ließ sich das Wanderverhalten der Aale zwischen Gewässern unterschiedlicher Salzgehalte rekonstruieren. Die Laicherqualität der Aale haben wir auf Grundlage von Fettgehaltsbestimmungen und umfassenden parasitologischen und virologischen Untersuchungen bestimmt. Informationen über unterschiedliche Migrationsmuster und damit individuelle Habitatpräferenzen haben wir mit Laicherqualitäts-Kriterien korreliert.

Ergebnisse

Die Analyse von Elementprofilen von 321 Aalen aus verschiedenen Gewässertypen ergab, dass diese Fische sich beim Wandern mit einer in dieser Form für Europäische Aale noch nie gezeigten Komplexität verhalten. Aale haben individuelle Migrationsmuster und wechseln zum Teil mehrfach zwischen Süß- und Salzwasserhabitaten, lange bevor sie sich auf die Rückwanderung in ihr Laichgebiet in der Sargassosee begeben.

Als wichtigen Indikator für ihren Gesundheitszustand haben wir die Parasitenbelastung der Aale untersucht. Von den insgesamt 35 nachgewiesenen Parasitenarten müssen aufgrund ihrer hohen Befallsintensitäten und potenziellen Pathogenität vor allem der Schwimmblasenwurm Anguillicola crassus und die Kiemenparasiten der Gattung Pseudodactylogyrus als potentiell gesundheitsschädlich eingestuft werden.

Hinsichtlich der Belastung mit aalspezifischen Viren konnten wir in norddeutschen Gewässern ein nur vereinzeltes, disjunktes Auftreten von Herpesvirus anguillae (HVA) und auch Eel Virus European-X (EVEX) nachweisen.

Ferner zeigten die Untersuchungen, dass Aale, die zeitlebens in Küstengewässern leben, eine höhere Laicherqualität aufweisen als Individuen, die ausschließlich Binnengewässer besiedeln. Dieses ist besonders für die aktuelle Besatzpolitik von großer Bedeutung – sie sieht gewöhnlich den Besatz von Binnengewässern vor.

Links und Downloads

Projektbericht: download.ble.de/04HS065.pdf

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

10.2005 - 2.2009

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 04HS065
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Marohn L, Jakob E, Hanel R (2013) Implications of facultative catadromy in Anguilla anguilla : does individual migratory behaviour influence eel spawner quality? J Sea Res 77:100-106, DOI:10.1016/j.seares.2012.10.006
  2. Marohn L, Hilge V, Zumholz K, Klügel A, Anders H, Hanel R (2011) Temperature dependency of element incorporation into European eel (Anguilla anguilla) otoliths. Anal Bioanal Chem 399(6):2175-2184, DOI:10.1007/s00216-010-4412-2
  3. Marohn L, Prigge E, Zumholz K, Klügel A, Anders H, Hanel R (2009) Dietary effects on multi-element composition of European eel (Anguilla anguilla) otoliths. Mar Biol 156(5):927-933, DOI:10.1007/s00227-009-1138-9
  4. Jakob E, Neuhaus H, Steinhagen D, Luckhardt B, Hanel R (2009) Monitoring of Herpesvirus anguillae (HVA) infections in European eel, Anguilla anguilla (L.), in northern Germany. J Fish Dis 32(6):557-561, DOI:10.1111/j.1365-2761.2009.01009.x
  5. Jakob E, Hanel R, Klimpel S, Zumholz K (2009) Salinity dependence of parasite infestation in the European eel Anguilla anguilla in northern Germany. ICES J Mar Sci 66(2):358-366, DOI:10.1093/icesjms/fsn160