Federführendes Institut
Themenfelder

The European Charcoal Transition

Projekt

 (c) Thünen-Institut

The European Charcoal Transition

Das Projekt "The European Charcoal Transition" verfolgt das Ziel, die Entwicklungen des internationalen Holzkohlehandels zu untersuchen, zu beschreiben und zu dokumentieren um daraus Handlungsempfehlungen für die Politik und den Umweltschutz abzuleiten

Hintergrund und Zielsetzung

Seit 2017 werden am Thünen-Institut für Holzforschung routiniert Untersuchungen an Holzkohle und Briketts durchgeführt. Mit Hilfe der anatomischen Untersuchungen kann überprüft werden, ob die Deklarationen auf den Verpackungen der Warenmuster korrekt sind. Zudem können die Herkunftsangaben über die Verbreitungsgebiete der bestimmten Taxa hinterfragt werden (v. a. tropisch vs. nichttropisch). Die Untersuchungen, die häufig in kooperativen Studien mit Umweltschutzorganisationen wie dem WWF durchgeführt werden, leisten einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung für die Produzenten und Händler der Produkte und dienen gleichermaßen dem Verbraucherschutz.Darüber hinaus generieren sie wichtige Daten für das Verständnis der Warenströme des internationalen Holzkohlehandels.

Im Kontext der Studien konnte beobachtet werden, dass sich immer mehr Holzkohle-Substitute aus umweltfreundlicheren Roh- und Reststoffen, wie „Non-Timber-Forest-Products“ (NTFPs), auf dem Markt etablieren. In Kooperation mit dem Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT werden derzeit anatomische Studien zur Charakterisierung der Struktur wichtiger NTFPs, wie z. B. Kokosnussschalen, Oliven- oder Mangokernen, durchgeführt, um diese zu beschreiben und in der Praxisanwendung bei Marktanalysen sicher
identifizieren zu können.

Zielgruppe

Wissenschaft, Umweltschutz, Politik und Handel

Vorläufige Ergebnisse

Studie I: The European Charcoal Trade

In zwei Studien des WWFs und des Thünen-Instituts in den Jahren 2017 und 2018, die in Deutschland und der Schweiz durchgeführt wurden, konnte festgestellt werden, dass auf einem Großteil der Verpackungen gehandelter Holzkohleprodukte keinerlei Angaben zu den verarbeiteten Arten oder deren Herkünften angegeben waren. Da Grillkohle nach wie vor nicht unter die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) fällt, kann sie weiterhin unkontrolliert in der EU gehandelt werden. Eine Deklarationspflicht besteht einzig in der Schweiz.  Die Ergebnisse der Studien zeigten allerdings deutlich, dass ein Großteil der untersuchten Holzkohleproben nicht aus „heimischen Wäldern“ stammte. Bei rund 85 % der in Deutschland verkauften Holzkohle 2017/18 handelte es sich um Importware aus dem Ausland, häufig aus tropischen und subtropischen Regionen, aber auch aus osteuropäischen Wäldern wie z.B. der Ukraine (Zahnen et al. 2020). Die Ergebnisse der Studien veranlassten das Thünen-Institut und den WWF, in der Saison 2019/2020 eine großangelegte Untersuchung vorzunehmen, um die aktuelle Situation auf dem europäischen Markt darzustellen und insbesondere zu prüfen, wie hoch die Anteile von Hölzern aus subtropischen und tropischen Herkünften in den einzelnen Ländern liegen und wie hoch die Anteile an zertifiziert nachhaltigen und nicht zertifizierten Produkten sind (Haag et al. 2020).  Für diese Marktanalyse wurden Stichproben von 150 Säcken mit Holzkohle und Holzkohlebriketts untersucht. Diese wurde zwischen Oktober 2019 und April 2020 in elf europäischen Ländern (Deutschland, Polen, Schweiz, Spanien, Italien, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Ukraine, Tschechische Republik und Belgien) im Einzelhandel, in Baumärkten, an Tankstellen etc., eingekauft. Aus jeder Packung wurden 30 stichprobenartig ausgewählte Holzfragmente untersucht, um die Zusammensetzung der darin enthaltenen Holzarten zu bestimmen. Insgesamt wurden somit über 4.500 Kohlefragmente mikroskopisch analysiert.

Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend. Etwa 46 Prozent der in Europa gehandelten Produkte enthielten Holzkohle aus tropischen Regionen. Etwa 44 Prozent der untersuchten Produkte stammt aus Risikogebieten. Zu den kritischen EU-Produktionsländern gehören u.a. die Ukraine, Nigeria oder Paraguay, die für illegalen Holzeinschlag, Waldzerstörung oder Korruption bekannt sind. Rechnet man den Anteil der risikobehafteten Holzkohleprodukte aus Hochrisikoländern in Rundholzäquivalente (Kubikmeter) um und geht von ineffizienten Produktionstechniken aus, so ergibt sich eine Menge von 1,6 bis über 6 Millionen Kubikmetern potenziell illegalen Holzes, die jedes Jahr auf den EU-Markt gelangen.

Eine sorgfältige Prüfung der Deklarationen auf den Verpackungen, der begleitenden Bescheinigungen (Deklarationen in Zertifikaten) und der Angaben zum Ursprung zeigte ebenfalls ein Besorgnis erregendes  Ergebnis: Nur 25 % der untersuchten Produkte enthielten Angaben/Deklaratioonen auf den Säcken (z.B. über die verarbeitete Holzarten), und weit über die Hälfte dieser Angaben waren falsch und/oder unvollständig.

Bei einer angegliederten Untersuchung in Deutschland wurden sieben Sortimente untersucht, die speziell die Deklaration „Buchenholzkohle“ trugen: Alle sieben Produkte enthielten andere Holzarten als Buchenholz und zwei Produkte enthielten überhaupt kein Buchenholz.

Studie II: Anatomical investigation of residual NTFPs (Non-Timber Forest Products/Shells and Nuts) for charcoal production

Die seit 2016 regelmäßig durchgeführten Untersuchungen zeigen, dass eine deutliche Zunahme an Substitutionsprodukten von Holzkohle wahrzunehmen ist. Während zunächst Fragmente organischen Materials detektiert wurden, die bis dahin nicht sicher zugeordnet werden konnten, wurden parallel Studien an wichtigen NTFPs durchgeführt, um diese anatomisch zu charakterisieren und sicher von verkohltem Holzgewebe differenzieren zu können.  Problematisch hierbei ist, dass die relevanten Materialien wie beispielsweise Kokosnuss- und Walnussschalen oder Olivenkernen zu einem Großteil aus sklereiden Zellen bestehen und extrem hart sind. Eine Präparation von Dünnschnitten mit einem Schlittenmikrotom, wie es üblicherweise für holzanatomische Studien durchgeführt wird, ist hier weitestgehend nicht anwendbar. Aus diesem Grund wird derzeit in Kooperation mit dem Fraunhofer-Entwicklungszentrum Röntgentechnik EZRT eine Studie zur Charakterisierung und Beschreibung der zellularen Struktur wichtiger NTFPs durchgeführt, die ergänzend auf alternativen modernen Untersuchungsmethoden basiert. Hierbei wird das Untersuchungsmaterial jeweils mit folgenden Methoden mikroskopisch analysiert:

  • Hellfeldmikroskopie an Mikrotom-Dünnschnitten: Die Schnitte wurden aus in PEG oder Kunstharz eingebettetem Material hergestellt
  • 3D-RLM: “3D-Reflected-Light-Microscopy” = Dreidimensional darstellende Auflichtmikroskopie
  • Mazeration: Auflösung des Zellverbunds zur Untersuchung der verschiedenen Zelltypen im Hellfeldmikroskop
  • Mikro-CT: Hochauflösende Computertomographie

Je nach Material und Beschaffenheit der Untersuchungsmaterialien waren die Methoden jeweils unterschiedlich erfolgreich. Abschließend konnten jedoch für alle ausgewählten NTFPs ausführliche Beschreibungen auf Basis von hochauflösendem und zum Teil dreidimensional dargestelltem Bildmaterial erstellt werden, die derzeit bereits in aktuellen Fallstudien genutzt werden.

 

Links und Downloads

www.researchgate.net/publication/344283401_The_European_charcoal_trade

www.researchgate.net/publication/345940006_Grillkohle_2020_Eine_EU-Marktanalyse

www.researchgate.net/publication/346569778_2020_Analysis_of_the_EU_Charcoal_Market

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Zeitraum

Daueraufgabe 9.2019

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft