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Anja Herkner
Institut für Ländliche Räume

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TRUSTEE Teilprojekt "Lokale Strategien für die wirtschaftliche Entwicklung"

Projekt

Produktion von Fertigprodukten der Ernährung (c) industrieblick - Fotolia.com
Industrielle Ernährungswirtschaft (© industrieblick - Fotolia.com)

TRUSTEE Transnationale Forschung zur Verknüpfung von Aspekten landwirtschaftlicher, ländlicher und nachhaltiger Entwicklung, Task 3.2: Lokale Strategien für die wirtschaftliche Entwicklung

In TRUSTEE  haben sich 16 europäische Partner aus 8 verschiedenen Ländern zusammengeschlossen. Wir wollen gemeinsam die komplexen Beziehungen zwischen ökonomischen Entwicklungen sowie  der Ressourcennutzung und -bewirtschaftung in ländlichen Räumen verstehen und weiter erforschen. Dazu arbeiten wir fachübergreifend in einem interdisziplinären Rahmen zusammen.
Im Teilprojekt 3.2  erkunden wir mithilfe eigener Erhebungen die spezifischen Probleme und Chancen ausgewählter ländlicher Arbeitsmärkte in insgesamt vier Regionen in Deutschland und Frankreich.

Hintergrund und Zielsetzung

Wir befassen uns damit, wie stark die Bedingungen lokaler Arbeitsmärkte und ihrer Institutionen die Handlungsmöglichkeiten und –spielräume von Unternehmen und Beschäftigten bestimmen. Dabei untersuchen wir die lokalen Institutionen des Arbeitsmarktes und die Strategien beteiligter Organisationen und Personen mit einem besonderen Schwerpunkt auf den Unternehmen. Die Leitfragen lauten:
- Wie stark reagiert das Personalmanagement auf die lokalen Rahmenbedingungen?
- Wie verhalten sich die Beschäftigten?  
- Und wie wird dadurch die weitere Unternehmens- und Wirtschaftsentwicklung beeinflusst?
Um diese Fragen zu beantworten, identifizieren wir zunächst Strategien von Unternehmen und anderen lokalen Akteuren im Umgang mit Fachkräften und vergleichen sie miteinander. Weitergehend untersuchen wir, wie sich die unterschiedlichen Strategien auf die Entwicklung der Unternehmen und speziell auf ihre Innovationstätigkeit auswirken. Vor diesem Hintergrund sollen Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit von Strategien auf andere Unternehmen und Regionen diskutiert werden.

Vorgehensweise

Wir konzentrieren uns auf die Situation von Unternehmen und Beschäftigten des Ernährungsgewerbes. Die Konzentration auf eine Branche gewährleistet, dass Strategien und Bedeutung des Umfeldes vergleichbar sind. Das Ernährungsgewerbe steht als typisch „ländlicher“ Sektor im Fokus. Darüber hinaus wird ihm, wie den Unternehmen „ländlicher“ Räume allgemein, oft eine geringe Innovationsneigung zugeschrieben. In der Studie wollen wir besser differenzieren und auch Innovationen in kleinen Schritten oder Erneuerungen der Organisationsstruktur würdigen. Dadurch hoffen wir dazu beizutragen, dass künftig auch Unternehmen bewertet werden können, die nicht zum Hochtechnologiebereich gehören. Wir verwenden einen Fallstudienansatz, das heißt die Fragestellung wird beispielhaft und intensiv in ausgewählten Regionen untersucht. Von den insgesamt vier Fallregionen liegen zwei in Frankreich und zwei in Deutschland. In jedem Land werden wir eine eher zentrale Arbeitsmarktregion und eine eher peripher gelegene Region mit hoher Bedeutung der Ernährungswirtschaft untersuchen. Innerhalb jeder Region identifizieren wir die arbeitsmarktrelevanten Institutionen und die Unternehmen des Ernährungsgewerbes und klassifizieren sie zunächst nach beobachtbaren Merkmalen. Dann werden die weiteren Strategien und Eigenschaften der Institutionen durch eigene Erhebungen identifiziert. Da wir so auch die Strategien verschiedener Unternehmen und Unternehmenstypen innerhalb einer Region untereinander vergleichen, ergeben sich trotz der relativ geringen Zahl an Fallregionen viele Vergleichsdimensionen.

