Institutsleitung

Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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SYNAKLI Natur- und Klimaschutz

Projekt

Neue Energielandschaft (c) Thünen-Institut/Norbert Röder
Die Bereitstellung von Energie prägt zunehmend unsere Landschaft und beeinflusst ihre Funktion als Lebensraum für Flora und Fauna (© Thünen-Institut/Norbert Röder)

Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung

Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung

Hintergrund und Zielsetzung

Der nationale Biomasseaktionsplan ist ein wichtiges Instrument zum Klimaschutz mit großem Einfluss auf die Landnutzung. Er hat jedoch diverse direkte negative Begleiterscheinungen auf die Biodiversität: Zunehmender Anbau von Mais als Substrat für Biogasanlagen führt etwa zum Umbruch von Grünland oder zur Verengung von Fruchtfolgen. Zudem werden immer mehr biogene Rohstoffe nachgefragt und die landwirtschaftliche Nutzfläche schrumpft – die verbleibenden Flächen müssen immer intensiver genutzt werden.
Im Rahmen des Vorhabens werden die aktuellen Wirkungen politischer Anreiz- und Steuerungsinstrumente hinsichtlich ihrer Effizienz und möglicher Synergien und Zielkonflikte in Hinblick auf Ziele des Klima- und Naturschutzes analysiert und bewertet. Die Bearbeitung konzentriert sich auf Instrumente, die eine naturverträgliche Landbewirtschaftung fördern. Dabei werden neben aktuell eingesetzten Instrumenten auch innovative Ansätze berücksichtigt. Abschließend formulieren wir Empfehlungen zur Weiterentwicklung des politischen Instrumentariums. Sie sollen eine verbesserte Abstimmung einzelner Sektorpolitiken im Hinblick auf die Realisierung von Klima- und Naturschutzzielen ermöglichen.

Vorgehensweise

Mit Hilfe sozialempirischer Forschungsmethoden diskutieren und bewerten wir die Projektkonzeption und die quantitativen Ergebnisse mit Experten, zum einen in Expertenworkshops, zum anderen mittels einer Delphi-Befragung.
Im Rahmen einer quantitativen Datenanalyse schätzen wir die Wirkungen einzelner Politikinstrumente auf Natur- und Klimaschutz ab. Hierfür werten wir Daten der Agrarstatistik und GIS-Daten aus. Die Ergebnisse zeigen die Flächenwirksamkeit der Maßnahmen. Gemeinsam mit den landbaulichen Analysen liefern sie die Grundlage, um die politischen Maßnahmen auf ihre fachliche Effizienz für den Klima- und Naturschutz hin zu beurteilen.

Daten und Methoden

Modellierung (RAUMIS), Delphi-Analyse, Literaturrecherche
GIS-Daten zur Landnutzung und Standorteigenschaften, Daten der Agrarstatistik

Ergebnisse

Die Ausbauziele für die Nutzung von Biomasse als Energieträger- abgeleitet aus den Klimaschutzzielen - resultieren in national nur schwer erfüllbaren Flächenansprüchen. Diese Nachfrage nach Energieträgern führt zusammen mit der weiterhin bestehenden Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen sowie Nahrungs- und  Futtermitteln zu einem hohen Flächennutzungsdruck. Diesem Druck stehen Forderung nach vermehrten Umwelt- und Naturschutzleistungen auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche gegenüber. Hauptkriterien bei der Empfehlung von Maßnahmen sind deshalb das flächenbezogene Treibhausgas-(THG)-Vermeidungspotenzial (pro ha) sowie die effizienzbezogenen THG-Vermeidungskosten je t CO2Äq.

