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Wie viele Siegel braucht der Fisch?

Projekt

 (c) Thünen-Institut / Katrin Zander

Verbraucherwahrnehmung und -bewertung von Nachhaltigkeitskennzeichnungen bei Wildfisch

Woher kommt das Fischfilet auf meinem Teller? Stammt es womöglich aus einem bedrohten Fischbestand? Viele Verbraucher scheinen für Probleme wie die Überfischung von Fischbeständen oder unerwünschtem Beifang sensibilisiert zu sein. Aber wie relevant sind solche Nachhaltigkeitsaspekte beim Kauf von Fischprodukten wirklich?

Hintergrund und Zielsetzung

Dass Fisch weltweit immer stärker gefragt ist, geht seit Jahren mit einer Reihe von negativen Umweltwirkungen einher. Insbesondere die Überfischung der Weltmeere, der unerwünschte Beifang sowie die Auswirkungen auf die Meereshabitate treiben seit Jahren das wachsende Umweltbewusstsein in der Fischerei voran. Umweltorganisationen und Industrie haben reagiert und, teilweise gemeinsam, sogenannte Nachhaltigkeitslabel entwickelt. Mittlerweile sind in Deutschland auf Fischverpackungen viele verschiedene Kennzeichnungen für nachhaltig gefangene Fischprodukte, wie beispielsweise das MSC-Label (Marine Stewardship Council) oder das Naturland Wildfisch-Label, zu finden. Zudem ermöglichen zahlreiche weitere Hinweise wie Angaben zur Fischart und Herkunft den Verbrauchern, umweltbewusst einzukaufen. Ob solche Kennzeichnungen für nachhaltige Fischerei das Kaufverhalten bei Verbrauchern beeinflussen, ist jedoch offen. Damit sich Verbraucher für nachhaltige Produkte entscheiden können, ist eine entsprechend eindeutige und glaubwürdige Kennzeichnung erforderlich. Außerdem müssen die Verbraucher die Kennzeichen auch auf der Packung wahrnehmen, verstehen und ihnen vertrauen. Eine Vielzahl von Labels verunsichert Verbraucher eher, vor allem wenn sie wenig darüber wissen – darauf weisen verschiedene Autoren bereits hin.

Ziel der Studie ist es, zu ermitteln, was Verbraucher unter dem Begriff „nachhaltiger Fischfang“ verstehen, welche Kriterien für ihre Kaufentscheidung bei Fischprodukten relevant sind und wie sie vorhandene Nachhaltigkeitskennzeichnungen wahrnehmen und beurteilen.

Vorgehensweise

In vier deutschen Städten (Hamburg, Köln, Leipzig, München) führten wir im Frühjahr 2012 insgesamt zwölf Gruppendiskussionen mit jeweils acht bis zwölf zufällig ausgewählten Fischkäufern durch. Durch den Moderator initiiert, sollten die Teilnehmer zunächst ihre Kaufkriterien bei Speisefisch, ihr generelles Verständnis von nachhaltigem Fischfang und ihre Kenntnisse über Nachhaltigkeitskennzeichnungen äußern. Im Fokus der Gesprächsrunden stand anschließend die Diskussion über fünf ausgewählte Label, die auf Fischverpackungen in deutschen Supermärkten zu finden sind: „MSC“ (Marine Stewardship Council), „Naturland Wildfisch“, „Dolphin Safe“, „Iceland Responsible Fisheries“ und „Friends of the Sea“. Insbesondere die Unterschiede in den Wahrnehmungen und Beurteilungen der verschiedenen Kennzeichnungen sowie ihre Glaubwürdigkeit waren von Interesse.

Gruppendiskussion mit Verbraucher (© neoplas)

Daten und Methoden

Die Gruppendiskussionen wurden aufgezeichnet, anschließend in Schriftform übertragen (transkribiert) und mithilfe des thematischen Codierens ausgewertet. Hierbei bildeten wir Kategorien (zum Beispiel: Kaufkriterien, Kenntnis Label, positive/negative Beurteilung MSC-Label) und ordneten die in den Diskussionen gegebenen Antworten den verschiedenen Kategorien zu. So konnten wir den Kenntnisstand der Befragten und die Vielfalt an vorhandenen Meinungen aufdecken.

Ergebnisse

Insgesamt scheinen Nachhaltigkeitskennzeichnungen deutschen Verbrauchern wenig zu bedeuten, wenn sie sich beim Kauf von Wildfisch entscheiden. Viele Teilnehmer der Gruppendiskussionen wussten wenig über die Herkunft von Fischprodukten, über Nachhaltigkeit im Fischfang oder gar über Fischarten, die nachhaltig gefangen werden. Wichtige Kaufkriterien waren für die Befragten hingegen der Geschmack, die angestrebte Verwendung, Frische bzw. Qualität und der Preis. Die ungestützte Frage nach Label als Kennzeichen nachhaltigen Fischfangs auf den Fischverpackungen zeigte, dass entsprechende Logos insgesamt kaum wahrgenommen werden. Das MSC-Label (Marine Stewardship Council) war das einzige, das mehrere Teilnehmer ungestützt nannten, teilweise kamen aber auch nur Hinweise wie ein „kleines blaues Logo“. Nach Präsentation der fünf existierenden Label erkannten viele Teilnehmer das Naturland Wildfisch-Label wie auch das Dolphin Safe-Label wieder. Insgesamt war im Verlauf der Diskussion eine „Müdigkeit“ der Teilnehmer hinsichtlich der vorhandenen Label zu beobachten. Diese „Müdigkeit“ oder „Resignation“ bezog sich sowohl auf die Vielzahl an Kennzeichnungen als auch auf ihre Glaubwürdigkeit. Dies deutet darauf hin, dass Verbraucher bei der Produktwahl kaum hinsichtlich einer solchen Kennzeichnung differenzieren. Das Marktpotenzial von Nachhaltigkeits-Label wäre demnach auf der Verbraucherebene eingeschränkt.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Zeitraum

12.2011 - 3.2012

Publikationen zu dem Projekt

Anzahl der Datensätze: 3

  1. Bürgelt D, Christoph-Schulz IB, Salamon P, Weible D (2013) Impacts of sustainability labels on consumers’ purchasing decisions for fish. In: Röcklinsberg H, Sandin P (eds) The ethics of consumption : the citizen, the market, and the law ; conference proceedings. Wageningen: Wageningen Academic Publ, pp 39-45
  2. Zander K, Bürgelt D, Christoph-Schulz IB, Salamon P, Weible D (2013) Nachhaltigkeitskennzeichnung bei Wildfisch aus VerbraucherInnenperspektive. Jb Österr Ges Agrarökon / J Austrian Soc Agric Econ 22(1):91-100
  3. Zander K, Bürgelt D, Christoph-Schulz IB, Salamon P, Weible D (2013) Nachhaltigkeitslogos in der Verbraucher-Wahrnehmung : Siegel haben für die Kaufentscheidung eine untergeordnete Bedeutung. Fischmag(9):62-65