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Begleitforschung zum Modellvorhaben LandZukunft

Projekt

Weserblick (c) Thünen-Institut/Anne Margarian
Blick von der Poller Burg auf den Weserbogen (© Thünen-Institut/Anne Margarian)

LandZukunft ist ein Modellvorhaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Unsere begleitende Forschung dient dazu, die Erfahrungen, die in den vier Modellregionen, den Landkreisen Dithmarschen, Holzminden, Uckermark und Birkenfeld, gemacht werden, zu sammeln, zu systematisieren, zu analysieren und, wo möglich, verallgemeinerbare Schlüsse daraus zu ziehen.

Hintergrund und Zielsetzung

Das Modellvorhaben läuft von 2012 bis Ende 2014 in vier aus ursprünglich 17 Landkreisen ausgewählten peripheren Regionen und verfolgt drei Kernziele:

1. das Aktivieren sogenannter unternehmerischer Menschen für die Regionalentwicklung,

2. das Erproben des Instrumentes des Regionalbudgets und anderer neuer Finanzierungsinstrumente und

3. das Austesten der politischen Steuerung über individuell vereinbarte und vertraglich festgeschriebene Ziele.

Aus diesen inhaltlichen Schwerpunkten ergeben sich auch die Fragestellungen der Begleitforschung. Die Begleitforschung hat einen ihrer Schwerpunkte in der Untersuchung der angestoßenen Beteiligungsprozesse und ihre Steuerung.
Außerdem untersuchen wir konkrete Fragen, die sich aus den jeweiligen Schwerpunkten der vier Modellregionen ergeben. In Birkenfeld stehen die Beteiligung von Unternehmen und die Rolle der Hochschule in der Regionalentwicklung im Zentrum der Untersuchung. Im Landkreis Holzminden beobachten wir die Mobilisierung der Einwohner von Dörfern über einen Dorfwettbewerb und die Neuorganisation der Tourismusförderung. In der Uckermark konzentriert sich die Begleitforschung auf die Frage nach den verschiedenen Möglichkeiten der Organisation und der Ressourcenmobilisierung durch ""soziale"" Unternehmer und hinterfragt die Rolle der Förderung dabei. In Dithmarschen schließlich steht der Versuch, die Vernetzung der lokalen Bildungsangebote zu optimieren, im Zentrum der Analyse.

Vorgehensweise

Untersucht wird zum einen, wie sich der Wettbewerbsansatz sowie der Ansatz des „Steuerns über Ziele“ und die damit verbundene Stärkung regionaler Entscheidungsfreiheit auf die ländlichen Entwicklungsprozesse auswirken. Zum anderen wird untersucht, wie und was die beteiligten Akteure und Institutionen lernen, wie sich das Gelernte in den Regionen manifestiert und welche möglichen Konsequenzen dieser Kapazitätsaufbau für die weitere Entwicklung hat. Ein weiterer Schwerpunkt der Begleitforschung liegt auf der Analyse von Voraussetzungen, Feldern und Konsequenzen "unternehmerischen" Handelns und seiner Unterstützung. Unter "unternehmerischem" Handeln wird dabei eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Handeln verstanden, das es Menschen ermöglicht, Ressourcenrestriktionen zu überwinden und neue Lösungen für die eigenen oder die lokale Gemeinschaft betreffende Probleme zu entwickeln. Zum einen wird hier untersucht, inwiefern es gelingt, neue Akteure zu mobilisieren und welche individuellen und institutionellen Faktoren dabei eine Rolle spielen. Zum anderen werden die konkreten Projektansätze in den verschiedenen Regionen und ihre jeweiligen Wirkungen untersucht.

