Was sind die Auswirkungen nach Einsatz eines Bodenschleppnetzes?

Projekt

Ein Schleppnetz wird eingeholt (c) Thünen-Institut
Ein Schleppnetz wird eingeholt (© Thünen-Institut)

Untersuchungen zur Änderung der benthischen und demersalen Fischfauna nach Ausschluss mobiler grundberührender Fanggeräte in den Meeresschutzgebieten der Ostsee sowie zu kurz- und mittelfristigen Auswirkungen nach Einsatz eines kommerziellen Grundschleppnetzes

Die Vorbehalte gegen den Einsatz von Grundschleppnetzen in den Meeren sind groß, auch wenn der größte Teil des Wildfangs auf unseren Tellern genau aus dieser Fischerei kommt. Aber welche Auswirkungen hat diese Fangmethode wirklich? Und wie lange dauert es, bis sich ein intensiv genutztes Gebiet nach Ausschluss der Fischerei erholt? Ein nationales Großprojekt beleuchtet diese Frage in einem interdisziplinären Ansatz: Vom Sandkorn über winzige Einzeller bis hin zu größeren bodenlebenden Fischen untersuchen wir den Einfluss der Grundschleppnetzfischerei in den deutschen Natura 2000-Schutzgebieten der Ostsee unmittelbar vor dem Ausschluss bodenberührender Geräte aus diesen Gebieten, und dann wieder in bestimmten Zeitabständen.

Hintergrund und Zielsetzung

Der Einsatz mobiler grundberührender Fischereigeräte (MGF; Grundschleppnetze) kann zu Veränderungen der bodenlebenden Fischfauna in den befischten Gebieten führen. Aufgrund der potentiellen Störungen wird diese Art der Fischerei in den Natura 2000 Schutzgebieten der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee zukünftig ausgeschlossen. In der Ostsee und insbesondere in deren deutschen Gewässern gibt es bisher jedoch kaum Studien, bei denen mögliche Veränderungen der benthischen und demersalen Fischfauna nach Ausschluss mobiler grundberührender Fanggeräte untersucht wurden. In diesem Projekt sollen daher derartige Untersuchungen in den beiden Meeresschutzgebieten Fehmarnbelt und Pommersche Bucht mit Oderbank durchgeführt werden.

Vorgehensweise

Um die potentiellen Auswirkungen des Ausschlusses mobiler grundberührender Fischerei in den Meeresschutzgebieten der Ostsee auf die Fischfauna zu erforschen, werden noch vor dem Ausschluss von MGF die Fischgemeinschaften in den beiden Projektgebieten untersucht. Sowohl innerhalb der Meeresschutzgebiete als auch in direkt benachbarten Referenzflächen werden Fänge mit Forschungsbaumkurren durchgeführt und die vorkommende Fischgemeinschaft erfasst. Zudem werden fischereibiologische Parameter wie Länge, Gewicht, Reife und Alter einzelner Individuen aufgezeichnet, um u.a. den Fitnesszustand der Fische bewerten zu können. Diese Untersuchungen sollen über die gesamte Projektlaufzeit im Sommer und im Winter wiederholt werden, um die jahreszeitlichen Veränderungen der lokalen Fischfauna zu erfassen. In Kooperation mit der Universität Rostock werden zudem einige der Fänge zur Analyse des Nahrungsnetzes in den Untersuchungsgebieten herangezogen. Anhand dieser mehrjährigen Basisaufnahme können anschließend - nach erfolgtem Ausschluss der mobilen grundberührenden Fischerei - mögliche Veränderungen in der Fischfauna verfolgt und bewertet werden. Außerhalb der Schutzgebiete ist zusätzlich ein Experiment geplant, in dem kurz- und mittelfristige Änderungen in der Fischfauna direkt nach der Befischung eines Gebietes mit einem Grundschleppnetz durch ein kommerzielles Fischereifahrzeug in-situ untersucht werden. Außerdem soll - im Austausch mit den lokalen Fischern und den zur Verfügung stehenden Fischereiaufwandsdaten - die Fischereidynamik innerhalb der Meeresschutzgebiete Fehmarnbelt und Pommersche Bucht mit Oderbank im Hinblick auf saisonale Nutzungsmuster beschrieben werden.

Links und Downloads

Link zum IOW: www.io-warnemuende.de/dam-mgf-ostsee-start.html

Link zur DAM: www.allianz-meeresforschung.de/dam-pilotmissionen/

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
    (Warnemünde, Deutschland)
  • Universität Rostock
    (Rostock, Deutschland)
  • Senckenberg am Meer
    (Wilhelmshaven, Deutschland)
  • Universität zu Köln
    (Köln, Deutschland)
  • Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung
    (Kiel, Deutschland)
  • Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ)
    (Potsdam, Deutschland)

Geldgeber

  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    (national, öffentlich)

Zeitraum

3.2020 - 2.2023

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft

Publikationen

Anzahl der Datensätze: 1

  1. Kriegl M, Elias Ilosvay XE, Dorrien C von, Oesterwind D (2021) Marine protected areas: At the crossroads of nature conservation and fisheries management. Front Mar Sci 8:676264, DOI:10.3389/fmars.2021.676264
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