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Pulsbaumkurre in der Krabbenfischerei. Neue Technik für Krabbenfischer - was bringt sie?

Projekt

Pulsbaumkurre (c) Thuenen-Institut / Daniel Stepputtis
Pulsbaumkurre (© Thuenen-Institut / Daniel Stepputtis)

Ökologische und ökonomische Untersuchungen zum Nutzen einer Puls-Baumkurre in der deutschen Garnelenfischerei

Unser Projekt untersucht die Möglichkeit des Einsatzes einer Pulsbaumkurre in der Krabbenfischerei und deren Auswirkung auf den Beifang, den Fang von Krabben und ökonomische Aspekte.

Hintergrund und Zielsetzung

Übergeordnetes Ziel unseres Projektes ist es, die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit der Krabbenfischerei an der Nordseeküste zu verbessern.

Die Krabbenfischerei der Nordseeküste ist eine kleine, regionale Küstenfischerei, die vorrangig von Familienbetrieben durchgeführt wird. Dennoch stellt sie, gemessen an den Erlösen, die bedeutendste deutsche Fischerei dar. Auch der Tourismus an der Nordseeküste profitiert vom Flair der im Hafen liegenden Fischerboote. Darüber hinaus gelten Nordseekrabben nicht nur bei Touristen als ausgesprochene Delikatesse.

In der Nordsee-Krabbenfischerei werden Grundschleppnetze eingesetzt, bei denen das Netz horizontal durch einen Kurrbaum (eine Querstange aus Stahl) offengehalten wird -daher auch der Name des Fanggerätes "Baumkurre". An den Seiten des Kurrbaumes sind Kufen angebracht, die das Fanggerät über den Boden gleiten lassen. Hinter dem Kurrbaum und den Kufen ist das eigentliche Netz befestigt. An der unteren Vorderkante des Netzes sind Rollen angebracht - bei einem Krabbenkutter mit 8m Kurrbaum sind es oft 36 Rollen. Diese Rollen haben zwei Aufgaben: Zum einen verhindern Sie, dass sich das Netz am Boden verhakt. Zum anderen scheuchen sie die Krabben auf, so dass sie im Netz landen.

Die Rollen schrecken aber auch andere bodennah lebende Tiere auf, wie zum Beispiel verschiedene Plattfischarten. Sie werden mitgefangen und zurückgeworfen – ein Argument für Kritiker. Auch der Bodenkontakt der Rollen wird kritisiert, weil er den Meeresgrund schädigt und zusätzlich Energie verbraucht.

Wollte man die Rollen weglassen, bzw. Ihre Anzahl deutlich reduzieren, müssten andere Wege gefunden werden, die Krabben aufzuschrecken - und im Idealfall nur die Krabben. Eine Möglichkeit ist die Nutzung von elektrischen Feldern. In Belgien haben Kollegen zu diesem Thema geforscht und ein gepulstes elektrisches Feld entwickelt Seine Eigenschaften sind so gewählt, dass Krabben sehr gut darauf reagieren, andere Arten jedoch weit weniger. Darauf fußend wurde in Belgien eine Baumkurre entwickelt, bei der mit 12 Elektroden 4 mal pro Sekunde (4 Hz) ein relativ schwaches elektrisches Feld vor dem Netz erzeugt wird (Krabben-Pulsbaumkurre). Die Auswirkungen der elektrischen Felder auf andere Meeresorganismen wurden und werden weiterhin in Belgien untersucht. Dabei wurden bisher keine negativen Einflüsse auf die untersuchten Organismen gefunden.

Erste Erfahrungen und Ergebnisse zum Einsatz der Krabben-Pulsbaumkurre lagen zu Projektbeginn nur von dem belgischen Forschungskutter vor. Da sich die Bedingungen an der belgischen Küste von denen vor der deutschen Küste bedeutend unterscheiden und gleichzeitig eine starke saisonale Abhängigkeit der Ergebnisse zu erwarten war, wurde gemeinsam vom Land Schleswig-Holstein, der Fischerei und beteiligten Fischereiforschern beschlossen, in einem eigenen Projekt zu untersuchen, wie Pulsbaumkurren sich auf die Fangzusammensetzung, den Energieverbrauch und die Ökonomie der Fischerei auswirken.

Zusätzlich sollten wir weitere Möglichkeiten zur Optimierung der Pulsbaumkurre untersuchen –vor allem hinsichtlich Beifang, Treibstoffverbrauch, Verringerung des Bodenkontakts und Verbesserung der praktischen Einsatzfähigkeit.

Vorgehensweise

Im Gegensatz zu den belgischen Versuchen war ein vollständiges Weglassen der Rollen an der deutschen Küste nicht möglich. Hauptgrund sind dabei die Unterschiede in der Struktur des Meeresgrundes und die Notwendigkeit, das Fanggerät sicher über den Meeresgrund ziehen zu können, ohne die Sicherheit an Bord zu gefährden. Bei dem im Projekt eingesetzten Gerät wurde die Rollenanzahl stark reduziert (von 36 auf 11) und das Grundtau gerade gebaut. Dadurch rollen alle Rollen nun auch gerade über den Meeresboden. Das wirkt sich positiv auf den Schleppwiderstand und den Einfluss auf den Meeresboden aus. Durch die reduzierte Rollenzahl – und den folglich größeren Abstand zwischen den Rollen – können andere Tierarten unter der Unterkante des Netzes entkommen.