Daten und Methoden

Die Fallstudienregionen bestimmen wir mithilfe einer statistischen Analyse. Die Auswertung von Regionaldaten der amtlichen Statistik dient auch dazu, die ausgewählten Regionen genauer zu charakterisieren und zu beurteilen.   
In  intensiven Internet- und Dokumentenanalysen haben wir qualitative Daten zu den Regionen, ihren Institutionen und Unternehmen gesammelt, anhand derer eine weitere Charakterisierung und Klassifizierung erfolgt. Dieser Schritt dient in erster Linie der Vorbereitung der weiteren Erhebungen. Oft lassen sich anhand von Webauftritten die Strategien einiger Akteure am Arbeitsmarkt, im Beschäftigungsmanagement und in der Marktpositionierung grob identifizieren. .
Die Untersuchungen in den Regionen selbst beginnen mit einem Workshop für die lokalen Akteure der Wirtschaft. Er dient der Information über das Vorhaben. Externe Referenten liefern Inputs zur Bedeutung des internen Personalmanagements und zu externen Institutionen des Arbeitsmarktes unter verschiedenen Rahmenbedingungen. Abschließend gibt es die Gelegenheit zur Diskussion bzw. zum Austausch der eigenen Erfahrungen mit den vorgestellten Ansätzen.  
In die Studie fließen vor allem Informationen aus eigenen Erhebungen ein. Neben teil-standardisierte Befragungen zu Strategien und Handlungsspielräumen des Managements und der Beschäftigten in regionalen Betrieben der Ernährungswirtschaft werden Strategien und Erfahrungen anderer für den lokalen Arbeitsmarkt relevanter Institutionen in Interviews erhoben. Einbezogen werden öffentliche und private Bildungseinrichtungen ebenso wie Stadt-/ Landkreisverwaltungen, Arbeitsagenturen, IHK, HWK und andere Dienstleister, Verbände, Netzwerke und Vereine.

Ergebnisse

Auf der Unternehmensebene wurden die Determinanten von Innovation und ihr Zusammenhang mit dem internen und externen Arbeitsmarkt untersucht. Wir können zeigen, dass es nicht ausreicht zwischen innovativen und nicht innovativen Betrieben zu unterscheiden, sondern dass gerade kleinere und größere Unternehmen sich eher in der Art ihrer Innovationstätigkeit unterscheiden, indem kleine durch ungeplante und große durch geplante Innovationen gekennzeichnet sind. Betriebe mit geplanter Innovation zeigen nach unseren Ergebnissen eine größere Abhängigkeit  von den lokalen Bedingungen als Betriebe mit ungeplanten Innovationen. Von besonderer Relevanz ist entsprechend unserer Hypothese die Inter-Firm Mobilität der Beschäftigten. Die ungeplante Innovation hängt stärker von den internen Human Resource Management (HRM) Strategien ab als von den regionalen Bedingungen. Insbesondere gibt es einen Zusammenhang zwischen Innovation und Mitarbeiterbeteiligung bzw. Weiterbildung.

In der quantitativen Untersuchung der Strategien von Jobcentern konnten wir zeigen, dass die Organisationen unterschiedliche Strategien verfolgen und dass die Strategien sowohl von den regionalen Bedingungen als auch von der internen Organisation der Einheiten und der intrinsischen Orientierung der Beteiligten abhängt. Insbesondere konnten wir zeigen, dass Entscheidungsautonomie anhand der Fähigkeit, externen Determinanten entgegenzuwirken gemessen werden kann. Die Fähigkeit dazu hängt von institutionellen Freiräumen und verfügbaren Ressourcen ebenso ab wie vom Wissen über die eigene Umwelt. Diese Ergebnisse lassen sich weitgehend durch die qualitativen Untersuchungen in den Workshops und den Interviews mit zentralen Einrichtungen zur Weiterbildung in den Fallregionen bestätigen.

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Ehemalige Thünen-Partner

  • Lilje, Alena - sie war bis 01.10.2015 Mitarbeiterin in diesem Forschungsprojekt.
             

Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

10.2013 - 2.2017

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Förderprogramm: EU – ERA-NET RURAGRI
Projektstatus: abgeschlossen

Publikationen zum Projekt

Anzahl der Datensätze: 2

  1. Margarian A, Lankau M (2018) Anpassungs- und Gestaltungsfähigkeit regionaler Systeme beruflicher Weiterbildung : eine institutionenökonomische Analyse. Z Weiterbildungsforsch 41(1):7-26, DOI:10.1007/s40955-018-0103-y
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 422 KB
  2. Margarian A (2014) One bird in the hand...: the local organization of surveys and qualitative data [online]. Forum Qual Sozialforsch 15(3):Art. 13, zu finden in <http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/2160> [zitiert am 29.08.2014]