Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Annette Pontillo
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Entscheidungsbäume zur Parasitenkontrolle bei Weidehaltung

Projekt

 (c) Solveig March

Unterstützung der betrieblichen Endoparasitenbekämpfung der Wiederkäuer im Ökolandbau - Entscheidungsbaum für Rinder / Schafe / Ziegen

Wenn Wiederkäuer auf der Weide gehalten werden, ist die Kontrolle von Magen-Darm-Würmern entscheidend für die Tiergesundheit – auch für den ökonomischen Erfolg des Landwirts. Dabei sollen zukünftig möglichst wenig Arzneimittel verwendet werden.

Hintergrund und Zielsetzung

Weidegang eignet sich am besten als Haltungssystem für Wiederkäuer. Aber alle Wiederkäuer können sich beim Grasen mit Magen-Darm-Parasiten infizieren. Wer Tiergesundheit vorausschauend plant, muss verhindern,

  • dass parasitäre Erkrankungen auftreten,
  • dass eine niedrigere Leistung den wirtschaftlichen Erfolg des Tierhalters reduziert,
  • dass die Weiden übermäßig mit Parasiteneiern kontaminiert werden und an die Tiere eine große Menge von Arzneimitteln verabreicht werden muss, damit sie weiden können,
  • dass eine unnötig große Menge an Entwurmungsmitteln angewendet wird.

Außerdem sollte nur der optimale Wirkstoff mit der geringsten Schädigung von Natur und Umwelt angewandt werden. Der Tierhalter sollte nur zum richtigen Moment die richtigen Tiere behandeln. Dies hilft nicht nur der Umwelt, sondern verzögert auch die Ausbreitung von Wurmpopulationen, die resistent gegen Anthelminthika sind.

Dass alle Wiederkäuer weiden können, ist ein wichtiges Ziel in der nachhaltigen Landwirtschaft. Verbraucher, die eine tiergerechte Haltung möchten, erwarten das. Gleichzeitig bedeutet mehr Weidegang für die Tiere auch höhere Risiken, sich zu infizieren und krank zu werden. Durch geschickte Planung des Weidewechsels können aber oft beide Ansprüche erfüllt werden. Innerhalb des Betriebsplans für das Management von Weiden kann der Landwirt die Maßnahmen, die für die Parasiten-Prophylaxe wichtig sind, zusammen mit anderen betrieblichen Aufgaben - zum Beispiel dem Zeitpunkt des Mähens – abstimmen. Er könnte zum Beispiel Flächen vorhalten, die keine Wurmlarven beherbergen. Allerdings muss es sich für den Landwirt lohnen, aufwendig zu planen und Parasiten nachhaltig zu bekämpfen.

Wir wollten deshalb ein einfaches Management-Tool anbieten: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den etwas komplizierten Lebenszyklen der Parasiten sollen in einer Weise dargestellt werden, die dem Landwirt erlaubt, die Parasiten-Prophylaxe in seine Weideplanung mit einzubeziehen – mit dem entsprechenden fachlichen Hintergrundwissen. Außerdem wollten wir grundsätzliche Vorschläge für eine nachhaltige Parasitenbekämpfung und effiziente Anwendung von Medikamenten anbieten.

Vorgehensweise

Für diese Aufgabe hat es sich bewährt, einen Entscheidungsbaum zu erstellen. In den Niederlanden ist für Jungvieh in der intensiven Milchviehhaltung ein Entscheidungsbaum bereits seit mehreren Jahren online (www.parasietenwijzer.nl). Die fachlichen Empfehlungen entsprechen dem Stand des Wissens und sind in Kooperation mit der Fakultät für Veterinärmedizin der Universität Utrecht zusammengestellt worden.

Daten und Methoden

Die Entscheidungsbäume haben wir in Anlehnung an die niederländische Vorlage und mithilfe des Freeware-Grafik-Programms yED-Graph Editor® erstellt. Die Website haben wir  in Kooperation mit der IT-Abteilung des Thünen-Institutes in TYPO3 aufgebaut.

Ergebnisse

In den vergangenen Jahren sind vier Entscheidungsbäume in deutscher Sprache entstanden, einer für intensiv gehaltene Jungrinder in der ersten Weidesaison, einer für Jungvieh in Mutterkuhherden und zwei für Lämmer in der intensiven Schaf- beziehungsweise Ziegenhaltung. Mit Antworten auf die Ja / Nein - Fragen zum Weidegang der Tiere (Großbuchstaben im Navigationsschema), navigiert man durch den Entscheidungsbaum. Nach Durchlaufen des Navigationsschemas endet der Entscheidungsbaum an einer Empfehlung (Ziffern im Navigationsschema). Diese Empfehlungen haben prioritär die Sicherheit der Tiere im Fokus.

Der Landwirt erhält zum Beispiel die Empfehlung abzuwarten und die Tiere aufmerksam zu beobachten oder ein Monitoring zum Ausscheiden von Wurmeiern in der Herde durchzuführen. Wir empfehlen auch, ob eher lang oder kurz wirkende Wurmmittel angebracht sind.

