Stellvertretende Institutsleitung

Sekretariat

Kerstin Martens
Institut für Betriebswirtschaft

Bundesallee 63
38116 Braunschweig
Telefon: +49 531 596 5102
Fax: +49 531 596 5199
bw@thuenen.de


Zukunft der Schafhaltung in Deutschland

Projekt

Schafhaltung in Deutschland (c) Thünen-Institut/Johan Schütte
(© Thünen-Institut/Johan Schütte)

Zukunft der Schafhaltung in Deutschland

Schafhalter leisten einen wichtigen Beitrag für die Pflege und Offenhaltung von Landschaften und produzieren zugleich wertvolle Lebensmittel und Wolle. Doch wie steht es aktuell um die Schafhaltung? Welche Formen von schafhaltenden Betrieben gibt es in Deutschland? Welche Perspektiven und Herausforderungen gibt es? Diesen Fragen wird in diesem Projekt nachgegangen.

Hintergrund und Zielsetzung

Die Schafhaltung in Deutschland ist seit Anfang der neunziger Jahre rückläufig und ist mit wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Nachdem es jahrelang still war um den Sektor, rückte die Schafhaltung durch die Ausbreitung der Wolfspopulation und die zunehmende Bedrohung durch Wolfsrisse wieder in den Blickwinkel von Öffentlichkeit und Medien. Aber wie sieht es derzeit wirklich aus in der deutschen Schafhaltung? Um die aktuelle Situation der Schäfereien besser bewerten zu können, wird in diesem Projekt zunächst eine Gliederung des Sektors der Schafhaltung durch eine Typologisierung von Betrieben angestrebt. Eine Typologisierung erlaubt es, Trends des Wandels in der Tierhaltung zu bewerten und wichtige Produktivitätshemmnisse zu ermitteln. Sie kann außerdem für die Priorisierung spezifischer Politikmaßnahmen und als Instrument zur Unterstützung in der von Beraterung verwendet werden.

Um Hilfestellungen für politische Entscheidungen und gegebenenfalls zu einer gezielten Förderung der Schafhaltung erarbeiten zu können, reicht ein Wissen über die Gliederung des Sektors jedoch nicht aus. Auch zu der wirtschaftlichen Situation der schafhaltenden Betriebe gilt es Informationslücken zu schließen. Darauf zielt dieses Projekt ab, damit Perspektiven und Herausforderungen für eine zukünftige wirtschaftliche Schafhaltung aufgezeigt werden können.

Vorgehensweise

Vor diesem Hintergrund sollen mit Hilfe einer eigenen Erhebung über die Schafzuchtverbände zunächst physische Parameter der schafhaltenden Betriebe, wie Herdengröße, Betriebsfläche, Haltungsform und Betriebssitz, sowie ein Stimmungsbild der Schafhalter zur eignen Situation mit einem kurzen Fragebogen erfasst werden. Aus den Daten dieser Erhebung werden dann mit Hilfe einer Clusteranalyse Betriebstypen charakterisiert. Für die auf diese Weise ermittelten Betriebstypen werden im zweiten Schritt Fallstudien erhoben. Im Rahmen der Fallstudien werden Fokusgruppen durchgeführt, um wichtige Produktionskennzahlen der typischen Betriebe zu ermitteln. Nachfolgend werden die Wirtschaftlichkeit sowie die Produktionskosten mit dem Modell TIPI-Cal analysiert. Die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Betriebstypen wird horizontal zwischen den verschiedenen Betriebstypen und im internationalen Kontext des agri benchmark Netzwerkes verglichen. Aus diesen Analysen und Vergleichen wird versucht Perspektiven und Strategien für die Schafhalter abzuleiten. Im Rahmen dieses Projektes erfolgten auch Analysen zu den Kosten von Wolfsrissen und Herdenschutzmaßnahmen in der Schaf- und Rinderhaltung.

Unsere Forschungsfragen

  • Welche typischen Haltungssysteme für die Schafhaltung herrschen in Deutschland vor und wie lasssen sich diese voneinander abgrenzen?
  • Wie ist die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Systeme im horizontalen und im internationalen Vergleich zu bewerten?
  • Mit welchen Maßnahmen kann die Schafhaltung ggf. gezielt gefördert werden?

Vorläufige Ergebnisse

Die Befragung von Betrieben wurde von Juni bis September 2019 unter Beteiligung von über 400 Schafhaltern durchgeführt. Von den ausgefüllten Fragebögen wurden 362 vollständig bearbeitet und können für die Analyse herangezogen werden. Eine Veröffentlichung zu der Typologisierung der Betriebe ist in Vorbereitung. Die durchgeführte Clusteranalyse ergibt, dass sich acht unterschiedliche Betriebstypen charakterisieren lassen. Nach der Erwerbsform geordnet lassen sich vier Typen von Haupterwerbsbetrieben, zwei Typen von Nebenerwerbsbetrieben und zwei Typen von Hobbybetrieben unterscheiden. Unterscheidungsmerkmale der vier Typen der Haupterwerbsbetriebe sind neben starken Unterschieden in der Betriebsgröße auch in dem Fokus auf die Landschaftspflege oder die Fleischproduktion sowie den Haltungsformen zu erkennen. Zeit- und arbeitsaufwendige Haltungsverfahren wie die standortgebundene Hütehaltung und Wanderschäferei werden fast ausschließlich von den Haupterwerbsbetrieben angewendet. Die Nebenerwerbs- und Hobbyschäfereien nutzen hingegen vorrangig das Verfahren der Koppelhaltung. Die beiden Typen von Nebenerwerbsbetrieben haben jeweils einen stärkeren Fokus auf die Fleischerzeugung als auf die Landschaftspflege. Sie unterscheiden sich aber hinsichtlich der Größe, der Wirtschaftsweise und dem Produktionssystem. Die beiden Typen von Hobbybetrieben unterscheiden sich durch den Fokus auf die Zucht oder die Landschaftspflege und die Produktionsintensität. Im September 2020 beginnt die Erhebung von Fallstudien mit dem standardisierten Erhebungsverfahren von agri benchmark zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Betriebstypen.

Thünen-Ansprechpartner


Zeitraum

4.2017 - 3.2021

Weitere Projektdaten

Projekttyp:
Projektstatus: läuft