Daten und Methoden

Entsprechend der großen thematischen und inhaltlichen Bandbreite, die sich aus den unterschiedlichen Vorgehensweisen in den vier Fallregionen ergibt, kommen ein interdisziplinärer Ansatz und ein breites Methodenspektrum zum Einsatz. Das Geschehen in den Regionen wird aus der politikwissenschaftlichen, geographischen, soziologischen und ökonomischen Perspektive untersucht. Insgesamt besteht die Begleitforschung aus einer Reihe von Einzeluntersuchungen, deren Ergebnisse innerhalb des theoretischen Gesamtkonzeptes zu einer übergreifenden Bewertung zusammengeführt werden. Schon in der Wettbewerbsphase haben wir jeweils zwei  leitfadengestützte Interviews in allen 17 Wettbewerbsregionen geführt, jeweils eines mit den Kreisverwaltungen und eines mit den begleitenden Büros. Um einen Überblick über Ziele, Aktivitäten und Motive der beteiligten Akteure zu erhalten, führten wir dann zu Beginn des Modellvorhabens Interviews in den vier Regionen mit nahezu allen zum damaligen Zeitpunkt beteiligten Personen. Die insgesamt 184 leitfadengestützten Interviews dieser ersten Phase stellen einen wichtigen Datenpool für die folgenden Untersuchungen dar. Wir haben sie unter verschiedenen Gesichtspunkten mithilfe qualitativer und auch quantitativer Methoden ausgewertet, wobei wir je nach Fragestellung bestimmte Interviews für die Analysen auswählten. Ergänzend werten wir Dokumente zur Strategie der Regionen und zu den neu geschaffenen Organisationsstrukturen sowie Protokolle eigener teilnehmender Beobachtungen bei Sitzungen und anderen Treffen aus. So betrachteten wir zum Beispiel die Protokolle und sonstigen Dokumente zum Bildungsthema in Dithmarschen mit einem diskursanalytischen Ansatz, um verschiedene Perspektiven auf das Thema Bildung und die Entwicklung ihrer Bedeutung in der Region zu erkennen. In Holzminden führten wir eine teilstandardisierte Erhebung unter den Akteuren des Modelldorfwettbewerbs in zwei Dörfern durch; die Erhebung und Auswertung erfolgte teilweise als egozentrierte Netzwerkanalyse. Eine weitere größere standardisierte Telefonbefragung in der Uckermark unter allen Antragstellern auf Projektmittel aus LandZukunft ermöglicht die Anwendung auch quantitativer statistischer Analyseverfahren. In allen Regionen führen wir strukturierte Interviews  zum Thema Governance, um die Entwicklung der Perspektiven, des Wissens und der Ziele von Personen und Institutionen in LandZukunft zu beurteilen.

Ergebnisse

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass das Modellvorhaben in den Regionen auf großes Engagement gestoßen ist. Die schnelle Umsetzung des Vorhabens war aber mit großem Aufwand und hohen Kompetenzanforderungen verbunden, die nicht überall vorausgesetzt werden können. Das Steuern über Ziele birgt die Gefahr von Interessenkoalitionen zwischen Kontrolleuren und Kontrollierten, um die Fördermittel auszugeben und Ergebnisse positiv nach außen darzustellen. Lernprozesse konzentrierten sich auf die Fähigkeiten, die nötig waren, um das Modellvorhaben finanziell abzuwickeln, während strategische Veränderungen und institutionelle Anpassungsprozesse wesentlich seltener zu beobachten waren. Nachhaltige Entwicklungen konnten vor allem dort angestoßen werden, wo an vorhandene Kompetenzen und Kapazitäten angeknüpft wurde. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen leitet die Begleitforschung Handlungsempfehlungen ab. So sollte beispielsweise das Steuern über Ziele nur dann für die ländliche Entwicklung in Betracht gezogen werden, wenn Innovationen nicht im Vordergrund stehen, sodass bereits Erfahrungswerte für mögliche Zielwerte und deren Verhandlung zwischen den Vertragspartnern vorliegen. Zudem sollte der thematische Fokus der Strategie möglichst eng gewählt werden, um die Definition und Kontrolle der Ziele sowie die Aneignung des nötigen Wissens zu erleichtern.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

11.2011 - 12.2015

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

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  1. Kundolf S, Küpper P, Margarian A, Wandinger C (2016) Koordination, Lernen und Innovation zur Entwicklung peripherer ländlicher Regionen : Phase II der Begleitforschung zum Modellvorhaben LandZukunft. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 574 p, Thünen Rep 41, DOI:10.3220/REP1468222254000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 6267 KB
  2. Küpper P, Kundolf S, Margarian A (2014) Neue Beteiligungs- und Steuerungsprozesse in der ländlichen Entwicklung : Phase I der Begleitforschung zum Modellvorhaben LandZukunft. Braunschweig: Johann Heinrich von Thünen-Institut, 242 p, Thünen Rep 18, DOI:10.3220/REP_18_2014
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 3556 KB
  3. Margarian A (2013) Educating mature citizens or qualified employees? : fundamental tensions in the bottom-up development of a local education system. Ber Inst Verkehr Raum 16:99-120
  4. Margarian A (2013) Public entrepreneurship for rural development: What hinders women’s engagement? Regions Mag 292(4):16-17
  5. Margarian A, Pezzei K, Kundolf S, Küpper P (2012) Wie plant man Innovation und Erneuerung? LandInForm(4):40-41

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