Auswirkungen des Mindestlohns

Expertise

Wissenschaftler des Thünen-Instituts haben 2015 in gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Betrieben eine bundesweite Befragung zu den Auswirkungen des Mindestlohns durchgeführt. Dabei ging es um Kosteneffekte, Anpassungsstrategien (z.B. Veränderungen in den Produktionssystemen) und um praktische Probleme bei der Umsetzung. Ziel war eine erste Einschätzung nach Inkrafttreten des Mindestlohn-Gesetzes zum 1. Januar 2015.

Probleme sahen die befragten Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter neben der Lohnhöhe vor allem in den gestiegenen Anforderungen an die Bürokratie. Hier geht es vor allem um den hohen Verwaltungsaufwand für Arbeitszeitaufzeichnungen, aber auch um zu unflexible Ausnahmeregelungen des Arbeitszeitgesetzes bei drohenden Ernteverlusten.

Mit der gesetzlich festgeschriebenen Begrenzung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden sind viele Saisonarbeitskräfte unzufrieden, da sie während des kurzen Aufenthaltes in Deutschland möglichst viel verdienen möchten. Auch bei der Umsetzung von Leistungslohnsystemen und einer von den Mitarbeitern als gerecht empfundenen Lohndifferenzierung sahen die Befragten Schwierigkeiten.

Als Anpassung an den Mindestlohn stellen die Betriebe höhere Anforderungen an die Arbeitsleistung der Arbeitskräfte. Das wird den Umgang mit weniger leistungsfähigen Personen verändern. Zudem wird noch mehr als bisher in Mechanisierung investiert werden, um langfristig die Beschäftigung von Fremd- und Saisonarbeitskräften zu reduzieren. Verschiedene Betriebe planen auch, Flächen mit arbeitsintensiven Kulturen zu verringern. Das Sortenspektrum wird künftig stärker auf möglichst geringen Arbeitsaufwand bei Pflege und Ernte ausgerichtet werden.

Die Löhne werden im Zeitraum bis 2018 stufenweise auf mindestens 9,10 €/Stunde ansteigen. In der Erzeugung von Obst und Gemüse führt dies in vielen Fällen zu einem deutlichen Anstieg der Produktionskosten. So ergaben Modellrechnungen anhand typischer Betriebe, dass gegenüber 2014 die Produktionskosten von Äpfeln um etwa 7 %, von Spargel um 12 % und von Erdbeeren um 16 % steigen werden. Inwieweit dies auf die Verbraucher überwälzt werden kann oder zu mehr Importen führt, bleibt abzuwarten.

Die Ergebnisse sind im Thünen Working Paper 53 zusammengefasst. Sie spiegeln erste Einschätzungen und Erwartungen der Betriebsleitungen wieder; konkrete Analysen anhand statistischer Datengrundlagen werden erst in den kommenden Jahren möglich sein.