Bioenergie-Politik: In die falsche Richtung gefördert?

Dossier

Eine Biogasanlage

Seit Anbeginn nutzt die Menschheit biogene Energieträger: Pferde- und Ochsen­futter, Brennholz und Kuhdung, Kienspan und Lampenöl waren über Jahrtausende unverzichtbare Grund­lagen für Mobilität, Wärme und Beleuchtung.

Welt-Energieverbrauch, aufgegliedert nach Quellen (aus: <a href="http://ourfiniteworld.com/2012/03/12/world-energy-consumption-since-1820-in-charts/">ourfiniteworld.com</a>) (© Gail Tvenberg based on Vaclav Smil)

Dieses Bild hat sich im vergangenen Jahrhundert vollkommen gewandelt, weil die Wirtschaft die fossilen Energiequellen erschlossen hat (siehe Schaubild). Heute dominieren Erdöl, Erdgas und Kohle. Das Ende der fossilen Lagerstätten ist jedoch absehbar, und überdies schadet ihre Nutzung dem Erdklima. Eine globale Energiewende, an deren Ende wieder eine 100%ige Energieversorgung mit erneuer­baren Energieträger steht, ist also unausweichlich – und je früher sie kommt, desto besser ist es für das Erdklima. Doch was heißt das für die Bioenergie? Kann bzw. soll sie wieder jenen domi­nan­ten Platz im Energie-Port­folio einneh­men, den sie einmal hatte? Gibt es bessere Alternativen?

Bund und Länder, aber auch die Europäische Union haben sich mit dieser Grundsatzfrage nicht lange aufgehalten, sondern Mitte des letzten Jahrzehnts mit aller Kraft die Subventions- und Regula­tions­maschinerie angeworfen. Das hatte Folgen:

  • Ungefähr 18 % der deutschen Ackerfläche werden inzwischen für Bioenergie-Produktion genutzt. Damit werden ca. 3 % des Endenergieverbrauchs Deutsch­lands gedeckt.   
  • Die Zusatzkosten für die deutschen Energieverbraucher belaufen sich inzwischen auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr.
  • Ob mit der Nutzung von Bioenergie (nach Berücksichtigung von Landnut­zungs­effekten) ein nennenswerter Beitrag für den Klimaschutz erreicht wird, ist bei manchen Bioenergielinien fraglich.  
  • In vielen Regionen hat es Streit gegeben, weil die Bioenergie-Förderung die Wettbewerbs­verhält­­nisse verzerrt und insbesondere viele Nutztierhalter sich benachteiligt fühlen.
  • Die „Tank oder Teller“-Debatte wurde angeheizt, auch vor dem Hintergrund  der seit 2007 stark gestiegenen Weltagrarpreise und des ungelösten Welthunger-Problems.

In jüngster Vergangenheit hat die Politik erneut reagiert und ihre ehrgeizi­gen Expansions­ziele teilweise revidiert. Allerdings streiten die Interessengruppen nach wie vor intensiv über den richtigen Zukunftskurs.

Das Thünen-Institut hat die Bundesregierung und die Öffentlichkeit seit Mitte des letzten Jahrzehnts intensiv beraten. Die Kernaussagen sind im folgenden Hintergrund-Dokument zusammengefasst, und die zugehörigen Arbeitsdokumente stehen zum Download bereit.