Krabbenkutter nutzen in der Regel zwei Baumkurren gleichzeitig: Ein Netz wird an der Steuerbordseite, das andere an der Backbordseite gezogen. Das ermöglicht den gleichzeitigen Einsatz der herkömmlichen Baumkurre und der Krabben-Pulsbaumkurre und somit einen direkten Vergleich beider Fanggeräte – bei gleichen Fangbedingungen (Ort, Zeit, Dauer, Geschwindigkeit, Wassertiefe, Salzgehalt, Wetter, Strömung usw.).

Die Experimente wurden auf einem kommerziellen Krabbenkutter (SD33, „Marlies“; Kapitän Herbert Schoer) über die Dauer eines Jahres durchgeführt. Wir konnten somit sowohl jahreszeitliche als auch tageszeitliche Unterschiede in den Fangmengen und der Fangzusammensetzung berücksichtigen.

Daten und Methoden

Gemessene biotische Parameter:

  • Gesamtfang, Gesamtkrabbenfang, Speisekrabbenfang, Beifang (jeweils pro Methode);
  • im Beifang: Artenzusammensetzung, Anzahl pro Art und Längenverteilung

 Gemesene physiskalische Parameter unter Wasser am Fanggerät:

  • Temperatur, Tiefe, Salzgehalt, Trübung, Lichtintensität

Zusätzliche Parameter:

  • geographische Position, Schleppdauer, Schleppgeschwindigkeit, Tageszeiten, Wetterdaten (aus Wetterdatenbanken)

Unsere Forschungsfragen

- Ist es möglich mit Hilfe der Krabben-Pulsbaumkurre die Selektivität des Fanggeräts zu erhöhen und dadurch die unerwünschten Beifänge zu reduzieren?

- Welche Auswirkungen hat der Einsatz der Pulsbaumkurre auf den Fang von

  • vermarktbaren Krabben
  • untermassigen Krabben
  • andere Organismen?

- Ist der Einsatz der Pulsbaumkurre in den deutschen Küstengewässern praktikabel?

- Lässt sich durch Reduzieren der Rollen im Grundgeschirr der Energiebedarf senken?

- Wie sind die ökonomischen Auswirkungen des Einsatzes der Pulskurre? Mit Hinblick auf

  • Mehr-, bzw. Minderfang von vermarktbaren Krabben
  • Energieeinsparung
  • Investitionskosten

Ergebnisse

Der Endbericht kann hier heruntergeladen werden.

Zusammenfassung der Ergebnisse:

  • Beifang konnte reduziert werden, wobei die Reduktion saisonal stark variiert
  • Mehrfang von Speisekrabben
  • Durch die Verringerung der Rollenanzahl und durch ein gerades Grundtau, weniger Meeresbodenbeeinflussung und geringerer Treibstoffverbrauch
  • Investitionskosten rund 75.000€ zzgl. laufende Kosten
  • Ökonomischer Erfolg hängt stark von den Gesamterlösen und jährlichen Treibstoffkosten ab (je höher, desto mehr Vorteil durch Pulskurre)
  • Weitere Optimierung durch Modifikation der Krabben-Pulsbaumkurre möglich

Das Projekt ist auf ein breites Interesse der Öffentlichkeit gestoßen. Dies spiegelt sich auch in der Medienpräsenz wieder (Auswahl):

  • Fernsehbeitrag in der Sendung „Die grosse Show der Naturwunder“ über Krabben-Pulsfischerei (ARD 24.07.2014)
  • Blaues Siegel für rosa Krabben (Deutschlandradio Kultur 16.11.2013 )
  • Fischerei - Mit Strom auf Krabbe und Seezunge (DRadio Wissen 16.09.2013)
  • Krabbenfischer am Pranger (NDR4 Das Forum, 13.08.2013)
  • Ungewollte Fische (arte Journal 09.04.2013) Fernsehbeitrag über die Verringerung von Beifang
  • Pulsfischerei (3 Sat nano, 10.09.2012) Fernsehbeitrag zum Projekt
  • Pulsbaumkurre in der Krabbenfischerei (Sat1 regional HH; 24.08.2012) Fernsehbeitrag zum Projekt
  • Fischen, Forschen, Filetieren (ntv, 22.07.2012)

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesland Schleswig-Holstein
    (national, öffentlich)
  • Europäische Union (EU)
    (international, öffentlich)

Zeitraum

12.2011 - 3.2014

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Bericht: Ökologische und ökonomische Untersuchungen zum Nutzen einer Pulsbaumkurre in der deutschen Garnelenfischerei 2014

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