Federführendes Institut
Themenfelder

Institutsleitung

Sekretariat

Institut für Fischereiökologie

Herwigstraße 31
27572 Bremerhaven
Telefon: + 49 471 94460 201
Fax: + 49 471 94460 199
fi@thuenen.de


Bewertung der biologischen Vielfalt von Aalen in Tansania

Projekt

Fischmarkt an einem Strand in Tansania (c) Reinhold Hanel
Fischmarkt an einem Strand in Tansania (© Reinhold Hanel)

Bewertung der biologischen Vielfalt von Aalen (Anguillidae und Congridae) in Tansania: Förderung einer nachhaltigen Fischerei und des Schutzes der Lebensräume durch Umwelt­überwachung und Kompetenzaufbau

In den Gewässern Tansanias kommen etwa 40 Aal-artige Fischarten aus den Familien der Flussaale, Conger und Muränen vor. Einige gelten als gefährdet. Über ihre genaue Artzugehörigkeit, Verbreitung, Ökologie und Nutzung ist jedoch nur wenig bekannt. Angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums und der damit einhergehenden wachsenden menschlichen Einflüsse auf die Umwelt ist es dringend notwendig, den ökologischen Zustand von Gewässersystemen zu erheben, um Gebiete mit hoher Artenvielfalt gezielt als schutzwürdig ausweisen zu können.

Hintergrund und Zielsetzung

Aale werden in vielen Küstenregionen traditionell befischt und sind damit eine wichtige Quelle für Nahrung und Einkommen. Die Bestände verschiedener Aal-Arten sind jedoch weltweit rückgängig und es wird vermutet, dass verschiedene anthropogene Ursachen eine wichtige Rolle dabei spielen. Als Wanderfische, die verschiedenste Habitate nutzen, sind Aale auf die Durchgängigkeit der Gewässer angewiesen, unterliegen verschiedensten anthropogenen Einflüssen und gelten deshalb als besonders sensibel.

Etwa 40 anguilliforme Fischarten der Familien der Muränen, Conger und Flussaale sind für Tansania beschrieben. Über ihre Verbreitung, Ökologie und Nutzung ist jedoch wenig bekannt und selbst die genaue Artzugehörigkeit ist in einigen Fällen zweifelhaft. Sie standen bislang nicht im Fokus der biologischen und fischereilichen Forschung und auch die Erfassung der Fänge erfolgt nicht im Detail.

Aus der Familie der Flussaale und der Gattung Anguilla sind vier Arten für Ostafrika bekannt: Anguilla bengalensis, A. bicolor, A. marmorata und A. mossambica. Das Wissen über deren Verbreitung und andere grundlegende biologische Parameter ist jedoch gerade für Tansania lückenhaft, obwohl zwei dieser Arten, A. bengalensis und A. bicolor, von der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet“ eingestuft werden.

Neben Lebensraumverlust sind diese tropischen Aal-Arten auch einem zunehmenden Fischereidruck ausgesetzt, seit sie der internationale Handel als Setzlingsersatz für den bedrohten Europäischen und Japanischen Aal für Aal-Mastbetriebe vor allem in China erkannt hat. Zusätzlich könnte das für die kommenden Jahrzehnte erwartete Bevölkerungswachstum zu einem erhöhten Risiko der Überfischung sowie zu einer zunehmenden Beeinträchtigung von Gewässerhabitaten vor allem in Küstennähe führen (z.B. Verbau, Verschmutzung).

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung bedarf es nicht nur eines politischen und administrativen Rahmens, sondern auch ausreichenden Wissens über den Status der verfügbaren Ressourcen und ihrer Nutzung. Neben einer Dokumentation des gegenwärtigen Zustands soll das Projekt deshalb auch die Grundlagen für ein langfristiges, aber kostengünstiges Überwachungskonzept erarbeiten.

Vorgehensweise

Die Projektpartner haben vier hauptsächliche Projektziele definiert:

  • Erfassung und Bewertung der Biodiversität sowie Dokumentation biologischer und ökologischer Aspekte Aal-artiger Fische in ausgewählten Fließ- und Küstengewässerhabitaten
  • Rekonstruktion der Bestandsentwicklung und der Fangzahlen von Aalen, um den Einfluss der Fischerei auf die Bestände zu bewerten
  • Erfassung soziokultureller und ökonomischer Faktoren, die die Nachhaltigkeit der Aalfischerei beeinflussen
  • Wissenstransfer und Kompetenzbildung für den Schutz der Biodiversität und eine nachhaltige Nutzung

Die Studie, die von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im MeerWissen-Programm finanziert wird, konzentriert sich auf Gebiete der wichtigsten Küstenflüsse in Tansania – Rufiji im Distrikt Rufiji und Pangani in der Region Tanga – deren Fischbestände eine wichtige fischereiliche Ressource in der Region darstellen. Die Studie soll Flussabschnitte sowie Mündungs- und Küstengebiete umfassen. In beiden Flüssen sind bereits ökologische Verschlechterungen mit ökonomischen und sozialen Auswirkungen festzustellen.

Das Artenspektrum in den Flüssen und Küstengewässern soll möglichst repräsentativ erfasst, fotografisch dokumentiert und mit modernen molekulargenetischen Methoden analysiert werden. Für Aale sollen einige biologische Aspekte, z.B. die Nahrungswahl und die Belastung mit Schadstoffen, genauer untersucht werden. Zudem sollen erste Untersuchungen über die ozeanische Laichwanderung mit sogenannten Pop-up-Satellitentransmittern erfolgen.

Die sozioökonomischen, fischereilichen und soziokulturellen Aspekte werden vornehmlich durch die tansanischen Projektpartner bearbeitet. Dabei wird auf eine enge Einbindung der örtlichen Fischer-Gemeinschaften geachtet, beispielsweise bei der Habitatbeschreibung, der Probengewinnung und der Einschätzung der Fangentwicklung. Dafür werden Fragebögen und Interviews zum Einsatz kommen.

Die Studienergebnisse zu biologischen Charakteristiken, zur Nutzung der Arten und zu den sozioökonomischen Aspekten werden den staatlichen Institutionen und Behörden zusammen mit Vorschlägen für ein angemessenes und praktikables Überwachungsschema mitgeteilt. Dies beinhaltet auch Erkenntnisse zu potenziellen Bedrohungen für die Arten im Untersuchungsgebiet.

Links und Downloads

meerwissen.org/partnership-projects/bioeels-tz

Thünen-Ansprechpartner


Beteiligte Thünen-Partner


Beteiligte externe Thünen-Partner

  • University of Dar es Salaam (UDSM)
    (Daressalam, Vereinigte Republik Tansania)
  • Tanzania Fisheries Research Institute (TAFIRI)
    (Daressalam, Vereinigte Republik Tansania)

Geldgeber

  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
    (national, öffentlich)

Zeitraum

10.2020 - 9.2022