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Themenfelder

Mit dem elektronischen Monitoring zu exakteren Fangdaten?

Projekt

Eektronische Überwachung auf einem Fischkutter (c) WWF
Eektronische Überwachung auf einem Fischkutter (© WWF)

Catch Quota Management Pilotstudie zur vollständigen Fangdokumentation durch elektronisches Monitoring (EM) ausgewählter Schleppnetzkutter in Nord- und Ostsee

Auf vier Schleppnetzkuttern in Nord- und Ostsee erproben wir, ob eine vollständige Fangdokumentation durch ein elektronisches Monitoringsystem durchführbar ist. Die vollständige Fangdokumentation soll den gesamten Fang einschließlich der Beifänge abbilden. Auf dieser Basis könnte die fischereiliche Sterblichkeit, also das Maß der Auswirkung der Fischerei auf den Fischbestand, exakter bestimmt werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Das TAC (total allowable catch) basierte Fischereimanagement hat den Schwachpunkt, dass die Quotenregelung auf die Anlandungen und nicht auf die Fänge angewendet wird. Daher stimmen die Anlandemengen in vielen Fischereien nicht mit den tatsächlichen Fangmengen überein. Mit aufwendigen Beprobungsprogrammen und vielfältigen Regularien versuchen Politik und Wissenschaft zu erfassen, wie viel Beifang die Fischer zurück ins Meer werfen (Discardverhalten). Dies führt jedoch zu geringen Beprobungsdichten, hohen Kosten und unübersichtlichen Vorschriften, die auf See schwer zu überwachen sind. Die geringe Beprobungsdichte führt zu einer hohen Unsicherheit in der Hochrechnung der Anlandestatistik. Diese Unsicherheit überträgt sich in die Bestandsberechnung des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) und somit in die Ableitung künftiger Fangmengen.

Um die Unsicherheit der Discardabschätzung zu reduzieren, soll diese Studie ergründen, inwieweit sich die bisher gültige  Anlandequotierung in eine Fangquotierung umwandeln lässt. Unser Projekt setzt auf die freiwillige Beteiligung von ausgesuchten Kuttern, die alle gefangenen Kabeljaue/Dorsche registrieren. Die freiwillige Beteiligung der Fischer wollen wir durch geeignete Anreize erreichen: den Wegfall vieler dann überflüssiger Regularien und - im Fall der Nordseefahrzeuge - der Gewährung einer Zusatzquote.

Vorgehensweise

Die digitale Aufzeichnung hat sich zur Fischerei- und Fangdokumentation in einigen Fischereien  bewährt. Sie ist seit 1999 in diversen Fischereien vor der kanadischen Westküste für jedes Fischereifahrzeug vorgeschrieben. 2008 wurde eine dänische Pilotstudie initiiert, bei der sechs Kutter mit automatischen Beobachtungssystemen, also einem elektronischen Monitoringsystem (EM) ausgestattet wurden. Dieses System soll auch in der hier skizzierten Studie Anwendung finden. EM soll dazu dienen, die Logbucheintragung der Fahrzeugbetreiber hinsichtlich der jeweiligen Dokumentationspflicht zu verifizieren.

Das elektronische Monitoringsystem besteht aus einer zentralen Steuerungs- und Aufzeichnungseinheit, die mit vier CCTV-Kameras (Closed Circuit Television) verbunden sind. Zusätzlich sind eine GPS-Einheit zur Positions- und Geschwindigkeitsbestimmung, ein Hydraulikdrucksensor und ein Windenumdrehungssensor installiert, die unabhängig von den Kameras Fischereiaktivitäten detektieren können. Alle Daten werden digital auf Festplatte gespeichert, die Platten sind verschlossen und können nur durch autorisierte Personen getauscht werden. Die Ergebnisse der dänischen Pilotstudie zeigen, dass EM eine geeignete Methode zur Erhebung des Fangverhaltens und der Fangzusammensetzung ist. Bei relativ geringen Kosten kann eine Beprobungsdichte von mehr als 90 % der getätigten Hols erreicht werden.

Daten und Methoden

Im Rahmen des Projekts analysieren wir, inwiefern sich das elektronische Monitoringsystem als Kontrollwerkzeug nutzen lässt. Dazu sichten und analysieren wir die Daten und Videos und vergleichen sie mit den Eintragungen der Fischer.

Vorläufige Ergebnisse

Es zeigt sich, dass das System die Fischereiaktivitäten sehr präzise aufzeichnet. Anzahl und Position der Kameras sind je nach Fragestellung und Anforderungen an die Überwachung auszuwählen. Aufgrund fehlender automatischer Tools ist der derzeitige Analyseaufwand sehr groß.

Thünen-Ansprechpartner


Zeitraum

1.2012 - 12.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 2

  1. Goetz S, Oesterwind D, Zimmermann C (2016) Report on the German Catch Quota Management trial 2012 - 2014. Rostock: Federal Research Institute for Rural Areas, Forestry and Fisheries, Institute of Baltic Sea Fisheries, 28 p
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 1781 KB
  2. Oesterwind D, Goetz S, Zimmermann C (2014) Report on the German catch quota management trial 2012 & 2013 : December 2014 report. Rostock: Thünen-Institut für Ostseefischerei, 27 p

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