Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Anna Frerck
Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie

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Waldnutzung als Lebensgrundlage

Projekt

 (c) Margret Köthke

Waldnutzung als Baustein ländlicher Lebensgrundlagen in Nepal

Wo Menschen von Subsistenzwirtschaft leben, sind sie meist von der Ressource Wald abhängig. Warum nutzen sie den Wald mal mehr und mal weniger intensiv? Was kann diese Waldabhängigkeit auflösen?

Hintergrund und Zielsetzung

Die Abhängigkeit von Waldressourcen in ländlichen Gebieten stellt einen Haupttreiber für kleinflächige Entwaldungen und vor allem für die Walddegradierung dar. Dabei beeinflussen die Verfügbarkeit und das Zusammenspiel von natürlichen, menschlichen, physischen, finanziellen und sozialen Ressourcen das Nutzungsverhalten. Das Ziel unserer Studie ist es, die Bedürfnisse und das Verhalten der Menschen, die einerseits von Waldverlust und Raubbau betroffenen sind und andererseits die Ressource selbst (auch negativ) beeinflussen, besser zu verstehen und Handlungsoptionen zu gewinnen. Die Studie untersucht, welche Faktoren die Waldnutzungsintensität ländlicher Haushalte bestimmen. Für diese Waldnutzergruppen untersuchen wir dabei auch, welche Rolle Armut und die Verfügbarkeit von Einkommens- und Produktsubstituten für die Waldnutzungsintensität spielen.

Zielgruppe

Wissenschaft und Politik im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit und Waldschutz

Vorgehensweise

Zunächst haben wir interne und externe Daten aus einer Haushaltsbefragung gemäß den fünf Bausteinen der Lebensgrundlagen (natürliche, menschliche, physische, finanzielle und soziale Ressourcen gemäß dem `sustainable livelihoods framework´) zugeordnet, und kausale Zusammenhänge zur Waldnutzung beschrieben. Diese potentiellen Einflüsse auf die Intensität der Waldnutzung haben wir empirisch überprüft und dabei empirisch signifikante Einflüsse auf die Nutzungsintensität von Waldprodukten, von Feuerholz und von Tierfutter aus dem Wald ermittelt.

Daten und Methoden

Die Studie basiert auf Daten, die wir in 336 Haushalten aus acht partizipativen Waldnutzergruppen im Distrikt Chitwan im Süden Nepals aufgenommen haben. Die Daten wurden mit Hilfe einer Haushaltsbefragung erhoben.

Verschiedene Strategien der Lebensführung wurden mit Hilfe von Hauptkomponentenanalyse und hierarchischem Clustern ermittelt.

Die folgende empirische Datenanalyse haben wir mit Hilfe von Varianzanalysen durchgeführt.

Unsere Forschungsfragen

Welche Faktoren  beeinflussen die Waldnutzungsintensität ländlicher subsistenz-abhängiger Haushalte?

Ergebnisse

Die meisten nepalesischen Haushalte im ländlichen Raum nutzen diversifizierte Strategien zur Einkommensgenerierung und verwenden auch Produkte, die direkt aus Wäldern stammen.

Es konnten vier Strategien zur Bestreitung der Lebensgrundlagen unterschieden werden, von denen zwei landwirtschaftliche Tätigkeiten und zwei nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten im Fokus haben. Die außerlandwirtschaftlichen Strategien beruhen hauptsächlich auf (a) Überweisungen aus dem Ausland und (b) Einnahmen aus Lohnarbeit und Selbständigkeit. Sie führten zu höheren Haushaltseinkommen. Die Landwirtschafts-basierten Strategien beruhen hauptsächlich auf (a) Einkommen aus Ackerbau und Viehwirtschaft und (b) auf der Sammlung von Produkten aus den Wäldern, ihren Hausgärten und Feldern für den Eigenbedarf.

Die Nutzung von Waldprodukten in den Haushalten unterscheidet sich erheblich zwischen den Strategien zur Existenzsicherung. Die Haushalte, die eine Subsistenz-abhängige Strategie verfolgen, sammeln die meisten Produkte aus dem Wald und erzielen dabei das niedrigste Gesamteinkommen. Ein allgemeiner Einfluss des  Haushaltseinkommens auf die Intensität der Waldnutzung kann jedoch nicht bestätigt werden. Haushalte, die Überweisungen aus dem Ausland erhalten, erzielen die höchsten Einkommen, sammeln aber immer noch Waldprodukte.

Die Gruppe der Wald-abhängigen Haushalte ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie in der Nähe des Waldes und weit entfernt von Stadtzentren mit Waren- und Arbeitsmärkten leben, sowie dass sie eine vergleichsweise geringere Bildung und einen jungen Haushaltsvorstand haben. Die Haushalte, die hauptsächlich auf Einkommen aus Lohnarbeit und Selbständigkeit angewiesen sind, nutzen die wenigsten Waldprodukten und zeichnen sich durch das höchste Bildungsniveau aus. Sie leben in der Nähe zu Märkten und haben die größten landwirtschaftlichen Flächen.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Ministry of Forest and Soil Conservation
    (Kathmandu, Nepal)
  • Trivuban University, Institute of Forestry (IoF)
    (Pokhara, Nepal)
  • Universität Hamburg
    (Hamburg, Deutschland)

Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

1.2014 - 12.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Lax J, Köthke M (2017) Livelihood strategies and forest product utilisation of rural households in Nepal. Small Scale For 16(4):505-520, DOI:10.1007/s11842-017-9367-0
  2. Lax J (2014) Community forestry - enhanced sustainability through involvement of local stakeholders : Chapter 5.4. In: Approaches for the improvement of the economic sustainability of natural forest management in the tropics – including REDD+ mechanism. Berlin: Rhombos-Verl, pp 130-134
  3. Köthke M (2014) Opportunity costs of natural forest management : Chapter 5.5. In: Approaches for the improvement of the economic sustainability of natural forest management in the tropics – including REDD+ mechanism. Berlin: Rhombos-Verl, pp 135-137
  4. Lax J (2014) Subsistence economy at the forest margin - an indispensable livelihood strategy : Chapter 4.4. In: Approaches for the improvement of the economic sustainability of natural forest management in the tropics – including REDD+ mechanism. Berlin: Rhombos-Verl, pp 92-96
  5. Lax J, Krug J (2013) Livelihood assessment : a participatory tool for natural resource dependent communities. Hamburg: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 22 p, Thünen Working Paper 7, DOI:10.3220/WP_7_2013
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