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Bio- und Agroterrorismus: Ökonomische Analysen zu möglichen Schadenslagen und Präventionsmaßnahmen

Projekt

Bio- und Agroterrorismus stellt eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit dar (c) BfR
Bio- und Agroterrorismus stellt eine Gefahr für die Lebensmittelsicherheit dar (© BfR)

Ökonomische Bewertung von bio- und agroterroristischen (BAT-) Schadenslagen sowie von Präventions- und Interventionsmaßnahmen

Wie schätzen Unternehmen der Milch- und Fleischwirtschaft das Risiko bio- und agroterroristischer Schadenlagen ein? Wie hoch sind die Kosten entsprechender Präventionsmaßnahmen und welche wirtschaftlichen Schäden würde ein bio- oder agroterroristischer Anschlag für die Unternehmen haben?

Hintergrund und Zielsetzung

Schadenslagen durch Bio- und Agroterrorismus (BAT) können gravierende Folgen für die Gesundheit und Wirtschaft haben; sie werden zunehmend als Risiko für die Lebensmittelsicherheit erachtet. Dies zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der aktuellen Version des internationalen Standards IFS (International Food Standard) unter dem Begriff „Food Defense“ (Produktschutz) der Schutz von Lebensmitteln vor absichtlichen Kontaminationen und damit auch terroristischen Angriffen als Schwerpunkt verbindlich hinzugefügt wurde. Er verpflichtet Unternehmen, die sich nach diesem Standard zertifizieren lassen wollen, entsprechende Schwachstellenanalysen durchzuführen und die Gefahr einer absichtlichen Kontamination zu bewerten. Beurteilt werden müssen zum Beispiel die potenziellen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen einer absichtlichen Kontamination, ob und wie Zugangsmöglichkeiten in die Betriebsstätte eines Unternehmens zu überprüfen sind und ferner die notwendige Zeit, um den „normalen“ Produktionsstand im Falle einer Schadenslage wiederherzustellen. Hierdurch sollen mögliche Ursachen einer Schadenslage identifiziert und minimiert werden. Ziel unseres Projekts war es, Kosten und Nutzen von Präventionsmaßnahmen und die wirtschaftlichen Auswirkungen potenzieller Schadenslagen abzuschätzen.

Vorgehensweise

Im Projekt haben wir zunächst den Sachstand in der methodischen und empirischen Forschung analysiert, die sich mit ökonomischen Bewertungen von Schadenslagen in der Lebensmittelwarenkette sowie mit institutionellen Rahmenbedingungen befasst. Darauf aufbauend haben wir die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen bio- und agroterroristischer Schadenslagen untersucht und eruiert, welche Kosten mit Präventions- und Interventionsmaßnahmen einhergehen und deren effektiven Nutzen betrachtet. Dieses erfolgte exemplarisch für ausgewählte Unternehmen der Molkerei- und Fleischwirtschaft in Deutschland auf der Basis von Experteninterviews.

Daten und Methoden

Zur Informationsgewinnung haben wir aufgrund der spezifischen Fragestellung qualitative Interviews mit Experten aus Molkereien sowie Schlacht-, Zerlegungs- und Verarbeitungsunternehmen der Fleischwirtschaft im Bereich Rind durchgeführt.

Ergebnisse

Bio- und Agroterrorismus hat in allen befragten Unternehmen Präventionsmaßnahmen erfordert; sie zu implementieren hat wirtschaftliche Auswirkungen. Die Experteninterviews haben außerdem gezeigt, dass das Risiko derartiger Schadenslagen deutlich reduziert werden kann, wenn Mitarbeiter sensibilisiert und geschult sowie Zugangskontrollen im Unternehmen eingeführt werden. Des Weiteren wurde deutlich, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen einer absichtlichen Kontamination bzw. eines BAT-Anschlags für die Unternehmen immens sein könnten. Das Ausmaß hängt dabei im Wesentlichen von der Art des Agens (Toxine, Sporen oder Bakterien), der betroffenen Warenkette und dem Eintragsort im Unternehmen ab.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

2.2011 - 12.2013

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 4

  1. Rieger J, Hansen H, Belaya V (2014) Sicherstellung der Futter- und Lebensmittelwarenkette bei bio- und agroterroristischen BAT)-Schadenslagen (SiLeBAT) : Teilvorhaben: Ökonomische Bewertung von BAT-Schadenslagen sowie von Interventionsmaßnahmen ; Abschlussbericht (Gekürzte Fassung unter Berücksichtigung der Vertraulichkeitsvereinbarungen). Braunschweig: Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, 34 p
  2. Wilke T, Belaya V, Pinior B (2012) How to measure food safety : a review of the relevant literature. In: Rickert U, Schiefer G (eds) Proceedings of the 6th International European Forum on Innovation and System Dynamics in Food Networks (Igls-Forum), 13.-17.02.2012 in Innsbruck (Österreich). pp 61-83
  3. Belaya V, Hansen H, Pinior B (2012) Measuring the costs of foodborne diseases: a review and classification of the literature : Vortrag anlässlich der 52. Jahrestagung der GEWISOLA "Herausforderungen des globalen Wandels für Agrarentwicklung und Welternährung" Universität Hohenheim, 26. bis 28. September 2012 [online]. GEWISOLA, 13 p, zu finden in <http://purl.umn.edu/138195> [zitiert am 10.01.2013]
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  4. Belaya V, Hansen H (2012) Ökonomische Bewertung von Lebensmittelskandalen: Theoretische Überlegungen und erste empirische Befunde am Beispiel des Dioxin-Vorfalls 2011 [Poster]. Schr Gesellsch Wirtsch Sozialwiss Landbaues 47:467-468