Wertholz Projekt

Projekt

Bildtafel: Gespaltener Ahornstumpf mit charakteristischer Riegelstruktur (Hintergrund), mikroskopische Aufnahme von geriegeltem Ahorn (links-oben), In-Vitro-Kulturen von Ahornbäumen (rechts-unten)  (c) Thünen-Institut
Bildtafel: Gespaltener Ahornstumpf mit charakteristischer Riegelstruktur (Hintergrund), mikroskopische Aufnahme von geriegeltem Ahorn (links-oben), In-Vitro-Kulturen von Ahornbäumen (rechts-unten) (© Thünen-Institut)

Strategien zur Erzeugung von Werthölzern

Das Ziel des Verbundprojekts ist die Erhöhung des Wertschöpfungspotentials europäischer Wirtschaftsbaumarten. Hierzu sollen Methoden erarbeitet werden, die zur Erhaltung, Vermehrung und Verwertung von Bäumen mit besonderen Holzstrukturen beitragen.

Hintergrund und Zielsetzung

Bekannte Beispiele für Bäume mit wertsteigernden Holzmerkmalen sind der besonders ästhetische Riegelahorn, der Vogelaugenahorn und die Maserbirke. In dem Verbundprojekt Wertholz arbeiten insgesamt sechs Projektpartner aus den Bereichen Genetik, Pflanzenanzucht- und Vermehrung (auf Basis von In-Vitro-Kulturen) sowie Holzforschung interdisziplinär zusammen. Insbesondere sollen hier die Fragen geklärt werden, wie die besonderen Strukturen entstehen (genetisch bzw. anatomisch-strukturell bedingt), wie sie vererbt werden und wie die Bäume wirtschaftlich effizient genutzt werden können.

Eine bereits vorhandene Riegelahorn-Sammlung soll zu einer Wertholz-Sammlung ausgebaut werden, indem weitere Wertholzklone gesammelt werden, die wiederum von Spenderbäumen stammen, deren Stämme auf Wertholzsubmissionen vielversprechend angeboten wurden. Von diesen wird Kronenreisermaterial oder, im Idealfall, Wurzelschosslinge bzw. Stockausschläge für die Etablierung von Gewebekulturen verwendet. Die etablierten Klone stellen ein langfristig erhaltungsfähiges Archiv des genetischen Materials dar, mit dem die Entwicklung von kommerziell anwendbaren Mikrovermehrungsprotokollen optimiert und nennenswerte Stückzahlen an klonalen Jungpflanzen für die Verwendung im Forstbereich generiert werden können. Das erzeugte Pflanzenmaterial soll als hochpreisiges Vermehrungsgut vermarktet werden. Da die Nutzung des Holzes erst in mehreren Jahrzehnten zu erwarten ist, sind heute Prognosen sehr schwierig, welche Hölzer und Maserungen in Zukunft besonders gefragt sein werden. Daher wird sich dieses Projektvorhaben nicht nur auf den heute wirtschaftlich sehr interessanten Riegelahorn konzentrieren, sondern auch andere geriegelte Baumarten und andere besondere Maserungen im Fokus haben. Bei Baumarten, die dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) unterliegen, werden Klonprüfungen für eine spätere Zulassung als geprüftes Vermehrungsgut durchgeführt. Um eine frühzeitige Verwertung zu ermöglichen, wird eine vorläufige Zulassung angestrebt. Um dies zu unterstützen, werden Untersuchungen zur Vererbbarkeit und zu den Ursachen der Riegelung durchgeführt.

Die Projektkoordination wird wie im Vorgängerprojekt (Riegelahorn) von Dr. Michael M. Wallbraun von RLP AgroScience GmbH (Deutschland, Neustadt a.d.W.) durchgeführt.

Zielgruppe

Wissenschaft, Produzenten und Handel

Vorläufige Ergebnisse

Im Rahmen des Vorgängerprojektes „Riegelahorn“ konnten bereits wichtige Ergebnisse erzielt werden, auf denen das aktuelle Projekt „Wertholz“ aufbaut.

Es existieren bereits vier Versuchsflächen zur Klonprüfung von 17 gut vermehrbaren Riegelahorn-Klonen, die gemeinsam vom Thünen-Institut für Forstgenetik und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) angelegt wurden. Sie werden mit dem Ziel der Identifizierung forstlich geeigneter Klone und deren Zulassung nach dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) weiter betreut. Wertvolles Ursprungsmaterial von weiteren hochpreisigen Riegelahornstämmen wurde durch Pfropfungen langfristig gesichert. Die entwickelten Methoden zur In-Vitro-Etablierung und Mikrovermehrung werden als standardisiertes Mikrovermehrungsprotokoll auch für die kommerzielle Anwendung bei den Projektpartnern IFP und Hummel eingesetzt.

In zwei Versuchsflächen zur Nachkommenschaftsprüfung von geriegelten und ungeriegelten Klonen einer Bergahorn-Samenplantage der NW-FVA wurde vom Thünen-Institut für Forstgenetik eine Elternschaftsanalyse mit Mikrosatellitenmarkern durchgeführt. An einer Stichprobe von zunächst 21 gefällten Bäumen dieser ca. 30 Jahre alten Nachkommenschaftsprüfungen wurde vom Thünen-Institut für Holzforschung die Holzausbildung, insbesondere das Merkmal Riegelung untersucht. Der Anteil der geriegelten Proben lag bei den Nachkommen von geriegelten Klonen (Mutter und/oder Vater geriegelt) bei 43 % und damit deutlich höher als bei Nachkommen nichtgeriegelter Klone oder unbekannter Eltern. Die Untersuchung dieser kleinen Stichprobe unterstützt die Hypothese einer Vererbarkeit des Merkmals Riegelung.

Im Rahmen der Holzanalysen, die am Thünen-Institut für Holzforschung durchgeführt wurden, konnte eine sichere Methode zur Charakterisierung der Riegelung für gefällten Bergahorn erarbeitet werden. Die destruktive Methode beurteilt die Riegelung anhand der makroskopischen Analyse von Stammstücken von ca. 1 m Länge und klassifiziert die Riegelung anhand von vier Kategorien (Riegelung: deutlich, mittelstark, schwach, nicht geriegelt) und gibt damit zuverlässig Auskunft über die Qualität der Maserungscharakteristik der untersuchten Hölzer.

Links und Downloads

Riegelahornprojekt: www.thuenen.de/index.php

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner


Geldgeber

  • Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

6.2021 - 5.2024

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektfördernummer: 2221NR009C
Projektstatus: läuft