Evaluierung von Holztürmen im Außenbereich

Projekt

Evaluierung von frei bewitterten, tragenden Holzbauteilen ohne Erdkontakt, die mit Holzschutzmitteln behandelt wurden

Viele hölzerne Aussichtstürme müssen nach nur wenigen Jahren aufwendig saniert werden, weil sie einen erheblichen Pilzbefall aufweisen. In dem Projekt untersucht das Thünen-Institut deshalb an verschiedenen Objekten, ob die aktuellen Regelungen für den Bau von Holzkonstruktionen im Außenbereich ausreichend sind oder ob die Vorgaben nicht hinreichend berücksichtigt werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, ob einfache bauliche Schutzmaßnahmen die Nutzungsdauer von Holzkonstruktionen im Außenbereich erhöhen. Ferner sollen aus den Untersuchungsergebnissen praktische Hinweise darüber abgeleitet werden können, ob die Anforderungen der Holzschutz-Normreihe DIN 68800 ausreichend sind.

Vorgehensweise

Bei der Erfassung von Außenkonstruktionen aus Holz wurde das Augenmerk auf Aussichts- und Naturbeobachtungstürme gerichtet. Derartige Konstruktionen werden in der Regel frei zugänglich oder in abgeschlossenen Freizeitanlagen an exponierter Stelle errichtet und unmittelbar vor Ort nicht durch Aufsichts- oder Überwachungspersonal betreut.

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Daten und Methoden

Zu Beginn der Projektbearbeitung wurden zunächst Türme erfasst, die dem Auftrag im engeren Sinne entsprachen (direkt bewittert und chemisch geschützt). Die Türme sollten mindestens zehn Jahre alt sein, weil erfahrungsgemäß deutliche äußerliche Anzeichen für Schäden im Holz, wie z. B. Pilzfruchtkörper oder Oberflächenmyzel, bei Hölzern in der Regel erst nach dieser Zeit sichtbar werden.
Während an anderen Holztürmen nur stichprobenartig einzelne Holzproben entnommen werden konnten, standen vom Riesenbühlturm vier imprägnierte Riegel aus Douglasien-rundhölzern mit einer Länge von ca. 7 m für eingehende Untersuchungen zur Verfügung.

Unsere Forschungsfragen

Reichen bauliche Massnahmen nach DIN 68800-2 aus, um eine hinreichend lange Nutzungsdauer frei bewitterter Holzbauwerke zu gewährleisten?

Bieten die neuen Eindringtiefenanforderungen einen hinreichenden Schutz?

Ergebnisse

In der Holzschutz-Normreihe DIN 68800 ist geregelt, wie Holzbauteile vor Schädigung durch Holz zerstörende Pilze oder Insekten zu schützen sind. Darin wird grundsätzlich ein vorbeugender baulicher Schutz gefordert und – bei Bedarf  – ein Schutz mit Holzschutzmitteln. Im Forschungsvorhaben wurde untersucht, ob die normativen Vorgaben bei baulich nicht geschützten Objekten umgesetzt wurden bzw. umgesetzt werden konnten und ob die aktuelle Regelungen für diese Bauteile ausreichen. Dazu wurden verschiedene Objekte, im Wesentlichen 66 Holztürme, besichtigt und dazu gehörende Unterlagen der Betreiber ausgewertet.  Generell lässt sich feststellen, dass trotz des überwiegenden Einsatzes von mäßig dauerhaften Holzarten die direkt bewitterten tragenden Holzbauteile entgegen der normativen Forderung nur bei etwa der Hälfte der untersuchten Objekte mit Holzschutzmitteln behandelt wurden. Allerdings konnten die durchgeführten chemischen Holzschutzmaßnahmen das Auftreten Pilz induzierter Schäden nur über eine kurze Zeit verhindern, da durch nachträglich auftretende Trockenrisse oftmals ungeschützte Zonen freigelegt und so nicht nur das Eindringen von Wasser, sondern vor allem auch das Keimen von Pilzsporen und infolgedessen der Befall durch Holz zerstörende Pilze ermöglicht wurde. Sofern oberseitige Abdeckungen von waagerechten oder geneigten Bauteile unzureichend ausgeführt wurden, konnte das Eindringen von Feuchte in das Holz nicht verhindert werden. An einigen neueren Bauteilen mit oberseitiger, überstehender Abdeckung wurden bisher keine Schäden festgestellt. Allerdings ist die Nutzungsdauer der betroffenen Türme bisher relativ kurz, so dass über die Effektivität dieser baulichen Maßnahme noch keine abschließende Bewertung vorgenommen werden kann.  Aus den Untersuchungen lässt sich ableiten, dass ein langanhaltender Schutz von Holzbauteilen vor Holz zerstörenden Pilzen durch einen umfassenden baulichen Schutz möglich ist, wie er gemäß DIN 68800-2:2012-02 für Hochbauten grundsätzlich gefordert wird. Der Abschlussbericht (ISBN 978-3-8167-9551-3) wurde vom IRB Verlag veröffentlicht.

Thünen-Ansprechpartner