Nach deutschem Recht dürfen Pharmazeutika nicht mit ihrem Handelsnamen veröffentlicht werden. Im Entscheidungsbaum ist deshalb eine Liste der zugelassenen pharmakologisch wirksamen Stoffe zu finden. Alle Entwurmungsmittel sind verschreibungspflichtig. Im Ökolandbau sind alle zugelassenen Entwurmungsmittel ohne Einschränkung erlaubt, allerdings sind doppelt so lange Wartezeiten einzuhalten. In der Europäischen Union sind für lebensmittelliefernde Tiere solche Stoffe nicht zugelassen, die nicht registriert sind und keinen geprüften Wert für die maximalen Rückstände in Fleisch, Milch oder Eiern haben. Dies betrifft auch Phytotherapeutika oder andere Alternativen, die manchmal zur Entwurmung verwendet werden. Diese Mittel werden daher nicht in den Entscheidungsbäumen erwähnt.

Durch Versuch und Irrtum kann der Landwirt die verschiedenen Wege durch das Navigationsschema der Entscheidungsbäume ausprobieren. Er kann herausfinden, welche Weidebedingungen erfüllt sein müssen, um seine Arzneimittelverbrauch zu reduzieren und gleichzeitig die Gesundheit seiner Tiere und den wirtschaftlichen Erfolg nicht zu gefährden.

Entscheidungsbäume sind nur ein Werkzeug und Empfehlungen können manchmal zu streng ausfallen, um eine Krankheit zu verhindern. Beispielsweise liegt bei Rindern der Schwellenwert bei 100 Eiern von Magen-Darm-Würmern pro Gramm Kot (EPG) in einer Herdensammelprobe. Ist er erreicht, wird in manchen Fällen zur Behandlung geraten. Dieser Wert könnte zu konservativ sein. Aber man muss im Hinterkopf behalten, dass diese Schwellenwerte auch verhindern sollen, dass die Weiden zu stark mit Wurmeiern kontaminiert werden. Die Flächen bleiben somit relativ sicher für die Beweidung mit nachfolgenden Wiederkäuern. Ein weiteres Problem bei der Anwendung des Entscheidungsbaums kann die Suche nach einem Labor sein, das bereit und in der Lage ist, Eier nach der McMaster-Methode zu zählen. Wir wollen diese Probleme zusammen mit Fragen zu Verständlichkeit und Praktikabilität in einem Modell- und Demonstrationsvorhaben evaluieren.

 Zusätzlich zu den Entscheidungsbäumen bietet die Website verschiedene biologische und technische Informationen über Würmer bei Wiederkäuern. In den kommenden Jahren werden wir die Seiten regelmäßig aktualisieren und durch Kommunikation mit Anwendern und Fachleuten ständig verbessern.

Letztendlich hoffen wir, dass allen Wiederkäuern eine geeignete Weide angeboten wird, auch den Jungtieren, obwohl sie besonders empfänglich für Würmer sind. Durch vorausschauendes Weidemanagement und regelmäßiges Zählen der Wurmeier im Kot, ergänzt mit zielgerichteter Entwurmung, sind Infektionen mit Magen-Darm-Parasiten beherrschbar.

Im Internet unter "www.weide-parasiten.de" sind diese Entscheidungsbäume frei zugänglich.

Links und Downloads

- www.weide-parasiten.de

- www.parasietenwijzer.nl

- Etablierung der Entscheidungsbäume in der Praxis im Rahmen eines Modell- und Demonstrationsvorhabens Tierschutz

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

11.2009 - 9.2011

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 08OE162
Förderprogramm: Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)
Projektstatus: abgeschlossen

Literatur

Anzahl der Datensätze: 8

  1. Koopmann R, Kühne S (2017) Tierarzneimittel (Antiparasitika) im Kuhfladen - Ein Risiko für Nicht-Ziel-Organismen (Literaturübersicht). Landbauforsch Appl Agric Forestry Res 67(2):70-92, DOI:10.3220/LBF1501500814000
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 235 KB
  2. Koopmann R (2015) Ein Weg zur gezielten Entwurmung bei Ziegen. Forschungsrep Spezial Ökol Landbau:20-21
  3. Koopmann R, Dämmrich M, Ploeger H (2014) Online decision trees to support the control of gastrointestinal worms in ruminants. Thünen Rep 20, Vol. 2:331-334
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 584 KB
  4. Koopmann R, March S, Brinkmann J (2014) Parasitenprophylaxe durch Weidemanagement - Entscheidungsbäume können helfen. Tierärztl Umsch 69(4):107-111
  5. Koopmann R, Dämmrich M, Ploeger H (2013) Entscheidungsbaum zur vorausschauenden Bekämpfung von Magen-Darm Würmern bei Wiederkäuern. In: Neuhoff D, Stumm C, Ziegler S, Rahmann G, Hamm U, Köpke U (eds) Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Ideal und Wirklichkeit: Perspektiven ökologischer Landbewirtschaftung . Berlin: Köster, pp 474-475
  6. Koopmann R (2013) Hilfe bei Weideparasiten. Wochenbl Magazin Baden-Württemberg(2):23
  7. Koopmann R, Dämmrich M, Ploeger H (2013) Weidegang ohne Risiko : neue Wege zur Kontrolle von Darmparasiten bei Wiederkäuern. Forschungsrep Spezial Ökol Landbau 2013:12-13
    PDF Dokument (nicht barrierefrei) 137 KB
  8. Dämmrich M, Ploeger H, Koopmann R (2011) Parasitenkontrolle und Weidemanagement mithilfe eines interaktiven Entscheidungsbaumes am Beispiel der Magen-Darm-Strongyliden bei Rindern in Norddeutschland. In: Leithold G, Becker K, Brock C (eds) Beiträge zur 11. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau : Es geht ums Ganze: Forschen im Dialog von Wissenschaft und Praxis : Bd. 2, Tierproduktion und Sozioökonomie. Berlin: Köster, pp 68-69