Freiland-Gemüsebau in Deutschland mit hohen Zuwachsraten

Zahlen & Fakten

58 Prozent der Anbaufläche entfallen auf die drei Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Auch in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und Brandenburg befinden sich wichtige Gemüseanbauregionen (Karte 1 und Grafik 1). Dabei ist für fast alle diese Bundesländer ein Zuwachs der Gemüsebauflächen seit dem Jahr 2000 zu verzeichnen.

Der Strukturwandel im Gemüsebau, der bereits seit Jahrzehnten hin zu immer weniger, aber größeren Betriebseinheiten erfolgt, hat sich in den letzten Jahren weiter fortgesetzt. Die Anzahl der Betriebe, die bundesweit Gemüse im Freiland anbauen, sank seit 2000 deutlich. Aufgrund einer Änderung der Erfassungsgrenzen der Statistik kann ein direkter Vergleich mit den aktuellen Zahlen erst ab 2012 erfolgen. Seitdem hat die Zahl der Gemüsebetriebe um ca 10 % von 6.970 auf 6.300 abgenommen. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Gemüsefläche je Betrieb von 15,8 ha auf 17,5 ha an (Grafik 2). Jedoch bestehen hier je nach Region erhebliche Unterschiede.

Grafik 2: Durchschnittliche Anbaufläche von Gemüse pro Betrieb nach Bundesländern in 2012, 2016 bis 2018. Datenquelle: Statistisches Bundesamt (© Thünen-Institut)

Im deutschen Freiland-Gemüseanbau wird eine Vielzahl unterschiedlicher Gemüsearten kultiviert. Nicht nur die Betriebe wandeln sich in ihrer Struktur, Größe und Spezialisierungsgrad, auch das in Deutschland angebaute Gemüsespektrum hat sich im Lauf der Zeit verändert (Grafik 3).

Grafik 3: Relative Veränderung der Gemüseanbauflächen im Freiland für die Mittelwerte aus 2016 bis 2018 im Vergleich zu denen aus 2006 bis 2008, differenziert nach Gemüsearten. Datenquelle: Statistisches Bundesamt (© Thünen-Institut)

So nahm in den letzten Jahren die Spargelanbaufläche weiter zu. 2018 war der Spargel mit 28.514 Hektar Anbaufläche die am weitesten verbreitete Gemüseart. An zweiter und dritter Stelle stehen Möhren und Speisezwiebeln sowohl für den Frischmarkt und als Verarbeitungsgemüse. Die Anbauflächen sind in den vergangenen zehn Jahren um 20 % auf 12.200 Hektar (Möhren) bzw. im 33 % auf 11.480 Hektar (Speisezwiebeln) angestiegen.

Der Kohlanbau ist insgesamt rückläufig und wird nach wie vor von Weißkohl (5.500 ha), Blumenkohl (3.300 ha) und Rotkohl (2.050 ha) dominiert. Der Salatanbau wurde in den letzten zehn Jahren um 8 % ausgedehnt und in seinem Artenspektrum deutlich verändert, weg von den klassischen Kopf- und Eissalaten, hin zu Blattsalaten wie Feldsalat (+20 %), Romanasalat (+106 %) und Rucola (+194 %).

Der Anbau von Speisekürbissen hat regelrecht einen Boom erlebt. Erst seit 2005 werden sie gesondert in der Statistik ausgewiesen, mit einem Anbauumfang von 1.241 Hektar. 2018 belief sich die Anbaufläche auf 4.150 Hektar.

Grafik 4: Anbauflächen und deren Anteile wichtiger Gemüsearten in der Vorderpfalz im Jahr 2012. Datenquelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2013) (© Thünen-Institut)

Niedergelegt sind die Ergebnisse im Thünen Working Paper 56. In dem 150-seitigen Dokument finden sich mehr als 100 Abbildungen und 30 Tabellen. Im Working Paper werden alle Landkreise mit Gemüseanbauflächen über 1.000 Hektar vorgestellt und das angebaute Gemüseartenspektrum charakterisiert (Grafik 4: Beispiel Vorderpfalz).

Der Bericht endet mit einer Analyse der Warenströme und des Außenhandels mit Gemüse. Insgesamt importiert Deutschland erhebliche Mengen von Gemüse, mehr als 50 % des auf Großhandelsebene verfügbaren Gemüses stammen aus Importen. Diese kommen zu über 90 % aus den europäischen Nachbarländern.