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Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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Nahversorgung in ländlichen Räumen

Projekt

Dorfladen (c) Thünen-Institut/Winfried Eberhardt
Dorfladen (© Thünen-Institut/Winfried Eberhardt)

Vielerorts sind Tante-Emma-Läden aus dem Ortsbild verschwunden, und wer kein Auto hat, kann nur schwer an Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs gelangen. Was also tun – vor allem angesichts der Prognose, dass die Zahl wenig mobiler, betagter Menschen steigen wird und es Jüngere weiterhin eher in die Städte zieht? Diese Studie sucht nach Lösungswegen und prüft deren Eignung.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, einen systematischen Überblick über aktuelle Handlungsansätze zur Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Räumen zu gewinnen. Wir vergleichen verschiedene Versorgungskonzepte und bewerten, was sie  zur Nahversorgung beitragen, ihre soziale Funktion, ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit und ihre Übertragbarkeit auf andere Gebiete. Außerdem werden entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten auf ihre Potentiale zur Sicherung der Nahversorgung hin untersucht. Daraus leiten wir Schlussfolgerungen für die Raumentwicklungspolitik ab.

Vorgehensweise

Wir haben zunächst den Stand der Forschung aufgearbeitet und recherchiert, welche Möglichkeiten bestehen, Nahversorgungseinrichtungen im Rahmen der Raumplanung und von Förderprogrammen zu unterstützen. Anschließend wurden über 100 kleinflächige Nahversorgungspunkte, die sich in kleineren Orten befinden, sowie ein relativ breites Lebensmittelsortiment im Kern und ggf. weitere Zusatzdienste anbieten, untersucht. Es folgten vier illustrative Fallstudien, Experteninterviews mit Vertretern übergeordneter Organisationen sowie die Recherche internationaler Beispiele aus sechs europäischen Ländern. Daraus konnten wir abschließend Handlungsempfehlungen ableiten.

Daten und Methoden

Die Betreiber von 103 Nahversorgungspunkten wurden telefonisch mit einem standardisierten Fragebogen interviewt, sekundärstatistische Daten ausgewertet und GIS-Analysen durchgeführt. Zu Auswertung dieser Querschnittserhebung verwendeten wir deskriptive statistische Verfahren sowie nicht-parametrische Tests. Die Fallstudien bestanden aus jeweils zwei halbstandardisierten Interviews sowie einer Vor-Ort-Begehung. Die Experteninterviews mit Vertretern der Handels-, Förder- und Planungspraxis haben wir ebenfalls leitfadengestützt durchgeführt. Die Auswertung erfolgte jeweils mittels qualitativer Inhaltsanalyse.

Ergebnisse

Seit Beginn der 1990er Jahren werden alternative Nahversorgungspunkte für kleinere Orte in der Wissenschaft und Praxis verstärkt als Lösungswege diskutiert. Neben den mobilen Angeboten, die nicht im Fokus dieser Untersuchung stehen, werden Filial- und Franchisekonzepte, Multifunktionsläden mit der Einbindung ergänzender Zusatzdienstleistungen, Integrationsläden zur Teilhabe benachteiligter Gruppen am Arbeitsleben und Bürgerläden mit der Unterstützung der lokalen Bevölkerung als Handlungsoptionen genannt. Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Filial- und Franchise-Konzepte gegenüber den Einzelbetrieben wirtschaftlich erfolgreicher sind. Fast alle befragten Einrichtungen bieten im Sinne eines Multifunktionsladens Zusatzdienstleistungen an, darunter in etwa der Hälfte der Fälle ein Café oder einen Imbiss als sozialen Treffpunkt. Allerdings haben diese Zusatzdienste kaum eine signifikante Bedeutung für die Leistungsfähigkeit der Läden. Ein zentraler Erfolgsfaktor für alternative Nahversorgungseinrichtungen ist der Standort. Als betriebswirtschaftliche Standortfaktoren sind laut der Befragungsergebnisse die Ortsgröße, das Einzugsgebiet und die Parkplätze besonders wichtig für den Erfolg der Einrichtung. Die Anzahl Funktionen im Gebäude und in der Nachbarschaft spielen eine etwas geringere Rolle. Die Attraktivität des Angebots hinsichtlich Verkaufsfläche, Sortimentsgröße, Öffnungszeiten und Produkte im Preiseinstiegssegment haben ebenfalls einen relativ starken Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Läden. Die gesamten Ergebnisse sind online abrufbar unter: www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BMVBS/Online/2013/DL_ON022013.pdf;jsessionid=57FF147E5DFBC16382D9B8037F551F55.live2051.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
    (national, öffentlich)

Zeitraum

10.2011 - 1.2013

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

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  1. Küpper P, Tautz A (2015) Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Räumen Europas - Strategien ausgewählter Länder im Vergleich. Europa Regional 21(3):138-154
  2. Küpper P, Scheibe C (2015) Steuern oder fördern? Die Sicherung der Nahversorgung in den ländlichen Räumen Deutschlands und Südtirols im Vergleich. Raumforsch Raumordn 73(1):45-58, DOI:10.1007/s13147-014-0326-3
  3. Eberhardt W, Pollermann K, Küpper P (2014) Sicherung der Nahversorgung in ländlichen Räumen : Impulse für die Praxis. Berlin: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), 62 p
  4. Eberhardt W, Küpper P, Steinführer A (2014) Was soll und kann Bürgerengagement leisten? : zur Übertragung von Verantwortung für die regionale Daseinsvorsorge an die Bürger: Nahversorgung und Feuerwehr im Vergleich. Krit Agrarbericht:168-172
  5. Küpper P, Eberhardt W (2013) Nah versorgt im kleinen Ort. LandInForm(2):43

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