Die quantitative Bewertung der Politikszenarien mit RAUMIS zeigt deutlich, ein bedeutender Flächenbedarf besteht, wenn die Klimaschutzziele mit landnutzungsrelevanten Maßnahmen erreicht werden sollen. Dieser Flächenbedarf lässt sich am ehesten begrenzen, wenn Maßnahmen mit einem hohen THG-Vermeidungspotenzial je ha zur Anwendung kommen. In den berechneten Szenarien war dies insbesondere die Restaurierung von kohlenstoffreichen Böden (Moorböden). Kurzumtriebsplantagen (KUP) haben eine geringere Flächeneffizienz sind aber auch sehr kosteneffizient. Energiemais zur Biogasgewinnung eignet sich weniger, da die THG-Vermeidungskosten je t CO2Äq. deutlich höher sind als bei anderen Maßnahmen. Flüssige Energieträger auf Basis von heimischen Raps, Weizen oder Zuckerrüben schneiden in der Bewertung noch schlechter als Energiemais ab.

Insgesamt sollten für die Erreichung von Synergien zwischen Klima- und Naturschutz in der Landbewirtschaftung die folgenden Grundsätze gelten:

Die Verknüpfung von effektiven Natur- und Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft auf Basis der Kriterien Treibhausgas-(THG)-Vermeidungspotenzial pro ha und die THG-Vermeidungskosten je t CO2Äq. verringert von vornherein die Notwendigkeit einer weiteren Abwägung dieser Ziele. Der Moorschutz eignet sich hier besonders, da er sowohl im Hinblick auf Klimaschutzziele kosten- und flächeneffizient ist und auch ein wichtiges Anliegen des Naturschutzes darstellt.

Klimaschutz lässt sich mit niedrigen THG-Vermeidungskosten auch ohne die Nutzung großer Anbauflächen realisieren. Eine Erhöhung der Stickstoffeffizienz bei der Düngung durch Vermeidung von Emissionen bei der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern führt zu positiven Klima- und Naturschutzwirkungen. Beim Einsatz von landwirtschaftlichen Reststoffen in der Biogaserzeugung wird immer noch nicht das gegebene Potential ausgenutzt. Ein echter Anreiz zur Verwendung dieser Stoffe (auch von Landschaftspflegematerial) bei gleichzeitig niedrigerer Vergütung von NawaRo vom Acker könnte einen positiven Beitrag leisten.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesamt für Naturschutz (BfN)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

10.2011 - 11.2014

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: UFOPLAN 2011, FKZ 3511 88 0200
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 5

  1. Röder N, Henseler M, Liebersbach H, Kreins P, Osterburg B (2015) Evaluation of land use based greenhouse gas abatement measures in Germany. Ecol Econ 117:193-202, DOI:10.1016/j.ecolecon.2015.06.007
  2. Bonn A, Berghöfer A, Couwebberg J, Drösler M, Jensen R, Kantelhardt J, Luthardt V, Permana IG, Röder N, Schaller L, Schweppe-Kraft B, Tanneberger F, Trepel M, Wichmann S, Schäfer A, Grützmacher F (2015) Klimaschutz durch Wiedervernässung von kohlenstoffreichen Böden. In: Hartje V, Wüstemann H, Bonn A (eds) Naturkapital und Klimapolitik : Synergien und Konflikte [Langfassung]. Berlin; Leipzig: Technische Universität Berlin; Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, pp 124-147
  3. Henseler M, Röder N, Liebersbach H, Kreins P, Osterburg B (2015) The mitigation potential and cost efficiency of abatement-based payments for the production of short-rotation coppices in Germany. Biomass Bioenergy 81:592-601, DOI:10.1016/j.biombioe.2015.08.007
  4. Röder N, Henseler M, Liebersbach H, Kreins P, Osterburg B (2014) Evaluation of land use based greenhouse gas mitigation measures in Germany : paper prepared for presentation at the EAAE 2014 Congress "Agri-Food and Rural Innovations for Healthier Societies" ; August 26th to 29th, 2014 ; Ljubljana, Slovenia [online]. Ljubljana: EAAE, 14 p, zu finden in <http://purl.umn.edu/182674> [zitiert am 23.10.2014]
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  5. Schuler J, Bues A, Henseler M, Krämer C, Krampe L, Kreins P, Liebersbach H, Osterburg B, Röder N, Uckert G (2014) Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung. Bonn: BfN, 187 p, BfN Skripten 382